Umweltzentrum Ronney bietet praxisorientiertes Seminar an

Hobbygärtner tauchen in Baumschnitt ein

Von Daniela Apel

Um Leitäste, Konkurrenztriebe und Wasserreiser ging es am Sonnabend im Umweltzentrum Ronney. Bei einem dreistündigen Seminar ließen sich Hobbygärtner von einem Fachmann in den Obstbaumschnitt einweihen.

Ronney l Die Resonanz ist ungebrochen. Seit das Umweltzentrum Ronney 2010 erstmals ein Baumschnittseminar durchführte, reißt die Nachfrage nicht ab. Längst ist aus der einmaligen Veranstaltung ein alljährliches Angebot geworden, das am Sonnabend seine Fortsetzung fand. Aus umliegenden Orten wie Gödnitz, Kämeritz und Niederlepte kamen die Teilnehmer. Aber auch aus Zerbst, Gommern, Pretzien oder Magdeburg zog es begeisterte Hobbygärtner in die Elbaue. Insgesamt ließen sich 19 Frauen und Männer in Schnittwirkungs- und Triebförderungsgesetze einweihen.

Zu ihnen gehörte Petra Baum aus Schönebeck. "Ich möchte die Bäume in meinem Garten vernünftig schneiden", erklärte sie. Auch Holger Hübner wollte sich einige wertvolle Ratschläge holen. "Es erzählt einem ja keiner, wie es richtig geht", bemerkte der Walternienburger.

Mit Thomas Jahn stand der interessierten Runde ein kompetenter Fachmann gegenüber. Der Naturwachtmitarbeiter im Biosphärenreservat Mittelelbe kennt sich bestens in der Materie aus. Seit neun Jahren betreut er den Obstlehrpfad an der Kapenmühle bei Oranienbaum. Das schließt das Schneiden von weit über 100 Bäumen ein. Sein Wissen und vor allem seine mit der Zeit gesammelten Erfahrungen gab er während des dreistündigen Seminars weiter.

Das begann Thomas Jahn mit einer theoretischen Einführung. Er vermittelte seinen aufmerksamen Zuhörern zunächst Basiswissen. So erläuterte er ihnen, dass die Leitäste das Kronengerüst bilden, das später die Fruchtlast trägt. Er erzählte, dass Bäume besonders schnell vergreisen, wenn sie nicht geschnitten werden. Sie ähneln mit ihren herunterhängenden Ästen dann Trauerweiden. Auch solche Exemplare bekommt man durchaus wieder dazu, Früchte zu tragen. Allerdings ist das deutlich schwieriger, als den Obstbaum von Anfang an so zu erziehen, dass er eine ideale Krone bildet. Eine solche verfügt über Leitäste, die im Winkel zwischen 45 und 90 Grad auf unterschiedlichen Höhen und zueinander versetzt vom Stamm abzweigen.

Anhand von Zeichnungen und Bildern schilderte Thomas Jahn den Hobbygärtnern, wie sie eine optimale Baumkrone formen. Er erklärte ihnen, dass stets die höchstgelegene Knospe die Nähstoffe anzieht und man die Leitäste immer um eine Handspanne länger lassen sollte als die abzweigenden Fruchtäste zweiter und dritter Ordnung. "Er wird dann stärker austreiben." Beim Einkürzen der Leitäste ist zudem stets darauf zu achten, dass die letzte Knospe nach außen zeigt. Die Teilnehmer erfuhren ferner, dass nach dem ersten Standjahr das obere Drittel des Leitastes abgeschnitten sowie Konkurrenztriebe und Wasserreiser entfernt werden sollten.

"Jetzt weiß ich besser bescheid."

Petra Baum aus Schönebeck

Nach all der Theorie stand die Anwendung der darlegten Fakten aus der Tagesordnung. Dazu ging es hinaus in das verschneite Gelände des Umweltzentrums. An einem Apfelbaum der Sorte Weißer Wintercalvill demonstrierte Thomas Jahn den Frauen und Männern seine Ausführungen. Durch das Entfernen und Einkürzen von Ästen lichtete er die Krone, wobei er jeden Schnitt erneut begründete.

Hier und da wurde genauer nachgefragt, warum er gerade an jenem Ast die Schere angesetzt hat und nicht an einem anderen. Manchmal ist es egal, für welchen man sich entscheidet. Wichtig sei, den Ast im Ganzen zu betrachten, betonte Thomas Jahn. Zugleich empfahl er den Anwesenden, lieber weniger als zuviel wegzuschneiden. Denn nachkürzen kann man im Folgejahr immer noch. Überhaupt sollten radikale Schnittmaßnahmen über mehrere Jahre verteilt werden. Um zu beobachten, wie ein Baum auf die einzelnen Eingriffe reagiert, könnte man die Äste markieren. Noch besser sei ein Foto, wandte sich der Naturwachtmitarbeiter an seine wissbegierigen Zuhörer. Nicht zuletzt riet er ihnen, den Baum nicht zu hoch wachsen zu lassen. Zum einen komme man selbst ohne spezieller Technik nicht mehr an die oberen Äste heran. Zum anderen lenkt man die Kraft in die Früchte, wenn man das Wachstum bremst.

"Jetzt weiß ich besser bescheid, was ich abschneiden muss, damit der Baum wächst, wie es mir gefällt", konstatierte Petra Baum am Ende des Seminars lächelnd. "Dass man Obstbäume auch bei Frost schneiden kann, wusste ich nicht", gestand Holger Hübner. Auch er kehrte wie die anderen Hobbygärtner mit vielen praktischen Tipps heim.