Zerbst l „Das ist uns eine Ehrenpflicht“, sagt Viola Tiepelmann, Leiterin der Zerbster Tourist-Information. Als erste reformierte Stadt in Anhalt kann Zerbst in Eisleben beim dreitägigen Landesfest nicht fehlen. Wie bereits in den Vorjahren wird die Stadt gemeinsam mit Partnern im Regionaldorf Anhalt-Dessau-Wittenberg mit einem Stand vertreten sein. Viola Tiepelmann zur Seite stehen Vertreter der Francisceumsbibliothek und des Naturparks Fläming.

Viele Mitwirkende

Aber nicht nur, weil Zerbst Vorreiter der Reformation war, soll in Eisleben gepowert werden. Zerbst will auf den diesjährigen Höhepunkt im Stadtgeschehen aufmerksam machen: das Prozessionsspiel, das vom 8. bis 10. September wieder aufgeführt werden soll. „Wir haben 400 Mitwirkende und viel Platz. Dafür werben wir und für unseren Ort mit unserer sehr bewegten Geschichte“, sagt Viola Tiepelmann. „Und wir wollen damit zeigen, wie es zur Reformation hatte kommen können.“

Das Zerbster Prozessionspiel gehörte im 16. Jahrhundert zu den bedeutenden Prozessionsspielen im deutschsprachigen Raum. Die mittelalterliche Handschrift und das Regiebuch galten nach dem Bombenangriff auf die Stadt am 16. April 1945 als verschollen und wurden erst 2012 wiederentdeckt und ins Neuhochdeutsche übertragen.

„Aber wir schauen nicht nur auf dieses Jahr. Auf dem Sachsen-Anhalt-Tag sind Gäste aus dem ganzen Land und aus den angrenzenden Bundesländern. Die wollen wir unabhängig vom Reformationsjahr dafür interessieren, Anhalt und Zerbst zu besuchen“, so die Tourismus-Chefin. Dafür seien solche großen Volksfeste bestens geeignet. „Da zählt dann auch nicht der Absatz an Prospekten, sondern das Gespräch. Wenn das Wetter mitspielt, sind die Leute gut gelaunt und die Gespräche gut.“

Weniger Vereine

Ein bisschen ausgedünnt ist in diesem Jahr die Schar der Vereine. Nur die Zerbster Nuthe Cowboys werden sich in den Umzug einreihen und mit einer kleinen Show die Besucher unterhalten.

Andere Vereine legen in diesem Jahr eine Pause ein - nicht zuletzt, weil im vorigen in Sangerhausen in ihren Augen das Fest nicht optimal für die Teilnehmer organisiert war. „Ich kann das gut verstehen“, sagt Viola Tiepelmann. „Es muss auch nicht jeder jedes Jahr dabei sein und die Fahne hochhalten.“

Dass beim nächsten Sachsen-Anhalt-Tag wieder mehr Vereine die Werbetrommel für die Region rühren, hofft Viola Tiepelmann dennoch. Entgegenkommen könnte den Ehrenamtlern dabei, dass das Landesfest künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden soll. Das nächste Mal also 2019. „Das finden wir sehr vernünftig“, so Tiepelmann.

In Eisleben werden in diesem Jahr rund 160 000 Gäste erwartet. 640 Aktive aus Anhalt-Bitterfeld gestalten das Fest mit. 13 Vereine, Tanzgruppen und Bands aus dem Landkreis zeigen ihr Können. Die Region präsentiert sich beim Umzug in 13 Bildern mit zwölf Vereinen.