Zerbst l Die Anregung von Helmut Seidler (FFZ) aufgreifend, sich einmal grundlegend mit dem „Dauerbrenner ,Parkplätze‘“ auseinanderzusetzen, beschäftigte sich der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss auf seiner Sitzung mit der Parksituation in der Zerbster Innenstadt. Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella leitete die Diskussion mit der aktuellen Information ein, dass in der Breite fortan ein absolutes Halte- und Parkverbot gelten soll. Damit verbunden sei die Hoffnung, „dass sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ändert“, begründete Gudella.

Erschwerte Kontrolle

Bislang gilt auf der Breite ein eingeschränktes Halteverbot, was die Kontrolle für die Ordnungsamtsmitarbeiter erschwert. Mit der Neuregelung werde nur noch erkennbarer Lieferverkehr toleriert, alles andere geahndet, erläuterte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) und ergänzte: „Ich bin gespannt, wie das Experiment ausgeht.“

Abhängig ist dieses nicht zuletzt vom Mut, Knöllchen zu verteilen, wie Ausschussvorsitzender Sebastian Siebert (SPD) anmerkte. In Anbetracht des sich öfter auf der Breite stauenden Verkehrs gab es gegen die beabsichtigte „verkehrsrechtliche Anordnung“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, im Ausschuss jedenfalls keinen Widerspruch.

Vielmehr kamen verschiedenste Überlegungen hinsichtlich der Parksituation in der Breite auf, „wo Autos mehr stören als helfen“, wie Helmut Seidler formulierte. So sprach sich Alfred Schildt (Linke) für eine Optimierung der vorhandenen Parkplatzinsel aus, indem die Stellflächen fischgrätenartig angeordnet werden. Denn die Menschen seien bequem, befürchtete er, dass die Innenstadt ausstirbt, wenn die Leute längere Strecken zu Fuß zurücklegen müssten. Man könne auch mal ein paar Schritte laufen, fand Detlef Friedrich (CDU). Denn: „Wer gibt dem Zerbster das Recht, da zu parken, wo er will?“

Gestaltung der Innenstadt

Die Angst teilte Christiane Schmidt (Grüne) nicht. Vielmehr brachte sie den Gedanken ein, in Anbetracht der Attraktivität der Innenstadt die Breite autofrei zu gestalten und die Möglichkeit zum Flanieren zu schaffen. „Das ist eine Grundsatzentscheidung“, gab sie zu. Und zwar eine, bei der die anliegenden Gewerbetreibenden eingebunden werden müssten, so Detlef Friedrich.

Wilfried Bustro (CDU) erinnerte, dass es die Geschäftsleute und Anwohner waren, die die Breite in genau der Gestalt wollten, wie sie jetzt ist. Genauso alt sei die Idee, die Parkplätze schräg zueinander anzulegen, worüber man frühestens 2025 wieder nachdenken könnte, wies Sebastian Siebert auf die Bindefrist hin: Da Fördermittel in die Breite flossen, darf diese baulich innerhalb von 25 Jahren nicht verändert werden. Dennoch sollte man frühzeitig beginnen, über eine alternative Gestaltung nachzudenken meinte der Bürgermeister.

Genau das ist eine regelmäßige Forderung Seidlers, der gern betont, dass es sich nicht nur um den Bau-, sondern eben auch Stadtentwicklungsausschuss handelt. „Unser Problem ist, wir denken in so kurzen Zusammenhängen“, plädierte er bei der Betrachtung der Parkplatzsituation in der Innenstadt ebenfalls für einen langfristigen Denkansatz. Die Betrachtung sollte sich seiner Meinung nach vom Eingang zum Schloßgarten bis hin zum Frauentorfriedhof erstrecken.

Sein Ansatz für die Schloßfreiheit selbst, das „Wohnzimmer von Zerbst“, das noch von der früheren Herrlichkeit der einstigen Residenzstadt zeugt: „Alle Autos raus und die Fläche gestalten.“ Zumal nicht nur der erhaltene Schlossflügel zunehmend Besucher anlockt, auch in der Bartholomäikirche würden vermehrt Veranstaltungen stattfinden. „Es geht darum, Varianten zu finden, die zu einer Entspannung des gesamten Areals führen“, bezog Seidler die Breite mit ein. Eine Option wäre eine Parkdecklösung, schlug er vor.

Bustro erinnerte, dass die Errichtung eines Parkhauses schon einmal in greifbare Nähe gerückt war. Entstehen sollte jenes an der alten Zufahrt zur einstigen Wolfsbrücke-Kita, dort, wo sich jetzt der Dauerparkplatz „An der Nuthe“ befindet. „Die Bäume wurden dafür schon gefällt.“ Sogar zwei Parkhäuser hatte der ehemalige Zerbster Baudezernent Bernd Schaurich für die Innenstadt geplant, blickte Dittmann zurück.

Keine Denkverbote

Demjenigen, der in ein Parkhaus investiere, müsste die Sicherheit gegeben werden, dieses voll zu kriegen, fand Christiane Schmidt. Dies sei nicht möglich, entgegnete Alfred Schildt. „Wenn die Leute fürs Parken noch zahlen sollen, kommen sie nicht in die Innenstadt“, glaubte er.

Letztlich regte Sebastian Siebert an, sich mittelfristig mit der Schloßfreiheit zu befassen. Zugleich sollte langfristig die Breite betrachtet werden. Dabei schlug er die Bildung von Arbeitsgruppen vor, in denen weitere interessierte Stadträte mitwirken könnten und im Fall der Breite ebenfalls ansässige Unternehmer.