Zerbst l Olaf Saar traute seinen Augen kaum, als er vor einigen Tagen die nahezu trockengelegte Nuthe bei Bonitz entdeckte. Nach einigen Metern entlang des Flüsschens kannte er dann auch den Grund. Der Nutzer einer Stauanlage hatte diese offensichtlich geschlossen, so dass die Nuthe im weiteren Verlauf fast trockengelegt war. Olaf Saar und seine Angelkollegen von Zerbster Anglerverein sind entsetzt.

Arbeit vieler Jahre dahin

„Ich konnte kaum glauben, was ich da sah“, ist Saar noch immer fassungslos. Es habe ohnehin seit Wochen nicht nennenswert geregnet, und dann werde auch noch das Wehr geschlossen und das Wasser angestaut. „Die Arbeit von vielen Jahres ist quasi vernichtet“, sagt Saar.

Der Gesamtschaden, den die Trockenlegung verursacht hat, sei noch gar nicht abzusehen. „In diesem Bereich bringen wir regelmäßig Fischbesatz aus, beispielsweise Eschen und Meerforellen“, sagt Saar. Durch solche Trockenlegungen würden beispielsweise auch Bio- Indikatoren, die auf der roten Liste stehen, wie Bachneunaugen oder Schmerle sowie Kleintiere, die als Fischnahrung dienen, vernichtet, darunter Krebstiere, Larven oder Eintagsfliegen. „Wir haben als Verein Anzeige erstattet“, erklärt Olaf Saar.

Strafverfahren eingeleitet

„Es wurde ein Strafverfahren gegen Unbekannt bezüglich eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet“, bestätigt Michael Drews, Sprecher des zuständigen Polizeireviers in Köthen, auf Nachfrage. Drews: „Im Bereich der Nuthe wurde eine Wehranlage zur Wasserstandsregulierung entdeckt, deren Betrieb möglicherweise ein gehäuftes Fischsterben nach sich zog.“ Das eingeleitete Ermittlungsverfahren solle nun die Rechtmäßigkeit von Errichtung und Nutzung der Anlage klären.

Auch die Untere Wasserbehörde des Landkreises ermittelt, teilte Sprecherin Marina Jank auf Nachfrage mit. Die Behörde sei am 27. April um 8 Uhr über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden und sei sofort tätig geworden. „Der Verursacher hat eine wasserrechtliche Erlaubnis für die Nutzung der Stauanlage. Er habe erklärt, dass keine komplette Trockenlegung unterhalb des Staus erfolgt sei, jedoch nur sehr wenig Wasser abgeführt wurde“, so die Landkreissprecherin.

Zurzeit keine Beregnung

Ziel sei, dass die Stauanlage die Flächen bewässert. Diese Bewässerung erfolge in dem Fall durch das natürliche Gefälle in die angrenzenden Flächen. „Eine Beregnung erfolgte zurzeit nicht. Grundsätzlich ist derzeit die Entnahme aus Oberflächengewässern erlaubt, soweit eine rechtskräftige wasserrechtliche Erlaubnis dem Gewässerbenutzer vorliegt und der mittlere Niedrigwasserabfluss in den einzelnen Gewässern vorhanden ist“, erläutert Marina Jank.

Keine Wasserentnahme erlaubt

Gemäß Wasserrecht habe jeder Erlaubnisinhaber bei geringen Wasserständen die Entnahme selbst einzustellen. „Bei dem in Rede stehenden Fall ist die Entnahme mittels Beregnungsanlage derzeit nicht erlaubt und wurde auch nicht durchgeführt“, so Jank. Das Anstauen in Oberflächengewässern dürfe nicht willkürlich erfolgen. „Nur Inhaber einer rechtskräftigen wasserrechtlichen Erlaubnis dürfen entsprechend den Nebenbestimmungen und den festgesetzten Stauzielen eine Stauanlage bedienen“, so Jank.

Die Herbeiführung eines Rückstaus im Gewässer – auch über sonstige Mittel wie Einträge von festen Stoffen wie Bretter oder Steine – sei grundsätzlich verboten. Der vorliegende Fall erfülle den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit gemäß Paragraph 103 Absatz 1 Wasserhaushaltsgesetz, denn es müsse sichergestellt sein, dass ein Mindestwasserabfall gewährleistet ist. „Die Wasserbehörde prüft die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens“, erklärt Jank.