Zerbst l „Heute blicken wir im Heimaträtsel in die Brüderstraße“, hat Rosemarie Klitsch natürlich richtig erkannt. Der Fotograf habe sicher an der Ecke Markt oder auf dem Markt gestanden, schreibt sie in ihrer E-Mail. Auch das hat Rosemarie Klitsch völlig richtig einordnen können. „Das ist ein wunderschönes altes historisches Foto und hat wohl Seltenheitswert“, schwärmt sie von dem Bild.

Vorne links sei auch ein historisches Gebäude zu sehen, das viel zu erzählen hätte. Dort seien tagtäglich viele Menschen ein und aus gegangen. „Soweit ich mich nach Erzählungen erinnern kann, war das wohl mal eine Töchterschule. Das Gebäude ist im Krieg kaum beschädigt worden und die Eingangstür sieht heute fast noch original aus. Seit den 50-er Jahren war in dem Gebäude das Kreisgericht untergebracht, später hieß es Amtsgericht“, schildert Rosemarie Klitsch.

Gericht beherbergte eine Verwahrzelle

Sie kenne das Gebäude nicht nur von außen, sondern auch von innen gut. „Dort fanden alle Straf- und Zivilverfahren statt. Sogar eine Verwahrzelle besaß dieses Gebäude und einen riesigen Keller, in dem man sich oft gruselte. Drei Dienststellen waren dort untergebracht, Notariat, Gericht und Staatsanwaltschaft. Später dann, nach der Wende, zog das Amtsgericht zur Schloßfreiheit um, wo es sich heute noch befindet“, schreibt Rosemarie Klitsch. Jetzt sei es ein schönes Mehrfamilienhaus geworden, das sich sehr gut in unsere Stadt einfüge.

Bilder

Die rechte Seite der Häuserzeile, wie sie hier abgebildet ist, könne sie nicht beschreiben, wer dort zur damaligen Zeit gewohnt hat, „aber später befand sich dort der Uhrmachermeister Otto, der Friseursalon Melde und ein kleiner Verkaufsladen der Konsumgenossenschaft“, erinnert sie sich und ergänzt: „Sehr schön finde ich die Baumreihen bis zum Francisceum, weil in der Innenstadt nicht mehr viel Grün vorhanden ist. Früher nannte man unser Zerbst auch ,Der grüne Gürtel‘, weil wir sehr viele schöne Parkanlagen rings um die Stadtmauer haben.“

Straßenname leitet sich von Mönchen ab

Mit den Geschäften, die sich im vorderen Teil der Brüderstraße befunden haben, kannten sich die meisten der Anrufer aus, wie beispielsweise Robert Walk, Ursula Hackemesser, Waltraud Bräse, Christa Jacobs, Detlef Teßmann, Helmut Lehmann, Gisela Thiem, Helmut Morbach, der Wohnbereich II im Willy-Wegener-Pflegeheim, André Bosold oder Heinz Stamann.

„Der Name Brüderstrasse leitet sich von den Mönchen des Franziskanerklosters – nach der Reformation das Gymnasium Illustre (die anhaltische Landesuniversität und nach 1800 Gymnasium, später als Franzisceum benannt)“, weiß Dietrich Franke, Oberkirchenrat im Ruhestand zu berichten. Neben der Brüderstraße gebe es zudem die Lüttge Brüderstraße.

Kloster mit Doppelstruktur

„Die unterschiedlichen Straßennamen weisen auf die Doppelstruktur des einstigen Klosters hin – die Brüder waren die Patres-Priester und die kleinen Brüder (lüttgen Brüder) waren die Laienbrüder“, erläutert Dietrich Franke in seiner E-Mail.