Zerbst l „Luther war hier“, sagte Rathauschef Andreas Dittmann (SPD) gestern Vormittag zur Einstimmung eines feierlichen Aktes. Dass der Reformator auch seine Spuren in Zerbst hinterlassen hat, bekunden nun drei Edelstahlplaketten mit der Aufschrift „Luther war hier“.

Trotz des schlechten Wetters herrschte gestern eine sehr aufgelockerte Stimmung. Die Anbringung der Plaketten begleiteten Claus-Jürgen Dietrich, Vorsitzender des Fördervereins St. Nicolai, zusammen mit Viola Tiepelmann, Leiterin der Tourist-Information, und die beiden Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt Kerstin Bullerjahn und Jan Scheunemann. Kulturamtsleiterin Antje Rohm nahm den Termin ebenfalls mit Freude wahr.

Plakette am Augustinerkloster

Treffpunkt war zunächst am ehemaligen Augustinerkloster (Senioreneinrichtung „Willy Wegener“). Dort wurde eine der insgesamt drei Edelstahlplaketten angebracht. „Das Kooperationsprojekt wurde vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Zusammenarbeit mit der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen“, erläuterte Scheunemann. In insgesamt 72 Orten in Sachsen-Anhalt, die einen Bezug zu Luther haben, sollen die neuen Edelstahlplaketten über den geschichtlichen Hintergrund informieren. Die Plaketten sind zudem mit einem QR-Code versehen. Das bedeutet, jeder kann mit einem Smartphone den Code einscannen, der dann eine Internetseite öffnet. „Das Angebot richtet sich nicht Vordergründig an den internationalen Tourismus, sondern an Wanderer, die beispielsweise auf dem Lutherweg pilgern wollen, vor allem aber an die einheimische Bevölkerung“, fügte Bullerjahn hinzu.

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Neben den wichtigsten Wirkungsstätten von Luther wie Wittenberg, Eisleben oder Mansfeld gebe es auch viele andere sehenswerte Orte, die mit diesem Projekt bekannter gemacht werden sollen. „Wer den QR-Code einscannt, bekommt nicht nur Informationen zum jeweiligen Bauwerk, es werden auch alle anderen Luther-Orte aufgelistet“, sagte Scheunemann. Für Wanderer sei es sehr attraktiv, da viele Kirchen oft geschlossen haben.

Intensive Beziehung zu Zerbst

„Wir haben das Glück, mit oder ohne Plakette, dass es nachweislich einen regen Schriftwechsel zwischen Luther und den Stadtverordneten gegeben hat, mit dem man Bände füllen kann“, sagte Dittmann. Daran sei nachvollziehbar, wie intensiv die Beziehung zwischen Luther und der Stadt gewesen sei, so der Rathauschef.

Zweite Station machten die Vertreter der Stadt und des Landesamtes vor der Stadtkirche St. Nicolai. Dort wurden zwei Plaketten, jeweils eine an den beiden Eingängen, angebracht.

„Wir vom Förderverein finden die Idee toll“, sagte Dietrich. Denn die Kirche sei nicht nur ein Baudenkmal. „Wir feiern in diesem Jahr zum einen 500 Jahre Reformation und zum anderen 200 Jahre Union zwischen den Lutheranern – für die damals die Trinitatiskirche erbaut wurde – und den Reformierten“, so der Vorsitzende des Fördervereins. „Und derjenige, der alles angezettelt hat, wird nun hier verewigt“, scherzte Dietrich. Tiepelmann sprach abschließend einen Dank an alle Partner aus. Damit nahm sie Bezug auf die Senioreneinrichtung und die Nicolaikirche. „Es ist kein Problem, wenn wir dort Touristengruppen hinschicken, so unkompliziert geht es nicht überall.“

In der Reformationsgeschichte nimmt Zerbst immerhin eine herausragende Stellung ein. Luther hatte sich nachweislich zweimal persönlich in Zerbst aufgehalten. So galt sein erster Besuch am 18. Mai 1522 dem Augustinerkloster. Auch in St. Nicolai habe er vermutlich gepredigt.