Zerbst l „Jetzt fahren wir mit dem tiefen Ton Moped“, erklärt Steffen Bischoff und greift zur Trompete. Die Jungbläser um ihn herum tun es ihm gleich, führen ihre Posaunen sowie Flügel- und Tenorhörner an die Lippen und lassen den Ton auf- und abschwellen. Auch die Tuba reiht sich in die geräuschvolle Kulisse im Pfarrhaus von St. Bartholomäi ein.

Es ist Sonnabendvormittag. Soeben hat die gemeinsame Probe begonnen. „Wir veranstalten vier Jungbläsertage im Jahr“, erklärt Steffen Bischoff. Seit 2004 ist er Landesposaunenwart der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Innerhalb dieser existieren derzeit 13 Posaunenchöre, in denen insgesamt rund 260 Bläser musizieren. Organisiert sind sie im Posaunenwerk.

Den Zerbster Posaunenchor leitet Steffen Bischoff selbst. „Seit 1994“, verrät er. Den Chor gibt es bereits seit 1929. Das 90-jährige Bestehen soll nach Pfingsten passend begangen werden. Am 15. Juni findet ab 20 Uhr ein Konzert mit Bläsermusik und Orgelklängen in der Trinitatiskirche statt, am 16. Juni folgt an gleicher Stelle ein Festgottesdienst. Eingeleitet werde das Wochenende mit mehreren Auftritten, erzählt Steffen Bischoff von den geplanten Serenaden in verschiedenen Orten.

Klassenmusizieren ist Erfolgsgeschichte

Auch die Anfänger in den Posaunenchören sollen bei der Feier des runden Jubiläums eingebunden werden. „Darauf werden wir uns heute vorbereiten“, erklärt Bischoff. Bevor es soweit ist, teilen sich die knapp 30 Teilnehmer der Probe nach der musikalischen Aufwärmrunde in drei Leistungsgruppen ein, in denen anschließend separat weiter geprobt wird, bevor sich am Ende wieder alle vereinen.

Die jüngsten Bläser sind acht Jahre alt, die ältesten bereits über 50. Sie kommen aus Coswig, Dessau, Köthen und Zerbst. Die Kinder und Erwachsenen verbindet, dass sie erst vor ein, zwei, maximal drei Jahren mit dem Erlernen eines Blechblasinstrumentes begonnen haben – mit Trompete, Horn, Tuba oder eben Posaune.

Viele Mitglieder rekrutieren die Posaunenchöre durch das erfolgreiche Klassenmusizieren, das an den evangelischen Grundschule der Landeskirche angeboten wird. 100 Dritt- und Viertklässler nehmen gegenwärtig daran teil, wie Steffen Bischoff erzählt.

Bartholomäischule macht mit

Auch an der Zerbster Bartholomäischule läuft das Projekt. Dort übernimmt es Kantor Steffen Klimmt, den Nachwuchs an die Blechblasinstrumente heranzuführen. Einige seiner Schützlinge nehmen an der samstägigen Probe teil. Er selbst übernimmt die Anleitung einer der Gruppen.

Dass Trompete, Posaune und Co. so beliebt bei den Kindern sind, liegt nach Ansicht von Steffen Bischoff an der Art der Instrumente. Besser gesagt, an der Art der Klangerzeugung. „Wir gestalten den Ton selbst mit den Lippen. Das kommt den Singen sehr nah“, versucht er zu erklären.

Aktuell besitzt der Zerbster Posaunenchor drei Jungbläsergruppen, wie Steffen Bischoff informiert. „Vielleicht gründen wir noch einen Jugendposaunenchor“, überlegt er.

Posaunen verbinden Generationen

Den Landesposaunenwart freut, dass sich die Nachwuchsarbeit auszahlt, die mit in seine Verantwortung fällt. Vor allem, dass es gelingt, „viele in den Posaunenchor hinüber zu retten“, wie er es ausdrückt. Dort spielen alle Generationen zusammen, was die Chöre auszeichnet und sich auch beim Jungbläsertag im Pfarrhaus von St. Bartholomäi widerspiegelt. Berührungsängste gibt es nicht. Im Gegenteil. Das gemeinsame Hobby verbindet.