Zerbst l Unter dem Motto „Wir errichten einen Schrebergarten“ wurde die Gartenanlage „Pauli“ im August 1916 gegründet. Vorausgegangen war eine Zeitungsanzeige, erzählt Kurt Bergt, wie unmittelbar neben dem Krankenhaus 36 Gärten mit einer Größe von jeweils 240 Quadratmetern Gestalt annahmen. Sie ordneten sich entlang des Finkenweges an, dem Ursprung der bis heute bestehenden Sparte. Manch Familie bewirtschaftet dort in dritter oder bereits vierter Generation eine Parzelle, berichtet der stellvertretende Vorsitzende des Kleingartenvereins „Erholung“ – diesen Namen erhielt die Anlage 1967, als sie zunehmend größer wurde.

Drosselweg, Amselweg und letztlich der Meisenweg kamen hinzu, blickt Kurt Bergt anlässlich des Jubiläumsfestes auf die Entwicklung der grünen Oase inmitten der Stadt zurück. Auf 2,75 Hektar wuchs die Sparte an. Das einstige Ackerland verwandelten die Pächter in ertragreiche Obst- und Gemüsegärten. Immer wieder steckten sie viel Arbeit in die Anlage. In Eigeninitiative errichteten sie beispielsweise 1968 das Gartenheim, das sie 1972 erweiterten und das inzwischen wiederholt saniert und umgebaut ebenfalls dem Dartclub als Heimstatt zur Verfügung steht.

Zunehmender Leerstand

Heute sind 82 Parzellen verpachtet, fünf sind ungenutzt. Als Wermutstropfen bezeichnet Kurt Bergt den zunehmenden Leerstand, von dem alle Kleingartenvereine betroffen sind. Zugleich ruft er zur Werbung für die Sparte auf: „Es muss uns gelingen, junge Familien mit Kindern zu gewinnen.“ Denn bereits jetzt seien 25 Gartenfreunde älter als 75, gibt er zu bedenken.

Bilder

Andreas Dittmann indes ist zuversichtlich, dass die Idee des Schrebergartens fortlebt. Der Zerbster Bürgermeister erzählt schmunzelnd vom neuen Trend des „Urban Gardening“, sprich des städtischen Gartenbaus, der als Neuerfindung daherkommt, obwohl es genau das ist, was in der „Erholung“ eben bereits seit 100 Jahren praktiziert wird. „Da sind sie der Zeit voraus“, erklärt er lächelnd.

Ehrende Geschenke

Dittmann lässt es sich nicht nehmen, persönlich seine Glückwünsche zum 100. Geburtstag zu übermitteln. Er spricht vom kleinen Stückchen Paradies zum Wohlfühlen, das sich die Hobbygärtner hier geschaffen haben und das zugleich Teil der grünen Lunge der Stadt ist. Als Präsent hat der Bürgermeister eine Ehrenurkunde mitgebracht, die sich zu jener gesellt, die Kurt Bergt in seiner Rolle als Vorstandsmitglied im Namen des Stadtverbandes der Kleingärtner Zerbst und Umgebung überreicht.

Ein ganz praktisches Geschenk fahren Klaus Partheil und seine Gattin vor: einen Rasenmäher. Ihnen gehört der Grund und Boden, auf dem sich die Anlage erstreckt. „Ich bin die Enkelin der Gründerin Marie Pauli“, verrät Elisabeth Partheil. So lassen es sich die beiden nicht nehmen, zu dem besonderen Anlass in der „Erholung“ vorbeitzuschauen.

Vielfältige Veranstaltungen

Gemeinsam mit den Gartenfreunden und weiteren Gästen genießen sie das „Geburtstagsfest“, das sich in all die Veranstaltungen einreiht, die es bislang in der Sparte stattfanden. Zu DDR-Zeiten gab es nicht nur Vorträge über den richtigen Baumschnitt, der direkt am Objekt demonstriert wurde. Von Solidaritätsbasaren, Frauentagsfeiern sowie Blumen- und Gemüsebasaren erzählt die von Wolfgang Berkling erstellte Festschrift. Auch den 1983 aus der Taufe gehobenen „Faschingsclub Erholung“, der für unvergesslich amüsante Momente sorgte, lässt er in dem bilderreichen Heft nicht unerwähnt.

Ein närrischer Auftritt ist dieses Mal nicht organisiert. Spaß haben die Anwesenden dennoch. In geselliger Runde sitzen die Spartenmitglieder plaudernd zusammen, während Helmut Aretz zusammen mit Tochter Nathalie vom „Knallroten Gummiboot“ singt. Mit einer musikalischen Reise durch die deutsche Schlagerszene unterhalten sie die Besucher, die sich bei einer Modenschau über aktuelle Trends informieren können. Später wird es sportlich. Gut gelaunt messen sich Jung und Alt beim Bierglasschieben, Preiskegeln und Würfeln. Und immer wieder wird zwischendurch auf das Jubiläum angestoßen.