Zerbst l Einen ungewöhnlichen Ort hatte sich die Kulturaktion für ihre Jubiläumsausstellung gesucht – den Glockenturm der Bartholomäikirche. Auf der ersten Ebene des Turms waren die Exponate aufgebaut, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Vor dem Feldsteinbau spiegelten zudem zahlreiche Fotos das bisherige Wirken des Zerbster Vereins, dem aktuell 16 Mitglieder – unter anderem auch aus Leitzkau, Dessau und Magdeburg – angehören.

Kulturelle Vielfalt

„Seit 25 Jahren wollen wir Zerbst in seiner kulturellen Vielfalt bereichern und mit unseren Angeboten und Aktionen Farbtupfer setzen, um Zerbst noch liebenswerter und bunter zu gestalten“, erklärte die Vereinsvorsitzende Steffi Heger. Sie verwies auf das Angebot, das sich an Jung und Alt richtet, an Menschen, die sich künstlerisch ausprobieren wollen. Dieser Gedanke war der ursprüngliche Auslöser für die Gründung der Kulturaktion. „Wir wollten nicht nur Kunst betrachten, sondern selbst kreativ sein“, blickte Steffi Heger zurück.

Zu den Höhepunkten des Vereinslebens gehören die jährlichen Kreativtage. Es werden immer wieder neue Materialien und Techniken ausprobiert, erfahrene Künstler dazu eingeladen. In diesem Jahr widmete sich die Kulturaktion der Landschafts- und Porträtmalerei und zwar in Calbe an der Saale. Unter Anleitung des Grafikers und Malers Benno Zöllner ließen sich die Teilnehmer zu ganz individuellen Werken inspirieren.

Bilder

Fenster umgestaltet

2018 hingegen entstand in einem Workshop Glaskunst. Verwendet wurden dazu unter anderem die alten Fenster der Zerbster Bartholomäikirche. Eines der Fenster kehrte am Abend der Jubiläumsausstellung zurück. Rosemarie Böttcher, Künstlerin und Kulturaktionsmitlied, überreichte Pfarrer Albrecht Lindemann eines der umgestalteten Fenster – es enthält eine christliche Symbolik und steht nun im Pfarramt von St. Bartholomäi.

2017 nahm die Kulturaktion am Zerbster Prozessionspiel teil und setzte die Szene „Der Tod“ um. Außerdem zählte ein Workshop mit dem russischen Bildhauer Yaroslaw Borodin zu den Höhepunkten. 2016 verbrachte die Kulturaktion die Kreativtage im Zerbster Museum mit Martha Irene Leps und widmete sich verschiedenen Drucktechniken. Kettensägenkunst mit dem Straguther Künstler Michael Fröhlich entstand 2015 gemeinsam mit der Essensfabrik. Einen Querschnitt all dieser Arbeiten zeigte die Ausstellung im Dicken Turm.

Besonder Performance 1996

Zum Schaffen der Vereinsmitglieder gehört aber weit mehr. Zum ersten Mal auffällig wurde der Verein 1996 mit der Performance „Das erste Ma(h)l im Zerbster Schloß“. Diese Veranstaltung gilt als die erste Veranstaltung in der Ruine seit der Zerstörung 1945, bestätigte der auch zur Ausstellungseröffnung anwesende Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD).

Orte zu beleben, sie auf neue Weise sichtbar machen, ist Anspruch der Vereinsmitglieder. „Die Kulturaktion erschließt mit ihren Veranstaltungen Räume und lässt sie zu Kulturräumen werden“, würdigte Dittmann weiter. Besonders erwähnenswert ist hierbei das „Anhaltende Frühstück“ im Jahr 2005. Mit dem Hintergrund gegen die Aufteilung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld im Zuge der Gebietsreform zu demonstrieren, hatte die Kulturaktion zum ersten anhaltenden Frühstück im öffentlichen Raum eingeladen. Mehrere Vereine und Institutionen schlossen sich damals an.

Mitgestalten erwünscht

In den kommenden Jahren will die Kulturakion an bisherige Aktionen anschließen. Räume erschließen, Materialien und Techniken ausprobieren und vor allem jeden und jede einladen, die Lust haben, mitzugestalten. „Wir freuen uns schon auf die nächsten Kreativtage, zu denen wir bereits herzlich einladen“, sagt Steffi Heger. Im Blick haben die Vereinsmitglieder jetzt aber erst einmal die nächsten Zerbster Kulturfesttage, bei denen sie sich ebenfalls wieder einbringen wollen.