Zerbst l „Servicepauschale“ – ein Wort, das Anfang des Jahres bereits für Schlagzeilen sorgte. Da schrieb die Volkssolidarität, als Träger mehrerer Kindertagesstätten, Eltern an, um künftig eine Pauschale von ihnen zu kassieren, um das Servicepersonal bei der Essensversorgung zu bezahlen. Grund: Der Landkreis wollte und will diese Kosten noch immer nicht übernehmen.

Eltern zur Kasse gebeten

Jetzt tritt der zweite große Träger von mehreren Kindertagesstätten in Zerbst mit dem gleichen Anliegen an die Eltern heran. Das Albert-Schweitzer Familienwerk will ebenfalls ab 1. Januar 2018 die sogenannte Servicepauschale direkt von den Eltern einziehen. „Wir sind dazu gezwungen, denn der Landkreis Anhalt-Bitterfeld will diesen Teil der Personalkosten in der Entgeltvereinbarung nicht mehr zugestehen“, erklärt Monika Bothendorf, Verwaltungsleiterin beim Albert-Schweitzer-Familienwerk.

Warum sie nicht auch zu Beginn des Jahres, genauso wie die Volkssolidarität, die Servicepauschale erhoben haben, erklärt sie mit Hoffnung. „Wir haben uns lange damit gequält, weil wir hofften, dass von irgendwoher noch eine Information kommt, dass wir das nicht machen müssen, vielleicht durch eine Nachbesserung des Kinderförderungungsgesetzes (Kifög). Doch das blieb aus. So blieb uns nichts anderes übrig.“

Zwischen 7 und 32 Euro

335 Kinder besuchen die Kitas, die in der Trägerschaft des Albert-Schweitzer-Familienwerkes sind. Genau so viele Briefe wurden jetzt verschickt. Vorher hatte man sich mit den Elternkuratorien verständigt.

Eltern in der Kita Steutz sollen ab Januar 27 Euro im Monat Servicepauschale bezahlen, in der Kita Walternienburg sind es 32 Euro, in der Kita Güterglück 25 Euro und in der Kita Benjamin Blümchen in Zerbst sind es 7 Euro. „Hier findet eine Ganztagsversorgung über einen externen Versorger statt, bei dem mit weniger Aufwand aufgestockt werden muss, daher sind die Kosten hier geringer“, erklärt Bothendorf. Die sehr unterschiedlichen Kosten in den Kitas entstünden durch die tatsächlich anfallenden Personalkosten, die in jeder Kita extra ausgerechnet wurden. „Es wird nur der Teil berechnet, den die Kräfte für die Vor- und Nachbereitung der Versorgung leisten“, erklärt sie weiter.

Derzeit kämen viele Schreiben, die mit einer Einzugsermächtigung bestückt waren, von den Eltern ausgefüllt zurück. Was passiere, wenn jemand es nicht bezahlen wollte, dafür hat Monika Bothendorf noch keine Lösung. „Dann werden wir das Gespräch suchen müssen, denn uns sind die Hände gebunden. Wir können es nicht aus Vereinsmitteln zahlen.“

Bereits am 1. April dieses Jahres hat die Stadt Zerbst in ihrer einzigen Kita, die sie selbst in Trägerschaft hat, der Knirpsentreff, die Servicepauschale von 20 Euro eingeführt. „Sicherlich nicht ohne Widerstand, aber wir haben es genau aufgeschlüsselt und erklärt. Und für den Preis bieten wir eine Vollversorgung an. Die Kinder müssen nichts zum Frühstück oder Vesper mitbringen“, sagt Markus Pfeifer aus der Stadtverwaltung.

Die Volkssolidarität wollte die Pauschale einführen, daraus geworden ist aber nichts. „Teilweise bekamen wir keine Rückmeldung auf unsere Briefe, wir konnten es so nicht umsetzen“, sagt Geschäftsführerin Cornelia Kurowski.

Rat: Über Essensgeld

Dadurch hat die Volkssolidarität in diesem Jahr ein Minus eingefahren. Trotz mehrerer Rücksprachen mit dem Landkreis gab es keine andere Übereinkunft. Auch das Sozialministerium, das sich auf die Seite des Trägers schlug, konnte den Landkreis nicht umstimmen.

Der Rat, der vom Landkreis an den Träger gegeben wurde: Die Pauschale über das Essensgeld abrechnen. Und genau so soll es dann auch ab 2018 in den Kitas der Volkssolidarität passieren. Die Pauschale wird direkt mit dem Essensgeld kassiert, was im Umkehrschluss das Essen erheblich teurer machen wird.

In keinem anderen Landkreis hätte man so etwas erlebt, sagt Cornelia Kurowski. Im Salzlandkreis, im Jerichower Land, in der Börde, in Stendal, in der Altmark - überall hätte die Volkssolidarität eine Übereinkunft finden können. Nur in Anhalt-Bitterfeld nicht.

Doch viele Abstriche könnte man nicht machen, schließlich wolle man auch die Qualitätsansprüche, die auch das Kifög fordert, einhalten. „Dazu gehört auch eine vernünftige Esskultur, die vorgelebt werden soll - mit Tischdecke und Untertasse, aber das alles muss auch geräumt, gespült und saubergemacht werden.“

Schiedsstelle soll entscheiden

Ganz aufgegeben hat Kurowski aber noch nicht, auch wenn der „schwarze Peter“ ab Januar erst einmal beim Essensanbieter liegt. „2018 wird neu verhandelt und wir hoffen, dass sich bei der Novellierung des Kifögs noch was bewegt, so dass es klarer formuliert wird. Schließlich stand das Ministerium auf unserer Seite.“ Zudem soll der Fall Servicepauschale Volkssoli gegen Landkreis vor der Schiedsstelle entschieden werden. Der Termin steht aber noch aus.