Zerbst l Wer am vergangenen Dienstag um 16 Uhr in der Volksbank-Filiale in Zerbst zur Blutspende des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wollte, musste ein bisschen Zeit mitbringen. Denn im dritten Stockwerk der Filiale und im Treppenhaus stehen bereits gut zehn Personen an. Alle mit angemessenem Sicherheitsabstand. Den meisten macht das aber nichts aus, sie haben Feierabend.

Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten können dann auch zehn Minuten später die Pforten geöffnet werden. Der Aufsteller am Eingang weist die Blutspender darauf hin, wer von der Blutspende ausgeschlossen werden muss. Dazu zählen zum Beispiel Personen, die Kontakt zu Corona-Infizierten hatten oder vor kurzem im Ausland waren.

Ansteckung vemeiden

Eine junge DRK-Mitarbeiterin mit Maske und Handschuhen erkundigt sich am Empfang, ob die Kriterien gelesen und verstanden wurden und misst die Temperatur. Daraufhin werden die Hände desinfiziert, und jeder erhält einen Kugelschreiber zum späteren Ausfüllen der Unterlagen. Kleine Änderungen zum normalen Ablauf, um eine Ansteckung zu vemeiden.

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Weiter geht’s zur Aufnahme der Personalien. „Der Computer läuft nun wieder“, erzählt Andreas Koch, Rettungssanitäter und freiwilliger Helfer bei den Blutspendeterminen. Er sitzt hinter einer Glasscheibe. Im kleinen Empfangsbereich füllen die Spender dann auch die Blutspendeformulare aus – mit rund 1,5 Metern Abstand zwischen den Sitzplätzen. Schnell füllt sich der Raum und die Anmeldung muss kurze Zeit ruhen.

Station Nummer drei, das Labor. Eine Mitarbeiterin des DRK-​Blutspendedienst NSTOB sitzt ebenfalls hinter einer Glasscheibe und trägt zudem Maske und Handschuhe. Erneut wird die Temperatur gemessen und die Identität des Spenders abgeglichen – eine kurze Frage nach Name und Geburtsdatum. Dann pikst es kurz im Finger und mit einem Tropfen Blut wird der Hämoglobinwert gemessen, also der Anteil an Sauerstoffträgern in den roten Blutkörperchen. „Bei Frauen sollte der Wert bei 12,5, bei Männern bei 13,5 liegen“, erklärt Alexandra Steiner.

Formulare ausfüllen auf Abstand

Vor dem Arztzimmer – eigentlich nur ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen hinter einer provisorischen Wand aus Stoffen – bildet sich erneut eine Schlange. Teamärztin Jutta Franke trägt ebenfalls Mundschutz. Sie misst den Blutdruck, schaut sich das Blutspendeformular an und fragt nach dem Wohlbefinden. „Wichtig ist, dass man keine Erkältungssymptome aufweist“, erklärt Franke. Am besten sollte zu Hause schon mal die Temperatur gemessen werden.

Die Ärztin aus Wittenberg steht kurz vor dem Ruhestand und hilft gern bei der Blutspende des DRK aus. Blutspenden seien besonders in der Krise unentbehrlich, wie Jutta Franke erklärt. Mit der Öffnung der Krankenhäuser sei der Blutbedarf in den letzten Wochen stark gestiegen, wie der DRK-Blutspendedienst NSTOB mitteilt.

Station Nummer fünf – die Blutabnahme. Ein Mann sitzt erneut hinter einer Glasscheibe und nimmt das ausgefüllte Formular entgegen, auf dem man Fragen zu Vorerkrankungen oder Sexualleben beantworten muss. Im Raum geben bis zu sechs Personen gleichzeitig Blut ab. Die Entnahme erfolgt entweder am linken oder am rechten Arm. Das könne sich der Spender aussuchen, wie DRK-Mitarbeiterin Ines Schmidt erzählt.

500 Gramm in zehn Minuten

Gekonnt desinfiziert sie den Arm, legt den Venenstauer an und zapft das erste Blut für die Laboruntersuchung ab. Danach läuft das Blut direkt in einen Beutel. 500 Gramm werden entnommen. Rund fünf bis zehn Minuten dauert der Vorgang. Durch das Öffnen und Schließen der Faust kann der Blutfluss verbessert werden.

Wenn der Beutel voll ist, gibt das Gerät, welches das Blut im Beutel in Bewegung hält, einen Ton ab. Dann wird die Nadel entfernt und der Arm verbunden. Kurze Zeit bleibt der Spender dann noch auf der Liege sitzen, sonst könne es zu Kreislaufschwierigkeiten kommen, so Ines Schmidt.

Zur Stärkung wird den Spendern im Anschluss ein Imbiss-Paket und eine warme Bockwurst gereicht. Normalerweise gibt es ein Buffet, sagt Rettungssanitäter Andreas Koch. Doch wegen der Corona-Regeln muss das ausfallen.

65 Blutspender

65 Blutspender, davon acht Erstspender, waren an diesem Tag vor Ort. „Das ist keine hohe Zahl, aber wir sind mit jedem zufrieden der kommt“, sagt Andreas Koch. Viele Spender kenne er bereits persönlich, weil sie regelmäßig kommen. „Ein Herr kam neulich zu seiner 152. Spende“, freut sich Koch über die Hilfsbereitschaft der Zerbster.

Der nächste Blutspendetermin des Deutschen Roten Kreuzes findet am Mittwoch, 2. September, von 16 bis 19.30 Uhr in der Sekundarschule Ciervisti, Fuhrstraße 40 statt.