Wettbewerb der Kreativen

Junge Kunst in Anhalt: 25 Preise im Zerbster Francisceum an 15 bis 20-Jährige vergeben

„Junge Kunst in Anhalt“ heißt ein Wettbewerb, der inzwischen seit mehr als 20 Jahren im Zuge der Zerbster Kulturfesttage und auf Initiative der Francisceumsstiftung veranstaltet wird. Am 6. Mai wurden nun die diesjährigen Preisträger bekanntgegeben.

Von Thomas Kirchner Aktualisiert: 09.05.2022, 17:13 • 09.05.2022, 16:38
Susan Lanfer und Joline Hoxhaj am Kunstobjekt der ehemaligen Klasse 9/1 des Francisceum. Insgesamt 16 Schüler haben hier mitgewirkt.
Susan Lanfer und Joline Hoxhaj am Kunstobjekt der ehemaligen Klasse 9/1 des Francisceum. Insgesamt 16 Schüler haben hier mitgewirkt. Foto: Thomas Kirchner

Zerbst - Sie gehen noch zur Schule, sind Azubis oder Studenten, alle zwischen 15 und 20 Jahre alt. Gemeinsam ist ihnen vor allem das Interesse an der Kunst, an einer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, der Gegenwart, der Zukunft – mit sich und der Welt. Heraus kommen dabei immer wieder beeindruckende Kunstwerke.

Die Francisceumsstiftung bietet ihnen mit dem 1995 ins Leben gerufenen Kunstwettbewerb „Junge Kunst in Anhalt“ eine Plattform, auf der sie im Rahmen der Zerbster Kulturfesttage ihre künstlerischen Arbeiten zeigen und sich mit Gleichaltrigen messen können. Die Kulturfesttage mussten allerdings pandemiebedingt bereits das zweite Mal in Folge ausfallen. Dafür wurde die „Zerbster Kulturzeit“ ins Leben gerufen. Der Wettbewerb fand aber trotzdem statt.

103 Exponaten in den Kategorien Malerei, Grafik und Foto, Plastik und Objekte

Die Stiftung fördere besonders außerschulische Aktivitäten wie beispielsweise Ökogruppen der Schule, Projekte mit wissenschaftlichem Charakter, die Schülerfirmen, ermöglicht Schülern die Teilnahme an Klassenfahrten, ehrt besondere Verdienst für die Schule und ermöglicht eben auch den Wettbewerb „Junge Kunst in Anhalt“, so Schulleiterin Kerstin Görner, die die einleitenden Wort für Stiftungsgeschäftsführerin Veronika Schimmel übernommen hatte, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte.

„Mit insgesamt 103 Exponaten in den Kategorien Malerei, Grafik und Foto, Plastik und Objekte sind in diesem Jahr vergleichsweise viele Arbeiten an den Start gegangen, die thematisch eine enorme Spannweite besitzen, von Ernsthaftigkeit und kritischer Auseinandersetzung mit der Lebenswelt zeugen“, Susan Lanfer, Fachbereichsleiterin Kunst und Musik am Francisceum.

Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Themen der Zeit

Annett Heydecke, Annemarie Reimann und Rainer Döring bildeten die Jury. Ihnen fiel es wie immer sehr schwer, die Preisträger aus den zahlreichen Kunsttalenten zu ermitteln. „Es ist nämlich deutlich zu spüren, wie intensiv sich die jungen Kunstschaffenden mit unserer Gesellschaft, unserer Zeit und deren Anforderungen auseinandergesetzt haben“, sagte Lanfer. Außerdem wurden zahlreiche Anerkennungs- und ein Publikumspreis vergeben.

„Ungewöhnlich ist die starke Malerei-Lastigkeit der diesjährigen Ausstellung. Unglaubliche 36 Bilder in Acryl, Aquarell, Tempera und sogar in Öl zählt die Ausstellung. 29 Werke sind dem Bereich Grafik zuzuordnen, 24 Arbeiten dem Bereich Objekte. Fotografien sind lediglich 14 ausgestellt“, konstatierte Lanfer.

Exponate aus Dessauer, Köthener, Jessener und Bitterfelder Schulen

Exponate kämen nicht nur aus dem Francisceum, sondern auch aus dem Gymnasium Walter-Gropius-Dessau, dem Ludwigsgymnasium Köthen, dem Gymnasium Jessen, dem Berufsschulzentrum August von Parseval Bitterfeld-Wolfen sowie von einer Einzelperson. „Schön anzusehen und zum Nachdenken anregend sind die Werke auf jeden Fall – die Werke aller Teilnehmer“, betonte die Fachbereichsleiterin.

Unter den Preisträgern ist auch Emily Liv Jähnichen vom Gymnasium Jessen. Mit ihrer eindrucksvoll in Szene gesetzten blauen Simson konnte sie mit einer überwältigenden Mehrheit der Stimmen den Publikumspreis einheimsen.

