Umweltminister Aeikens und Landrat Schulze beraten Projekte in Anhalt-Bitterfeld

Hochwasserschutz im Kreis verbessert

Von Jan-Thomas Goetze

Wie geht es mit dem Hochwasserschutz im Landkreis Anhalt-Bitterfeld weiter? Diese Frage beantworteten Umweltminister Hermann-Onko Aeikens, Burkhard Henning vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Landrat Uwe Schulze bei einer Beratung in Köthen.

Köthen/Zerbst l "Wir wollen die Deiche in Sachsen-Anhalt bis 2020 nach den DIN-Normen ausgebaut haben," sagte Landesumweltminister Hermann-Onko Aeikens am Montag bei einer Auswertung des Juni-Hochwassers im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zusammen mit Landrat Uwe Schulze und dem Chef des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW), Burkhard Henning, in Köthen.

Henning: "Viele Gespräche haben mit den Kommunen mittlerweile stattgefunden." Er erläuterte die wichtigsten Vorhaben. Dazu zählte er die Deichrückverlegung im Lödderitzer Forst, die ein Kernstück des Naturschutzgroßprojektes "Mittlere Elbe" sei. Die Deichrückverlegung erfolge sowohl aus Gründen des Naturschutzes als auch aus Gründen des Hochwasserschutzes, so Henning.

Durch die Rückgewinnung von 600 Hektar Überschwemmungsgebiet und einer Scheitelabsenkung im Hochwasserfall von circa 28 Zentimetern werde darüber hinaus durch die Rückverlegung des Deiches ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Region geleistet. Henning: "Das Vorhaben beinhaltet den Neubau eines 7,3 Kilometer langen Deiches (DIN-gerecht), die Schlitzung des alten 5,9 Kilometer langen Deiches und den Gewinn von 600 Hektar Überschwemmungsgebiet mit Entwicklung von Hartholzauenwald."

Er erläuterte, dass das Schöpfwerk Breitenhagen zum Jahresende wieder auf automatischen Betrieb umgestellt werden solle. Henning betonte, dass das Schöpfwerk nun technisch so geschützt sei, dass ein wasserbedingter Ausfall nach jetzigem Stand zukünftig ausgeschlossen werden könne.

Im Forderungskatalog des Landkreises Anhalt-Bitterfeld ist für den Bereich Elbe unter anderem die Überarbeitung und Anpassung des Betriebsregimes Schöpfwerk Aken sowie ein sicherer Betrieb des Schöpfwerkes bei Hochwasser festgeschrieben, so Landrat Schulze. Das Schöpfwerk Aken war ein heftiger Streitpunkt zwischen Stadt, Kreis und Land. Deswegen haben Bürgermeister und Wehrleiter die Fluthelfernadeln des Landes nicht angenommen. Das Schöpfwerk Aken konnte laut Land beim Hochwasser im Juni nicht zugeschaltet werden, weil Stromschlaggefahr bestand.

Das Schöpfwerk sei wieder einsatzbereit, so das Umweltministerium. Laut Ministeriumssprecher Detlef Thiel ist der Bau eines zusätzlichen neuen Schöpfwerkes bei Lödderitz geplant.

Der Chef des Landesbetriebes für Hochwasserschutz, Burkhard Henning, informierte, dass die Deichbruchstelle des Breitenhagener Saaledeiches DIN-gerecht geschlossen sei. Grundsätzlich befürwortete er auch die Wiederherstellung des alten Ringdeiches, der in zweiter Verteidigungslinie Breitenhagen schützt. Dieser war bei der jüngsten Hochwasserkatastrophe ebenfalls gebrochen, was letztlich zur Überflutung der Ortschaft im Salzlandkreis führte. Henning geht davon aus, dass der neue Deich 2016 fertiggestellt sein wird.

Eine Schlitzung des alten Deiches werde etwa zwei bis drei Jahre später erfolgen, wenn der neue Deich sich gesetzt habe. Henning: "Wir stehen dabei überhaupt nicht unter Zeitdruck."

Hermann-Onko Aeikens stellte auch die Pläne für die Muldedeiche vor. Folgende Hochwasserschutzmaßnahmen sollen dort laut Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in den kommenden Jahren umgesetzt werden:

- Leineabsperrbauwerk einschließlich Siel: Bau 2014, Vergabeverfahren läuft bereits

- Hochwasserschutz Jeßnitz-West: rechtskräftiger Planfeststellungsbescheid liege vor, Baubeginn 2014

- Deichrückverlegung Priorau-Niesau-Möst: Bau läuft bereits

- Deichrückverlegung Altjeßnitz: Die Zeitschiene ist abhängig vom weiteren Verlauf des Planfeststellungsverfahrens

- Deichrückverlegung Raguhn-Retzau: Planfeststellungsverfahren läuft

- Polder Rösa (Sachsen-Anhalt) und Löbnitz (Sachsen):

Für diese beiden Hochwasserschutz-Maßnahmen liegt laut Ministerium der rechtskräftige Planfeststellungsbescheid vor, die baulichen Umsetzungen würden jeweils ab 2014 beginnen. Die Fertigstellungen seien bis 2020 vorgesehen. Durch die Polder werde es eine erhebliche Verbesserung des Hochwasserschutzniveaus des gesamten Muldeunterlaufs geben, gerade auch bei Hochwasserereignissen in Größenordnung des Hochwassers 2013.

Folgende Projekte sind laut Ministerium an der Elbe geplant: Beim Juni-Hochwasser ist der sogenannte "Dünendeich Aken" zwischen Mutter Storm und Aken nördlich der Landesstraße 63 durch die Elbe überspült worden.

Bei dem im Anschluss an den Landes-Deichabschnitt Mutter Storm (Dessau) Richtung Aken gelegenen Hochufer handele es sich nicht um einen in Landesverantwortung befindlichen Deich, so Henning. Man sei in einem Gespräch mit dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld darüber einig geworden, dass mit dem Ziel eines Deichlückenschlusses dringend Maßnahmen auf der Trasse ab Deich Mutter Storm Richtung Aken erfolgen müssen, so Burkhard Henning.