Strittiger Vorschlag

In Zerbst wünschen sich Anwohner der Weizenberge-Siedlung den Ausbau eines Trampelpfades

Anfang der 1980er Jahre entstanden die ersten Eigenheime in den Weizenbergen. Bis heute führt allerdings kein Gehweg in die Siedlung am östlichen Stadtrand von Zerbst. Das sorgt nun für rege Diskussionen unter Anwohnern und Kommunalpolitikern.

Von Daniela Apel
Bislang existiert entlang der in Richtung Wasserturm führenden Straße "Weizenberge" in Zerbst kein Gehweg.
Bislang existiert entlang der in Richtung Wasserturm führenden Straße "Weizenberge" in Zerbst kein Gehweg. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Auslöser für die aktuelle Diskussion ist der Wunsch mehrerer Anwohner der Weizenberge-Siedlung, den mit der Zeit entstandenen Trampelpfad zwischen den Eigenheimen und dem Wall zur B 184 als Geh- und Radweg anzulegen. Denn bislang gelangen Fußgänger nur auf unbefestigten Routen in das Wohngebiet, mit dessen Bebauung vor gut 40 Jahren begonnen wurde. Vor allem ältere Menschen mit Rollatoren, aber auch junge Familien mit Kinderwagen haben die Anwohner bei ihrem Ansinnen im Blick, mit dem sie sich an Stadtratsmitglied Alfred Schildt (Die Linke) wandten.

Anfang Juni sprach er das Thema im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss an. Er bat die Verwaltung zu prüfen, was es kosten würde, zumindest den Abschnitt zwischen der Fußgängerampel und der ersten Querstraße, den Lerchenbergen, ordentlich herzustellen. Am Dienstagabend tagte das Gremium nun erneut, und wieder ging es um den Pfad, der sich hinter den Häusern entlangschlängelt. Anlieger Thomas Furchner bat die Kommunalpolitiker, das Ganze genau zu bedenken.

Gehweg Richtung Wasserturm wäre wichtiger

Aus seiner Sicht wäre es sinnvoller, endlich die in Richtung Wasserturm führende Straße „Weizenberge“, die der Siedlung ihren Namen gab, vernünftig auszubauen. Will heißen, dort zumindest einseitig einen Gehweg zu pflastern. Dabei sollte man an alle denken, die diese Strecke nutzen, beispielsweise auch, um zu ihren Parzellen in den dortigen Kleingartensparten zu gelangen. Die Befestigung des Trampelpfades könne er hingegen nicht befürworten, meinte Thomas Furchner hinsichtlich der „grünen Oase“, durch die jener führt. Diese zu vernichten, betrachtete er als falsch.

Auch der Zerbster Rainer Frankowski hatte in einem bereits in der Volksstimme veröffentlichten Leserbrief die Prioritätensetzung in Frage gestellt. Er erachtete es ebenfalls als wichtiger, endlich entlang der „Weizenberge“ einen Fußweg anzulegen, wo die Anwohner „sich beim Verlassen ihrer Häuser fast die Beine brechen“, wie er formulierte. Zumal es als Alternative zu besagtem Trampelpfad aus seiner Sicht den kombinierten Geh- und Radweg an der B 184 gibt, weshalb er den Vorschlag als „genialen Schildbürgerstreich“ bezeichnete.

Anlieger sollten gefragt werden

Den Ausführungen von Rainer Frankowski schloss sich jetzt Brigitte Gräßler „inhaltlich voll an“. Sie wohnt in den Lerchenbergen und ist spürbar aufgebracht über die Idee anderer Anwohner der Siedlung, den an ihrem Haus vorbeiführenden Pfad zu befestigen. Jener „bestand einst aus zwei in unterschiedlicher Richtung angelegten breiten Wegen, die von Fußgängern und Radfahrern gemeinsam genutzt wurden. Wer schon einmal die Sendung mit der Maus gesehen hat, kennt die berühmte Frage: Wieso? Weshalb? Warum? Inzwischen sind diese Wege zugewachsen“, schildert sie in ihrer schriftlichen Meinungsäußerung.

Auch Brigitte Gräßler findet, das Augenmerk sollte vielmehr auf die „Weizenberge“ gelegt werden. „Fußgänger, Radfahrer, Familien mit Kindern und Kinderwagen, sportbegeisterte Nordic-Walking-Fans, Rollstuhl- und Rollator-Benutzer sowie Besucher der Schrebergärten ,Blume' und ,Wasserturm' beziehungsweise der dortigen Gaststätten leben gefährlich, denn sie müssen sich auf der Fahrbahn bewegen“, argumentiert sie. Zugleich findet Brigitte Gräßler, dass man mit den Anliegern des Pfades, „die dann vermutlich die gesamten Kosten für die Befestigung tragen müssen“, ein Gespräch führen sollte.

Bürger wären nicht an Kosten beteiligt

„Wir gehen nicht davon aus, dass die Maßnahme beitragspflichtig wäre“, erklärte Philip Mähler nun auf der aktuellen Ausschusssitzung. Wie der Mitarbeiter des Bau- und Liegenschaftsamtes ausführte, existiere für 2025 ein Haushaltsansatz für einen kombinierten Geh- und Radweg parallel zum Wall, für den Kosten von rund 337.000 Euro kalkuliert wurden. Beinhalten würde diese Maßnahme ebenfalls die Verlegung eines Regenwasserkanals von den Lerchenbergen Richtung Marcellstraße.

„Das ist die große Version, aber was würde die kleine kosten?“, meldete sich Alfred Schildt zu Wort. Daneben regte er eine Bürgerversammlung an, um das Thema mit den Anwohnern der Siedlung zu besprechen. „Ich begreife nicht, wie man auf eine solche Idee kommt“, konnte Sebastian Siebert (SPD) indes den Wunsch nach einem Ausbau des Trampelpfades nicht nachvollziehen. Gerade in Anbetracht noch unbefestigter Straßenzüge. Mitgehen würde er mit dem Ansatz, entlang der „Weizenberge“ von der Ampelkreuzung bis zum Blumenweg einen Gehweg anzulegen.

„Mit dem Trampelpfad anzufangen, wäre das falsche Signal“, fand Christiane Schmidt (Grüne). Sie griff stattdessen den Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Helmut Seidler (FFZ) auf, das gesamte Wohngebiet einer städtebaulichen Betrachtung zu unterziehen. Sie müssten eine klare Vorstellung davon entwickeln, wie sie das Straßen- und Wegesystem in diesem Bereich gestalten wollen. Bis zur Oktobersitzung soll die Verwaltung die notwendigen Grundlagen dazu erarbeiten.