Eichholz l Eigentlich hätte der neue Dachstuhl auf der Eichholzer Kirche längst drauf sein sollen. Doch beim Abriss des alten Dachstuhles hatte man eine noch ältere Dachkonstruktion entdeckt. Heraus kam, dass insgesamt zehn Gebinde von 1212 zu 85 Prozent erhalten sind. Das Dachwerk der Eichholzer Kirche gehört somit nicht nur zu den ältesten, sicher datierten mittelalterlichen Dachwerken Sachsen-Anhalts, sondern auf Grund des hohen Erhaltungsgrades auch zu den bedeutendsten, lautete das Urteil von Dr. Dirk Höhne, Referent Bauforschung beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Die Entsorgung wäre ein herber Verlust eines wichtigen Sachzeugen der frühen Zimmermannskunst in Sachsen-Anhalt gewesen.

Statisch freigegeben

Dem musste man nun Rechnung tragen und das Projekt für den Dachstuhl überarbeiten, um Alt und Neu miteinander zu verbinden. Und nicht nur das. Für die Mehrkosten mussten Mittel aufgetrieben werden. Am Montag dieser Woche kam nun endlich der Förderbescheid. „Das Land übernimmt die Zusatzkosten für die Integration der historischen Dachstuhlbestandteile“, konnte Pfarrer Albrecht Lindemann zufrieden verkünden. Es handelt sich dabei um mehr als 60.000 Euro als Nachtrag zu den gewährten Fördermitteln. Nun kann also das Dach in Angriff genommen werden. „Die Dachkonstruktion ist statisch freigegeben“, so Bauingenieur Steffen Götz.

Die eine Ecke der Mauer, wo der spätere Anbau des Kirchenschiffes abgerissen wurde, ist inzwischen fertig. An der anderen Ecke sind die Männer vom Baubetrieb André Weferling gerade am Arbeiten. Verwendet werden die alten Steine aus dem Abbruch. Lutz Schmelzer und Udo Ritter haben ein geschultes Auge, welcher Stein in das Mauerpuzzle passen würde. Dann wird zum Teil „mit Kran gemauert“, das heißt, die großen Feldsteine werden angehängt, um dann nach oben und an die richtige Stelle transportiert zu werden. Oder Matthias Richter liefert per Teleskoplader zu.

Keine Funktion

André Weferling verweist an der fertigen Ecke auf den untersten äußeren Stein. Hier wurde so genau auf den Punkt zurück gebaut, dass man auf den Stein vom alten Bauwerk aufsetzen konnte.

Auch die Außenschale für den Ringanker ist bereits vorbereitet, wurde bei der jüngsten Bauberatung festgestellt. Neben der Fertigstellung der zweiten Ecke kann jetzt auch die Aufarbeitung des alten Dachsparrenwerkes erfolgen. Neun alte Felder sollen dann in die neue Dachkonstruktion eingepasst werden. Das soll in Turmnähe geschehen. Die alten Felder übernehmen dann allerdings keine Funktion. Die Dachhaut liegt nur auf der neuen Kon-struktion. Von innen wird das Ganze begehbar sein, ohne das es aber für großen Publikumsverkehr gedacht ist.

Die ersten Absprachen, um die Glaskunstfenster, die als Lichtsäulen an beiden Seiten der Apsis vom Boden bis zur Decke eingebaut werden, gab es auch schon. Zunächst musste der Rahmen abgestimmt werden. Ein weiterer Bestandteil der Sanierung ist auch das Öffnen der zugemauerten Tür im Süden, um einen barrierefreien Zugang zu schaffen.

Im November soll von oben alles regendicht sein. Stellte sich dem Pfarrer nur noch die Frage: Wann ist Richtfest? Das soll im Oktober gefeiert werden.