Güterglück l Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, alles stehen und liegen zu lassen und sich in ein Abenteuer zu stürzen? Sicher haben das viele Menschen, aber Sonja Endlweber ist eine von denjenigen, die es auch getan haben. 2006 gab es den Moment, der ihr ganzes Leben verändern sollte, erzählte die Österreicherin. Sie war gerade von einem Umweltschutzprojekt in Kambodscha in ihr geregeltes Leben zurück gekehrt. Sie fühlte jedoch, dass da noch mehr sein muss, als Karriere und Geld. Da las sie eine Ankündigung eines Diavortrags von Günter Wamser

2007 begann der lange Ritt

Mit dem Mann, den sie nur kurz kannte und mit wenig Ahnung von Pferden aber mit dem Verlangen nach Freiheit, Abenteuer und Wildnis begann 2007 der lange Ritt. „Reiten sie mit mir von Mexiko bis nach Alaska“, lud Sonja Endlweber das Güterglücker Publikum ein.

An der mexikanischen Grenze ging es los. Vier Mustangs – Rusty, Lightfoot, Azabache und Dino – sowie die Jack Russel Hündin Leni, gehörten zum Team der beiden Abenteurer. Leni hatte übrigens bei dem Vortrag in der ersten Reihe ihren Schlafplatz eingenommen und bekam auch im Verlauf des Abends von dem ein oder anderen Gast ein paar Streicheleinheiten.

Bilder

Durch Gebirge und Wüsten

In den USA folgte das Paar dem Continental Divide Trail durch die Rocky Mountains, ritt durch die Wüsten New Mexicos, durchquerte die Bergwelt Colorados, die Prärien Wyomings, durchwanderte den Yellowstone Nationalpark und die zerklüftete Bergwelt Montanas. Im September 2009 lagen 5000 Kilometer hinter den beiden und Kanada vor ihnen.

In den Wintern kamen die Pferde bei gastfreundlichen Einheimischen unter. Die Zeit nutzten Endlweber und Wamser für andere Abenteuer vor Ort, für die Vorbereitungen der nächsten Etappen oder gar einem Besuch in der Heimat. Im Frühjahr 2010 ging es weiter durch Kanada. Immer nördlicher, in noch größere Wildnis und Abgeschiedenheit. Monatelang trafen sie keinen anderen Menschen. Die Route führte weiter durch die Rocky Mountains, durch die Nationalparks Banff und Jasper, das Yukon Territorium wurde durchquert. Die letzte Etappe hatte den höchsten Berg Nordamerikas zum Ziel . Am Fuße des Mt. Denali beendete das Paar den Ritt. Am Ziel wartete eine saftige Weide auf die Pferde

Beeindruckende Bilder füllten die große Leinwand, die von den Strapazen der Reise erzählten, von den Glücksmomenten, die die Abenteurer hatten, von den Unwegsamkeiten der Wildnis. Sie zeigten faszinierende Landschaften, Begegnungen mit den verschiedensten Tieren. Das Publikum durfte aber auch die Menschen kennenlernen, die den beiden begegneten.

Sonja Endlweber sprach live zu den Bildern und schilderte auf eine sympathische Art und Weise, was sie in den sieben Jahren erlebt hatte, mit welchen Entbehrungen, Ängsten, Zweifeln und Herausforderungen sie leben musste. Bei den Bildern von der Körperhygiene im Freien bei minus 30 Grad ging ebenso ein Raunen durch die Zuschauerreihen, wie beim Anblick der Bären, die den Weg der Reisenden kreuzten oder des mächtigen Büffels keine drei Meter vom Zelt entfernt: „Wir wussten nicht, dass wir unser Zelt in sein Schlafzimmer gestellt hatten.“

Oft gab es keine Wege

Wege mussten mit Axt und Handsäge gebahnt werden. Schmale Bergpfade, Schneefelder mussten erklommen, Sümpfe und Flüsse überwunden werden. Die Abenteurer kamen an ihre Grenzen. „Auch Scheitern gehört dazu“, hatte Sonja Endlweber gelernt. Drei Wochen zurückreiten, um eine neue Route zu finden, ließ sich nicht vermeiden. „Die Natur gibt Grenzen des Handelns vor“, war einer der vielen Ratschläge an die Zuhörer. Auch Günter Wamser kam per Videosequenz in dem Vortrag mehrmals zu Wort.

Bei der Reise im Tempo der Pferde war es vor allem Zeit, die das Paar genoss. „Ich musste nicht einmal sagen, ich habe keine Zeit“, so Endlweber, „man muss sich auf die Langsamkeit einlassen.“ Um so intensiver lässt sich die Natur erleben, bestaunen, entdecken. Auf der Suche nach der Freiheit, Abenteuer und Wildnis fand Sonja Endlweber am Ende so viel mehr. Sie kann nur jedem Menschen empfehlen, seinen Traum zu leben.

„Wirklich toll“, „Wahnsinn“, „schöne Bilder“, „wie mutig“ und noch andere Worte der Begeisterung waren nach über zwei Stunden, die wie im Fluge vergangen waren, zu hören. Mit einem Korb „Wegzehrung“ bedankten sich Susanne Baumgart und Jürgen Baumgart vom Heimatverein bei Sonja Endlweber für ihr Kommen. Sonst waren und sind es immer größere Städte, in denen Sonja Endlweber wie auch Günter Wamser ihre Vorträge hielten, zum Beispiel vor 1700 Leuten in Freiburg. „Aber in Großstädten ist das dann eine von vielen Veranstaltungen“, so die 44-Jährige. In Güterglück habe man gemerkt, dass es etwas Besonderes ist. Auch wie sie begrüßt und aufgenommen worden war.

Susanne Baumgart, die alles organisiert hatte, war zufrieden mit den 156 Besuchern und selbst begeistert von dem Vortrag, schließlich hatte es auch schon Enttäuschungen in Güterglück gegeben. Das Herrichten der Turnhalle hatten Mitglieder des Heimatvereins gestemmt und an dem Abend auch für Getränke gesorgt.