Polenzko l „Schmuck sieht sie aus unsere neue Kirchturmspitze“, freut sich der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der Evangelischen Weinberggemeinde Ullrich Hahn. Mit Schiefer wurde sie neu eingedeckt. Das gute Stück musste gestern ein zweites Mal schweben.

Sicher aufgesetzt

Ende März war die Spitze vom Turm abgenommen und im Kirchgarten abgesetzt worden. Gestern ging es an vier Schlaufen per Maxikran zurück durch die Luft wieder an den alten Platz auf dem Turm. Da gab es kein Schaukeln oder Rucken. Oben warteten die Männer von der Heidetor Zerbst GmbH. Sicher konnte die Spitze aufgesetzt werden, um sie dann wieder mit dem Tragwerk des Turmes zu verbinden. Verzapft wurde das Ganze.

Doch nicht nur die Eindeckung der Turmspitze wurde neu. Ein erhöhter Schädlingsbefall durch Undichtigkeiten war festgestellt worden, so dass auch die Holzschalung erneuert wurde. Mit der Abnahme der Turmspitze wurde der erste Bauabschnitt der Sanierung der Polenzkoer Kirche eingeleitet. Der umfasst den Kirchturm. Das marode Fachwerk musste erneuert werden. Ebenso wurden die Gefache, also die Zwischenräume zwischen den Holzbalken, saniert. Das alte Ziegelmauerwerk wurde entfernt.

„Wenn die Spitze statisch richtig drauf ist, kommt außen die Verschalung“, erläuterte Architekt Hans-Georg Brosig das weitere Vorgehen. Eine klassische Boden-Deckelschalung wird ringsherum angebracht. Nun muss erst noch geklärt werden, ob das Lärchenholz auch noch einen Anstrich bekommen soll, was die Sache ein wenig teurer macht. Auch insgesamt wird das Projekt schon etwas mehr kosten als geplant.

Die Schalung sollte in zwei drei Wochen dran sein, schätzt der Architekt. Der erste Bauabschnitt kann also in diesem Monat abgeschlossen werden. Ullrich Hahn schwebt ein Einweihungsgottesdienst vor. Vielleicht soll es den dann im Rahmen des Tages des offenen Denkmals Anfang September geben.

Von Schädlingen zerfressen

Seit 1884 war der Dachreiterturm auf der Polenzkoer Kirche, die an sich ein Feldsteinbau aus der Zeit um 1200 ist. Mehr als 130 Jahre hat der Turm, der also nur oben auf dem Dachstuhl aufsaß, gehalten, bis er zuletzt nicht mehr standsicher und bereits in Schieflage geraten war. Die tragenden Balken waren von tierischen und pflanzlichen Schädlingen zerfressen. Die Turmspitze musste abgenommen werden, um die Last von Fach- und Mauerwerk zu nehmen.

Für den ersten Bauabschnitt der Kirchensanierung waren rund 120.000 Euro eingeplant. Das Geld wird von der Evangelischen Landeskirche Anhalts, der Stiftung Entschlossene Kirchen, von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt sowie vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld aufgebracht, hinzu kommen Eigenmittel der Weinberggemeinde Garitz, zu der Polenzko mit der Weihnachtskirche gehört.

Notwendig ist nun als nächstes eine Sanierung des gesamten Daches – Dachbalken, Dachstuhl, Eindeckung. Mehr als 200.000 Euro wären dafür noch einmal nötig. Die Kirchengemeinde wird sich weiter um Spenden und Fördermittel bemühen.

Die Dorfkirche in Polenzko gehört zur Stiftung „Entschlossene Kirchen“ im Kirchenkreis Zerbst, die eine Treuhandstiftung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist, und die sich die Öffnung und Erhaltung von Dorfkirchen zum Ziel gesetzt hat. Zugleich ist sie eine von mehreren „Themenkirchen“ in der Region und informiert während des gesamten Jahres über das Weihnachtsfest. Im Chorraum der Kirche stehen Deutschlands größte Krippenfiguren, die vom inzwischen verstorbenen Holzbildhauer Horst Sommer hergestellt wurden.