Jütrichau l „Die Einwohner sind stinksauer, und das im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Denis Barycza, Ortsbürgermeister in Jütrichau gegenüber der Volksstimme. Seit Wochen würden die Jütrichauer kein Fenster mehr öffnen, geschweige Wäsche zum Trocknen nach draußen hängen können.

Einwohner laufen Sturm

„Hier kann man schon nicht mehr von einem üblen Geruch sprechen, das ist ein regelrechter Gestank, penetrant und beißend und das bereits seit Wochen“, schildert Barycza.

Ein Grillabend im Garten oder auf der Terrasse sei zur Zeit fast ausgeschlossen. Dazu die Wärme und die Trockenheit, die das Übrige dazu tun.

Die Einwohner liefen Sturm. Täglich würden ihn mehrere Anrufe erreichen, in denen die Jütrichauer ihren Unmut über den Gestank kundtun. „Daraufhin habe ich mich an die Landkreisverwaltung gewandt“, erklärt der Ortsbürgermeister.

Abfallbehörde ging Hinweisen nach

Am 9. Mai habe das Umweltamt von Jütrichaus Ortsbürgermeister Denis Barycza einen Anruf erhalten, dass am Ortsrand unsachgemäß Klärschlamm ausgebracht worden sei und das gesamte Dorf in hohem Ausmaß von dem Geruch belästigt würde.

Da der Landkreisverwaltung keine Anzeige einer Klärschlammausbringung für diesen Bereich vorlag, machten sich noch am selben Tag zwei Mitarbeiterinnen der unteren Abfallbehörde auf den Weg nach Jütrichau, um dem nachzugehen, teilt Marina Jank, Pressesprecherin des Landkreises auf Volksstimme-Nachfrage mit.

„Die beiden Mitarbeiterinnen konnten allerdings keine unsachgemäße Klärschlammausbringung feststellen. Der noch wahrzunehmende stechende Geruch wurde von ausgebrachten Gärresten verursacht“, erklärt Jank.

Gärreste aus Zörbig

Laut Aussage des betreffenden Landwirtes seien Gärreste des Unternehmens Verbio Ethanol GmbH und Co. KG aus Zörbig schon Anfang Mai zu Düngemaßnahmen auf den Feldern ausgebracht worden.

„Dieser Gärrest, der aus der Vergärung von Getreideschlempe entsteht, ist ein durch die Düngemittelverordnung zugelassenes organisches Düngemittel“, so die Pressesprecherin. Leider würde dieser Gärrest aus Zörbig eine extreme Geruchsbelästigung mit sich bringen.

„Eine düngerechtliche Prüfung durch das Fachamt ergab, dass die ausgebrachten Nährstoffmengen, 18 Kubikmeter je Hektar, dem zeitgemäßen Nährstoffbedarf der Getreidekulturen entsprechen“, erläutert Marina Jank.

Durch den Einsatz eines Schlitzgerätes wurde auch der gesetzlichen Anforderung an die vorgeschriebene Ausbringungstechnik - bodennah in bewachsenen Beständen - Genüge getan. „Eine unsachgemäße Abfallentsorgung konnte somit nicht festgestellt werden“, sagt Jank.

Rechtliche Sicht

Die Gesetzgebung enthalte keine Vorgaben bezüglich der „Belästigung“ durch Düngemaßnahmen. „Aus düngerechtlicher Sicht gibt es somit keine Möglichkeiten, die landwirtschaftliche Verwertung dieses Düngemittels aufgrund seiner Geruchsemissionen zu beanstanden beziehungsweise einzuschränken“, betont die Pressesprecherin.

Marina Jank macht abschließend darauf aufmerksam, dass aufgrund der inzwischen zu lange vergangenen Zeit – von der Ausbringung der Gärreste Anfang Mai bis zur Meldung an das Umweltamt durch den Ortsbürgermeister am 9. Mai - die verschiedenen Messungen nicht mehr erfolgen konnten.