Berufsorientierung

Im Zerbster „Vogelherd“ drehen Schüler einen Film über die Ausbildung zur Restaurantfachkraft

Im August startet das neue Ausbildungsjahr, und längst sind nicht alle freien Stellen besetzt. Auch das Zerbster Parkrestaurant „Vogelherd“ sucht Nachwuchs. Das ist ein Grund, weshalb sich Gabriele und Ronald Erdmann an einem kreisweiten Projekt zur Berufsorientierung beteiligten.

Von Daniela Apel
Neuntklässler der Bitterfelder Sekundarschule ?Helene Lange? drehten im Zerbster Parkrestaurant ?Vogelherd? einen Film über die Ausbildung zur Restaurantfachkraft. Dazu interviewten sie Ronald Erdmann, der das Ausflugslokal gemeinsam mit seiner Frau Gabriele seit 1987 betreibt.
Neuntklässler der Bitterfelder Sekundarschule ?Helene Lange? drehten im Zerbster Parkrestaurant ?Vogelherd? einen Film über die Ausbildung zur Restaurantfachkraft. Dazu interviewten sie Ronald Erdmann, der das Ausflugslokal gemeinsam mit seiner Frau Gabriele seit 1987 betreibt. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Scheinwerfer und Mikrofon sind ausgerichtet. Die Kamera läuft und Ronald Erdmann blickt lächelnd hinein. Statt Gäste zu empfangen, schlüpft er in die Rolle des Interviewpartners. Eine ungewohnte und zugleich spannende Erfahrung ist der Filmdreh für ihn. Immer wieder muss er dieselbe Frage aufs Neue beantworten. So lange, bis alles passt. Das schlaucht durchaus, aber er bleibt entspannt.

Denn frühzeitige Berufsorientierung ist wichtig - für den Nachwuchs wie für die Unternehmen. Aus dem Grund beteiligen sich die Inhaber des Zerbster Parkrestaurants „Vogelherd“ gern am Projekt #Enterbrainment#ABI. Der Name ist eine Mischung aus den englischen Worten „entertainment“ (Unterhaltung) und "brain" (Gehirn). Auf ansprechende Weise sollen wissenswerte Fakten vermittelt werden, die bei der Frage helfen: Was will ich einmal werden?

Zielgruppe sind Jugendliche. Und wer könnte diese besser erreichen als Gleichaltrige? So richten sich die Workshops an die Klassen 8 und 9. „Weit über 200 Schüler haben bereits teilgenommen“, erzählt Projektmitarbeiter Markus Hampel. Zunächst in der Theorie, dann aber vor allem praxisnah beschäftigen sie sich an vier Tagen mit verschiedenen Ausbildungsberufen, die in der Region erlernt werden können.

Projekt erstreckt sich vorerst über zwei Jahre

Nebenbei erweitern die jungen Teilnehmer ihre Medienkompetenz. Gemeinsam produzieren sie einen fünf- bis siebenminütigen Film - angefangen bei der Planung über den Dreh bis hin zum Schnitt. Die benötigte Technik stellt die Leipziger commlab GmbH zur Verfügung, die bei dem von Land, Kreis und EU geförderten Projekt mit dem Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld kooperiert.

Der Startschuss fiel bereits im August 2019, nach zwei Jahren naht nun das Ende. Allerdings könnte eine Fortsetzung folgen. Wie Markus Hampel andeutet, steht wohl eine Verlängerung in Aussicht. „Dann könnten wir noch weitere Berufe vorstellen“, freut er sich.

Hier im „Vogelherd“ fällt die Klappe für den 20. Nach Maschinen- und Anlagenführer, Fachinformatiker, Koch oder auch Landwirt geht es diesmal um die Restaurantfachkraft. Ihr widmen sich die Neuntklässler der Bitterfelder Sekundarschule „Helene Lange“. Die Mädchen und Jungen haben sich in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine fuhr nach Sandersdorf, um die Sicht einer Auszubildenden zu erfahren, die andere reiste über die Elbe nach Zerbst, um mit einem Ausbilder zu sprechen - in dem Fall mit Ronald Erdmann.

Suche nach Bewerbern fürs neue Ausbildungsjahr

Er muss nicht nur Fragen zum Inhalt der Lehre und den Anforderungen an die Azubis beantworten, sondern ebenfalls zum Umgang mit dem Trinkgeld und damit zu Dingen, die Jugendliche eben interessieren und die üblicherweise nicht in einer Stellenbeschreibung stehen. Besonders hellhörig werden die Neuntklässler, als Ronald Erdmann schildert, was ihm besonders an seinem Beruf gefällt. Das ist die Vielfalt der Gäste, die er gern bewirtet. Anfang der neunziger Jahre sei sogar die Deutsche Fußballnationalmannschaft bei ihnen im Parkrestaurant gewesen, verrät er. „Und dort saß Rudi Carrell“, zeigt er auf einen Stuhl unweit des Eingangs zur Küche, dem Reich seiner Frau Gabriele.

Seit 1987 betreibt das Ehepaar das Parkrestaurant, das bis 1967 die Großeltern von Ronald Erdmann führten. „Bislang hatten wir 35 Azubis“, erzählt Gabriele Erdmann. Aktuell sind sie noch auf der Suche nach Lehrlingen für das in Kürze beginnende neue Ausbildungsjahr und das in den zwei Berufen, in denen sie ausbilden. Neben der Restaurantfachkraft ist das der Koch.

Zu beiden Richtungen existieren nun filmische Porträts. Es sind moderne Clips, die sich Jugendliche mal schnell via Handy anschauen können und die vielleicht Lust machen, sich um eine Ausbildung in diesen Bereichen zu bewerben.