Emily Liv Jähnichen (Gymnasium Jessen) hat für ihre Simson den Publikumspreis beim Wettbewerb Junge Kunst in Anhalt gewonnen.
Emily Liv Jähnichen (Gymnasium Jessen) hat für ihre Simson den Publikumspreis beim Wettbewerb Junge Kunst in Anhalt gewonnen.
Foto: Thomas Kirchner

„Simson Mopeds sind inzwischen Kult. Dieses Bild ist eigentlich eine Auftragsarbeit, die ich für einen Bekannten malen sollte, der meint, dass der Osten und Simson einfach zusammengehören. Deswegen wollte er das Bild unbedingt haben“, sagt die 17-jährige Gymnasiastin. Für sie sei es Anlass gewesen, sich mal wieder an die Staffelei zu stellen und zu malen.

Simson Mopeds gehören zum Kulturerbe

Der Auftraggeber sei nicht etwa ein älterer Herr, sondern in ihrem Alter. „Bei uns fährt nahezu jeder Simson. Das ist quasi so etwas wie ein Kulturerbe“, merkt sie noch an. „Manchmal ist man unsicher, ob das Werk auch gelungen ist, hadert mit sich selbst. Umso stolzer bin ich, dass das Bild beim Publikum so gut angekommen ist – und das mit überwältigender Mehrheit“, freut sich die 17-Jährige.

Marianne Leisering, hier mit ihrer Schwester Tabea, hat mit ihren Grafiken beim Wettbewerb einen ersten Platz belegt.
Marianne Leisering, hier mit ihrer Schwester Tabea, hat mit ihren Grafiken beim Wettbewerb einen ersten Platz belegt.
Foto: Thomas Kirchner

Marianne Leisering vom Francisceum hat sich mit ihren drei Bleistiftzeichnungen, die unter anderem Verrat und Schmerz darstellen sollen, einen der ersten Plätze in der Kategorie Grafik und Fotografie sichern können. „Ich bin furchtbar stolz und freue mich riesig über den ersten Platz“, sagt die 15-Jährige. Immerhin um die neun Stunden habe sie pro Bild gebraucht, erzählt sie.

17 von 25 Preisen gingen an das Zerbster Francisceum

Einen dritten Platz holte sich die Klasse 9/1 (jetzt 10. Klasse) des Francisceum in der Kategorie Plastik und Objekt. Insgesamt 16 Schüler seien beteiligt gewesen. „Jeder Schüler hat eine Figur aus Draht und Pappmaschee beigesteuert, die dann mit Acrylfarben angemalt wurden“, erklärt Klassensprecherin Joline Hoxhaj. Bei den Figuren gehe es Emotionen, Erfolg, Niederlage und Symbolik, ergänzt Klassenlehrerin Susan Lanfer.

Von den insgesamt 25 vergebenen Preisen gingen allein 17 an Schülerinnen und Schüler des Zerbster Francisceum, was auch bei Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) Freude auslöste, der als Gast der Veranstaltung beiwohnte.

Die Preisträger:

15 bis 17 Jahre / Malerei

1. Preis: nicht vergeben

2. Preis: Maria Janssen, Ludwigsgymnasium Köthen

2. Preis: Victoria Engling, Chantal Hennig, Francisceum Zerbst

2. Preis: Carolin Staab, Julia Wurbs, Francisceum Zerbst

3. Preis: Anna Schröter, Leni Hamann, Francisceum Zerbst

Grafik und Fotografie

1. Preis: Marianne Leisering

1. Preis: Emmy Morgenstern

2. Preis: Katlen Gensch

2. Preis: Svenja Reifarth, alle vier Francisceum Zerbst

3. Preis: Zora Blaue, Gropius-Gymnasium Dessau

Plastik und Objekt

1. Preis: nicht vergeben

2. Preis: Laurenz Weise, Gropius-Gymnasium Dessau

2. Preis: Cora Reimann, Francisceum Zerbst

3. Preis: Klasse 10/1, Francisceum Zerbst

3. Preis: Sophia Volik, Francisceum Zerbst

18 bis 20 Jahre / Malerei

1. Preis: nicht vergeben

2. Preis: Victoria Gotsch, Einzeleinreichung Gröbzig

3. Preis: nicht vergeben

Grafik und Fotografie

1. Preis: Hanna Radtke, Francisceum Zerbst

2. Preis und 3. Preis: nicht vergeben

Plastik und Objekt

1. Preis: Mia Waschke, Oliver Tams, Lena Straube, Elias Kaul, Paula Lüdecke, Caroline Müller, Francisceum Zerbst

2. Preis: nicht vergeben

3. Preis: Jonas Peters, Nicola Heise, Thoralf Hönl, Francisceum Zerbst

Anerkennungspreise haben erhalten:

Emma Lindemann, Francisceum Zerbst, Oskar Bohnet, Francisceum Zerbst, Monja Morgenstern, Francisceum Zerbst, Emely Liv Jähnichen, Gymnasium Jessen, Karla Schöbel, Francisceum Zerbst

Der Publikumspreis ging an Emely Liv Jähnichen, Gymnasium Jessen

(Quelle: Francisceum)