Neue Ausstellung mit Bildern von Gerald Götze lockt ins Rathaus

Historische Gemäuer kehren als effektvolles Aquarell wieder

Von Daniela Apel

Zerbst l "Wie ein Foto. Wenn der Himmel nicht wäre, würde man nicht sehen, dass es gemalt ist." Beeindruckt betrachtet Peter Haake die Bilder in den Rathausfluren. Und der Strinumer ist nicht der einzige, der über die eingefangenen Details staunt. Für seine "Zerbster Ansichten, Mauerstücke, Blicke auf Residenzen und geschichtsträchtige Orte in Sachsen-Anhalt" heimst Gerald Götze anerkennende Worte der Vernissage-Besucher ein. Fasziniert schauen sie sich bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochnachmittag die wirkungsvollen Werke an, die nun bis Juni in der Stadtverwaltung zu sehen sind.

Das Heidetor oder die Frauenmühle hat der 69-Jährige genauso eingefangen wie den Rosenwinkel oder das Gildehaus. Doch nicht nur Zerbster Motive sind zu finden. Unweit der Wasserburg von Walternienburg und des Coswiger Schlosses hängen Ansichten des Magdeburger Doms. "Das Westportal war eine Herausforderung - die Gotik, so viele Steine", erklärt der gebürtige Roßlauer und bemerkt lächelnd: "Die Kunst des Malens besteht im Weglassen."

Seine Liebe für historische Gemäuer ist berufsbedingt, das "Mal-Gen" ihm quasi in die Wiege gelegt: Er ist Malermeister in vierter Generation und Restaurator. "In der Schule habe ich im Zeichenunterricht keine guten Noten gekriegt", gesteht Gerald Götze, der als junger Mann im Malerzirkel in Dessau war. Seine künstlerische Ader trat im Urlaub zu Tage. "Meine Frau hatte die Enkel mit, ich den Malkasten", berichtet er schmunzelnd. "Zehn bis 15 Bilder entstehen im Urlaub", beschreibt der 69-Jährige das Malen als "Balsam für die Seele". "Es macht Spaß", sagt er, der immer einen Skizzenblock dabei hat. Die Motive zeichnet Gerald Götze mit Fineliner vor, bevor er zu Aquarellfarben greift. Erst widmet er sich dem Himmel, dann den Details, wobei er im Spiel mit Licht und Schatten Tiefe hineinbringt.

"Die Kunst des Malens besteht im Weglassen."

Gerald Götze

Für eines seiner Werke benötigt er je nach Format etwa fünf bis zehn Stunden. "Bei Aquarell muss man nicht lange warten, bis es trocknet", nennt der Hobbykünstler einen entscheidenden Vorteil dieser Technik. Dabei verdünnt er die Farben mitunter mit Fluss- oder Seewasser, wenn sich die gewählte Ansicht in Gewässernähe befindet. Die Objekte selbst bringt er authentisch aufs Papier. "Es muss realistisch sein", findet Gerald Götze. Daneben verrät er, dass er manchmal durchaus etwas von der Wirklichkeit abweicht. So ist unter den insgesamt 54 ausgestellten Bildern, die zwischen 2009 und 2013 entstanden sind, eine "Fälschung" versteckt, wenn man so will. Wer die einzelnen Motive genau auf sich wirken lässt und öfter im Zerbster Schlossgarten spazieren geht, sollte diese erkennen...

Vielfache Inspiration hat der 69-Jährige übrigens durch die Aktion "Kunst-Stadt(t)-Mauer" erhalten. Seit mehreren Jahren nimmt er an der Zerbster Kunstmeile teil. Mancher erinnert sich vielleicht an das gut 25 Meter lange Panorama von der Stadtmauer, das von ihm stammt. Auch im "Kunstfenster" auf der Breite waren seine Werke bereits zu sehen. Nun hängen sie verteilt auf mehrere Etagen in den Fluren des Rathauses.

"Die Ausstellung wird sicher zahlreiche Besucher finden", prophezeit Bürgermeister Andreas Dittmann in seiner kurzen Rede bei der Vernissage. Zugleich weist er auf die 5. Auflage von "Kunst-Stadt(t)-Mauer" am 30. Juni hin, wo die Arbeiten von Gerald Götze als Postkarten-Mappe erhältlich sein sollen. Natürlich können auch die Original-Bilder erworben werben. Der eine oder andere hat sich vorgestern vorsichtshalber schonmal für eines vormerken lassen.