Zerbst l Bereits 1992 wurde der Entwurf eines Bebauungsplanes für die Zerbster Klosterhöfe öffentlich vorgestellt. Dieser beinhaltete neben der Sanierung ebenfalls die Aufwertung dieses historischen Viertels der Stadt. 2012 unternahm Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst; FFZ) erneut einen Versuch, das unter Denkmalschutz stehende Quartier in den Fokus zu rücken, um diesen „größten städtebaulichen Missstand“ endlich zu beseitigen. Inzwischen ist zumindest der Ausbau des Kleinen Klosterhofes vorgesehen, während die Arbeiten zur Umnutzung des einstigen Frauenklosters bereits seit Monaten laufen.

Bürger sollen mitdiskutieren

Nun kommen die Vorschläge zur Entwicklung der mittelalterlich geprägten Klosterhöfe hinzu, die Philip Mähler erstmals im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss vorstellte. Vier Varianten präsentierte er und zwar als Diskussionsgrundlage, wie der für Stadtplanung zuständige Mitarbeiter des Zerbster Bau- und Liegenschaftsamtes betonte. Wie er erklärte, handelt es sich einzig um Vorentwürfe, die keinesfalls bindenden Charakter haben. Vielmehr sollen sie Basis sein, um gemeinsam letztlich einen möglichst breit akzeptierten Konsens zu finden. Und das schließt ausdrücklich eine Beteiligung der Bürger mit ein.

Identisch in allen Varianten ist, dass der Bereich zur Breite hin als Mischgebiet ausgewiesen wird, wo Gewerbe möglich ist, während die sich zur Stadtmauer hin erstreckenden Grundstücke ausschließlich Wohnzwecken dienen sollen.

Bilder

Brückenlösung wird geprüft

Darüber hinaus findet sich in den verschiedenen Alternativen die von Helmut Seidler eingebrachte Idee wieder, das Klostergelände von der Puschkinpromenade aus zu erschließen. An welcher Stelle genau die Brücke über die Nuthe errichtet werden würde, ist noch völlig offen. „Da gibt es keinen fixen Punkt“, bezog sich Philip Mähler auf eine entsprechende Anfrage von Sebastian Siebert (SPD).

Diese Zufahrt würde laut der Vorschläge der Verwaltung in einen Parkplatz einmünden, der sich zwischen Nuthe und Stadtmauer befinden würde. Warum werde hier nicht der Parkplatz am Frauentorplatz in Betracht gezogen, hakte Siebert nach. Das würde die Flussquerung unnötig machen. Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) verwies auf den Auftrag des Bauausschusses an die Verwaltung, die Brückenlösung zu prüfen. Das sei geschehen. Und eine erste Kostenschätzung habe ergeben, dass eine solche realisierbar wäre. Unterdessen sprach sich Christiane Schmidt (Bündnis 90 / Grüne) für eine reine Fußgängerbrücke über die Nuthe aus. Das sei möglich, entgegnete Dittmann.

Grünfläche oder Bebauung?

Die gravierenden Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten finden sich im Bereich des Großen Klosterhofs. Angeregt wird beispielsweise – dargestellt links in der Grafik – die Schaffung einer öffentlichen Grünfläche, um die barocke Fassade des Klausurflügels des früheren Frauenklosters erlebbar zu machen, wie es Philip Mähler ausdrückte. Dafür müssten die noch vorhandenen Häuser im Zentrum des Großen Klosterhofs allerdings weichen – oder aber sie bleiben bestehen und das Areal wird stattdessen bebaut, was für den Bürgermeister indessen nicht die optimale Lösung wäre.

„Wir sollten uns diese Innenfläche nicht verbauen, sondern es uns leisten, hier einen Raum der Begegnung zu schaffen“, meinte Andreas Dittmann. Dies würde für den Bürgermeister ebenfalls bedeuten, dort auch auf Parkplätze zu verzichten, „auch wenn es die Anwohner hart trifft“. Die Zumutbarkeitsgrenze sei da neu zu definieren, fand er. „Anliegerverkehr muss man zulassen, aber das kann im Be- und Entladen enden“, gab Dittmann zu bedenken.

Abrisse stehen im Raum

Auf Abriss würde ebenfalls der Vorschlag hinauslaufen, die Westfassade der Klosterkirche wieder freizustellen und dort künftig die Feuerwehrzufahrt anzulegen – zu sehen im rechten Entwurf der Grafik. Momentan führt die Zuwegung für die Löschfahrzeuge provisorisch von der Breite aus über eine Baulücke auf den Großen Klosterhof. In allen Varianten wird jedoch der Lückenschluss empfohlen.

Wie die Planung letztendlich aussehen wird, bleibt abzuwarten. Die vorgestellten Entwürfe „sollen keine Vorwegnahme einer Entscheidung sein“, betonte der Bürgermeister. „Wir wollen es so kontrovers und offen wie möglich diskutieren“, versprach Dittmann.