Kommunale Verkehrserziehung

In Zerbst sollen Tempoanzeigen Kraftfahrer zur Einhaltung der Geschwindigkeit animieren

Das Blitzen von Temposündern soll weiterhin einzig der Polizei überlassen werden. Unterdessen wollen die Zerbster Kommunalpolitiker auf Verkehrserziehung mit Hilfe von Geschwindigkeitsanzeigen setzen. Der Stadtrat muss allerdings noch zustimmen.

Von Daniela Apel 20.07.2021, 15:15
In verschiedenen Orten wie hier in Rodleben gibt es sie längst ? Geschwindigkeitsanzeigen. Auch für die Einheitsgemeinde Zerbst sollen solche Tafeln nun angeschafft werden.
In verschiedenen Orten wie hier in Rodleben gibt es sie längst ? Geschwindigkeitsanzeigen. Auch für die Einheitsgemeinde Zerbst sollen solche Tafeln nun angeschafft werden. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Einmal quer durch Zerbst führt die B 184, im Zentrum sogar zweispurig. Manch einen verleitet das, etwas kräftiger aufs Gas zu treten. Von einer „Autobahn“ inmitten der Stadt sprach Nicole Ifferth (Unabhängige Wählergemeinschaft Zerbst). Für die Sicherheit entlang der rege frequentierten Bundesstraße sollte am Ortseingang aus Richtung Magdeburg ein stationärer Blitzer aufgestellt werden, fand sie. Mit ihrer Meinung konnte sich Nicole Ifferth am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss allerdings nicht durchsetzen.

Erneut befasste sich das Gremium jetzt mit einem bereits Ende Oktober eingereichten Antrag der SPD. Dieser zielte ursprünglich darauf ab, zu prüfen, was die Anschaffung, Errichtung und Unterhaltung mobiler und stationärer Blitzer kosten würde und welche Einnahmen durch Bußgeldbescheide zu erwarten wären. Von Anfang an zeichnete sich eine rege Diskussion zu dem Thema ab. Während Steffen Grey (FDP) die Radarfallen sofort ablehnte und nicht zuletzt den Vorwurf der Abzocke befürchtete, erwartete Nicole Ifferth eine positive Wirkung. Mario Rudolf (Freie Fraktion Zerbst) schlug unterdessen vor, auch über Tempoanzeigen als verkehrserzieherische Alternative nachzudenken.

Stadtkasse aufzufüllen, ist nicht das Ziel

Denn in Einem herrschte Einigkeit: Nicht um das Füllen der Stadtkasse soll es gehen, sondern darum, Kraftfahrer zum Einhalten der erlaubten Geschwindigkeit zu bewegen. Nur hinter dem konkreten Wie stand eben ein Fragezeichen. Einzig mobile Blitzer wurden rasch ausgeschlossen, da bei diesen Widersprüche wegen Zweifeln an der Messgenauigkeit oft Aussicht auf Erfolg haben.

Als Grundlage zur weiteren Meinungsbildung hatte das Ordnungsamt zur aktuellen Sitzung nicht nur umfassend Daten zusammengetragen, sondern ebenfalls Mitte März eine Verkehrszählung an der B 184 durch eine Firma durchführen lassen. Sowohl in der Magdeburger als auch in der Roßlauer Straße wurden dazu kleine Kastengeräte an vorhandene Straßenlaternen angebracht.

Innerhalb des Zeitraums von 14 Tagen passierten im Schnitt jeweils 40.000 Fahrzeuge die beiden Standorte, wobei sich ebenfalls zeigte, dass rund ein Drittel die erlaubten 50 km/h überschritt und das teils deutlich. Knapp 4900 fuhren schneller als 70, davon 244 über 90 km/h. Das sind nicht wenige, die mit Geldstrafen rechnen müssten. Allerdings dürfte die Stadt selbst nur Verstöße im Verwarngeldbereich von 5 bis 55 Euro ahnden, alles darüber müsste an die Technische Polizei übermittelt werden, die dann die höher ausfallenden Bußgelder einzieht. Die Hälfte der dort erzielten Einnahmen würden der Kommune zweimal jährlich ausgezahlt.

Appell ans Gewissen der Kraftfahrer

Doch von welcher Summe ist die Rede? Die Beispielrechnung bezog sich auf den Messstandort in Höhe der Star Tankstelle in der Roßlauer Straße. Innerhalb der zwei Wochen fuhren dort 8666 Fahrzeuge zu rasant stadteinwärts. Bei einem durchschnittlichen Verwarngeld von 20 Euro würden sich die geschätzten Einnahmen hochgerechnet auf ein ganzes Jahr auf 20.800 Euro belaufen. Allein die jährlichen Mietkosten für die Blitzersäule (gut 23.050 Euro) würden schon darüber liegen. Hinzu kämen die Kosten fürs benötigte Personal zur Auswertung der Bilder und Bearbeitung der Fälle. Es wäre also ein Minus zu verzeichnen.

Auch mehrere Angebote für Tempoanzeigen holte das Ordnungsamt ein. 16 Objekte - vorwiegend Kitas und Schulen in Zerbst und dem Umland, aber auch das Zerbster Seniorenzentrum der Awo - wurden hier als Standorte in Betracht gezogen. Der günstigste Anschaffungspreis belief sich auf knapp 30.500 Euro. Wie Amtsleiterin Kerstin Gudella schilderte, handelt es sich um Tafeln, die neben der gefahrenen Geschwindigkeit ebenfalls mit einem Smiley dem Fahrer signalisieren, ob er zu schnell ist oder nicht.

Anzeigetafeln haben positiveren Effekt

„Ich denke, es reicht aus, den Leuten zu zeigen, Du fährst 70 und nicht 50“, meinte Bernd Wesenberg (Grüne). Zumal die meisten nicht absichtlich rasen würden, sondern eher in Gedanken sind und nicht so aufs Tempo achten. „Und wir haben ja auch noch die Polizei“, bemerkte er. Dem stimmte Dirk Tischmeier (AfD) zu. Zumal Blitzersäulen nur kurzfristig einen spürbaren Effekt hätten, auf Dauer gingen nur Ortsfremde in ihre Falle. „Anzeigetafeln bewirken mehr“, sagte Mario Rudolf. Als Ortsbürgermeister von Garitz, wo eine solche bereits stand, sprach er da aus Erfahrung.

Letztlich änderte Uwe Krüger (SPD) den Antrag. Statt auf stationäre Blitzer zielt jener nun auf die Anschaffung von Tempoanzeigen ab. 16 Stück sollen erworben werden, insofern der Stadtrat der Investition zustimmt. Um die Tafeln flexibel einsetzen zu können, sollen keine konkreten Standorte benannt werden, wie Dittmann anregte. So könnten diese eben auch an der B 184 aufgestellt werden.