Deetz l 50 Jahre nach dem letzten Klingelzeichen gab es am vergangenen Freitag ein Wiedersehen ehemaliger Klassenkameraden der damaligen POS (Polytechnische Oberschule) Deetz. 40 Einladungen hatten Hiltrud Schön und Gisela Wilke herausgeschickt. 24 Damen und Herren, die inzwischen alle den Ruhestand genießen, waren gekommen – die weit gereisten vom Rhein, aus der Nähe von Flensburg, Hohen Neuendorf, Jena, Halle, der Altmark und die anderen aus dem Umkreis.

Nicht das erste Mal

Nein, es war nicht das erste Klassentreffen. Das allererste Mal sah man sich gleich ein Jahr nach dem Schulabschluss wieder. Dann nach 20 Jahren. Seitdem trifft man sich alle fünf Jahre. Nun fand die achte Auflage des Klassentreffens statt. „Wir waren immer eine dufte Truppe“, erzählen die beiden Organisatorinnen. Obwohl es eigentlich schwierig ist zu sagen, wer alles zur Klasse gehört. Einige waren ab der 1. Klasse zusammen. Ab der 4. Klasse kamen Kinder aus umliegenden Dörfern dazu, ab der 9. Klasse wieder. Auch Schüler der landwirtschaftsberuflichen Grundausbildung gingen in die Klasse. Einige wechselten nach der 8. Klasse zur Erweiterten Oberschule in Zerbst, andere verließen die Schule nach der 8. Klasse. Manche lernten sich überhaupt erst auf einem Klassentreffen kennen.

Beim Wiedererkennen gab es diesmal keine Probleme, da sich ein Großteil erst vor fünf Jahren gesehen hatte. Eine Überraschung gab es dennoch. Als alle nach dem Kaffeetrinken schon eifrig am plaudern waren, stand Heidi Schneider in der Tür – die damals heiß geliebte Klassenlehrerin. Von der 4. bis Mitte 7. Klasse hatte sie die Klasse und es war die erste für die junge Absolventin.

Bilder

„Wir haben sie geliebt“, schwärmt Gisela Wilke heute noch. Das Wiedersehen überaus herzlich – mit Umarmungen und Tränen. 1994 war die Lehrerin schon einmal mit dabei. Diesmal war sie mit der Tochter aus Halle gekommen. Nachdem sie das letzte Jubiläumsklassentreffen wegen Krankheit verpasst hatte, musste sie diesmal einfach dabei sein.

„Das war für mich die Klasse, meine erste Klasse und das bleibt meine erste Klasse“, so Heidi Schneider. Die Schüler waren etwas besonderes. Alle hatte sie ins Herz geschlossen. „Da war eine Bindung da“, beschreibt sie es, „die Chemie stimmte.“ Auch in dem „Nest“, in dem die junge Lehrerin eingesetzt wurde, fühlte sie sich wohl. „Ich wurde von den Dorfbewohnern sehr gut aufgenommen“, so Heidi Schneider.

Als ihre Lehrerin in der 7. Klasse „weggeheiratet“ wurde, waren die Deetzer Schüler ziemlich traurig. Ins Voigtland zog sie, war aber keineswegs vergessen. „Mit der neuen Klassenlehrerin sind wir dorthin ins Ferienlager gefahren und haben sie besucht“, erzählten Gisela Wilke und Hiltrud Schön.

Viele Erinnerungen

Auch Erich Schmidt – Sport- und Biologielehrer – war der Einladung zum Klassentreffen gefolgt. „Er hat uns aufgeklärt“, wusste Hiltrud Schön zu berichten. Die Loburgerin hatte alte Fotos dabei und andere Aufzeichnungen aus der Schulzeit und von den Klassentreffen, die meistens in der Sonne in den Deetz stattfanden, denn der Inhaber Volkhardt Mewitz gehört ebenfalls zu der Klasse. Ein Rundgang durch Deetz mit dem Besuch des Jugendbauernhofes und der alten Schule standen bis zum gemeinsamen Abendbrot noch auf dem Programm des Treffens.