Zerbst l Als Alternative zum Ursprungsprojekt wollte Andreas Dittmann (SPD) die Vorstellung des Konzeptes verstanden wissen, das die Getec Green Energy GmbH nun in ihrem Energiepark Profen bei Zeitz realisieren möchte. „Es ist eine Option, eine Anregung“, erläuterte der Bürgermeister und betonte mit Blick auf den Zerbster Flugplatz: „Es wird nichts durch die Hintertür geschehen.“ Vielmehr handele es sich um einen „Beitrag zur Versachlichung“ des Themas, das vor gut einem Jahr die Gemüter erhitzte.

Gestank und Schadstoffe

Die Straguther planten sogar die Gründung einer Bürgerinitiative, um die befürchtete industrielle Großanlage zur Klärschlammverbrennung und Phosphorrückgewinnung auf dem Gelände des früheren Militärflugplatzes zu verhindern. Neben Gestank und Schadstoffen in der Luft warnten die Kritiker vor Gesundheitsrisiken.

Bei all dem Gegenwind zog sich die Getec schließlich zurück. Außerdem verabschiedete der Stadtrat nach der Diskussion einen Bebauungsplan für den Flugplatz, der die Errichtung einer Anlage zur Verbrennung oder Verarbeitung von Klärschlämmen ausschließt.

Rückgewinnung von Phosphor

„Dennoch muss uns die Frage beschäftigen, was wird mit dem Klärschlamm“, konstatierte Dittmann jetzt im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss. Denn Fakt ist, dass ab 2029 keine Klärschlämme mehr auf die Äcker ausgebracht werden dürfen. Zugleich greift die Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor. Das betrifft ebenfalls die Kläranlage bei Niederlepte, die von der Schulte Umwelttechnik GmbH betrieben wird.

Zwar ist das Unternehmen in der Pflicht, eine Lösung zu finden. Allerdings könne es diese Aufgabe relativ entspannt angehen und die dafür anfallenden Kosten einfach dem Abwasserzweckverband Elbe-Fläming in Rechnung stellen, führte Dittmann bereits auf der Ausschusssitzung im September aus. „Das knallt uns dann in die Abwasserpreise“, gab er damals zu bedenken.

Kleinere Variante

Das Getec-Vorhaben bei Zeitz könnte vielleicht eine Variante für Zerbst sein – dieser Gedanke zumindest bewegte den Bürgermeister, das Unternehmen einzuladen, sein neues Konzept zur Klärschlammverbrennung und Phosphorrückgewinnung vorzustellen. Das übernahm Georg Lange. Wie er anschaulich darlegte, ist die angedachte Anlage deutlich kleiner dimensioniert als jene ,die ursprünglich in einer Studie für Zerbst vorgesehen war. „Das Ausgangsprojekt war fast dreimal so groß“, betonte der Bürgermeister.

Georg Lange sprach von jährlich mindestens 10.000 Tonnen getrockneten Klärschlamms, die nötig wären, um eine solche Verbrennungsanlage zur Phosphorrückgewinnung wirtschaftlich betreiben zu können. In Niederlepte allein fallen solche Mengen nicht an, weshalb weitere Zulieferer gewonnen werden müssten. Für die Beispielsrechnung nannte der Getec-Mitarbeiter die Kläranlagen aus Dessau und Möckern, was insgesamt 740 Transporte durch die Region nach Zerbst verursachen würde. Das wären weniger als die gut 880 Transporte, die nach der derzeitigen Entsorgungsvariante bislang von der Kläranlage bei Niederlepte ausgehen, um den dort anfallenden Klärschlamm eingedickt auf die Felder zu bringen.

Errichtung eines Batteriespeichers

Nicht unerwähnt ließ Georg Lange, dass sich die Getec eine solche Anlage einschließlich Phosphorrückgewinnung im Energiepark Zerbst vorstellen könnte. Das heißt, auf dem Flugplatz, wo das Unternehmen neben einer Bioraffinerie bereits einen Wind- und einen Solarpark betreibt. Als nächstes Projekt ist die Errichtung eines 40-Megawatt-Batteriespeichers geplant, für das Finanzierung und Bauleitplanung aber noch offen sind, wie Getec-Prokurist Marcel Schöbel informierte.

Zugleich betonte er, dass mit der Präsentation des Konzeptes für den Energiepark Profen nur dargestellt werden sollte, was möglich wäre. Verneinen musste er die Anfrage von Alfred Schildt (Linke), ob es bereits irgendwo eine funktionsfähige, genehmigte Anlage zur Klärschlammverbrennung in dieser Größenordnung gibt. „Wir unterliegen aber strengen Kontrollverfahren“, so Schöbel.

Sache eine Chance geben

„Wir können von der Verfahrensentwicklung am Standort bei Zeitz nur profitieren“, fand der Bürgermeister. „Technologien müssen entwickelt werden. Ich würde solchen Sachen immer Chancen geben“, sagte Sebastian Siebert (SPD). „Ich bin kein Freund davon, gleich wieder alles schlecht zu reden“, meinte auch Uwe Krüger (SPD). „Regionale, kleine Anlagen sorgen für mehr Dynamik und Arbeitsplätze“, so Ralf Müller (CDU). Alfredt Schildt sprach sich dafür aus, lieber Kapazitäten zu bündeln, als in viele kleine Standorte zu investieren.

Am 2. Oktober wurde übrigens im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen der Grundstein für eine der bundesweit größten Klärschlammverbrennungsanlagen Deutschlands gelegt. Die Anlage soll jährlich mit rund 260.000 Tonnen getrocknetem Klärschlamm gespeist werden. Für 2022 ist die Inbetriebnahme des 80-Millionen-Euro-Projektes vorgesehen.