Hohenlepte l Langsam aber beständig arbeitet sich der Rübenroder über das Feld bei Hohenlepte. Die Agrico aus Lindau lässt hier die Rüben ernten. Einer der größten Landwirtschaftsbetriebe innerhalb der Stadt Zerbst ist stark im Zuckerrübenanbau engagiert. Doch Grund zur Freude machen die aufgetürmten Rübenhaufen am Feldrand nicht, sagt Vorstand Peter Gottschalk. „Nach Schulnoten beurteilt, hatten wir 2018 eine Sechs und in 2019 eine Fünf“, sagt er. Die Ergebnisse der Zuckerrübenernte seien im zweiten Jahr in Folge weit unter den Erwartungen geblieben. „Wir liegen bei rund 65 Prozent einer durchschnittlichen Ernte“, überschlug er die aktuellen Zahlen im Kopf.

Wasser fehlte

Obwohl die Ernte noch läuft, werde sich an den Zahlen kaum noch etwas ändern. Den Zuckerrüben fehlte für ein gutes Wachstum wiederholt ausreichend Wasser. Dankbar sind die Landwirte über jeden Tropfen, der vom Himmel fällt. In den Sommermonaten mussten die Rüben wieder wochenlang ohne Regen auskommen. Oft lagen die Blätter der Pflanzen tagsüber in der Sonne am Boden. Die Rübe drosselt dann die Fotosynthese, weil sie für die Produktion des Zuckers unbedingt Wasser benötigt. In der Nacht stellen sich dann die Blätter wieder auf. So kann die Zuckerpflanze auch längere Trockenzeiten gut überstehen.

Die anhaltend schlechte Ernte habe vorerst keine Auswirkungen auf den Zuckerrübenanbau im kommenden Jahr, sagt Peter Gottschalk. Das liege auch und vor allem daran, dass das Unternehmen mehrjährige Verträge zum Anbau der Zuckerrübe geschlossen habe und daran gebunden sei, begründet er. Erst nach dem Auslaufen der Verträge könne sich der Betrieb neu orientieren und abwägen, ob der Anbau anderer Feldfrüchte einen höheren Ertrag verspricht.

Unternehmen leidet

Die Bilanz der übrigen Ernte in diesem Jahr liegt nur unwesentlich entfernt von dem Ergebnis der Zuckerrübenernte. Insgesamt liege der Ertrag bei rund 70 Prozent eines durchschnittlichen Jahres, sagt er. Damit habe das Unternehmen erneut unter dem anhaltenden Wassermangel zu leiden.

Obwohl die Agrico keine eigenen Tiere hat, versorgt sie dennoch einen Milchviehbetrieb in der Region mit Futter. Das sei auch in diesem Jahr wieder eine große Herausforderung für die Landwirte, schätzt der Bauer ein. Heu habe das Unternehmen nicht gemacht. Auf den Wiesen wuchs das Gras zu wenig. In guten und regenreichen Jahren mähen die Landwirte mehrfach im Jahr die Wiesen, um das dann getrocknete Heu im Winter an die Tiere zu verfüttern.

Mais fürs Milchvieh

In der Milchviehhaltung wird aber vor allem Mais als Futter eingesetzt. Zwar wuchs die Pflanze in diesem Jahr besser. Dennoch gab es auch wieder sehr schlechte Ernten. Abhängig ist dies vor allem von der Bodenqualität, weiß Peter Gottschalk. Im vergangenen Jahr fiel die Maisernte so schlecht aus, dass einige Bauern bereits im Frühjahr den noch grünen Roggen von den Feldern holten, um das Getreide an die Tiere zu verfüttern. Bis zur Maisernte hätten ihre Futtervorräte nicht mehr ausgereicht.

Nach der Ernte ist aber vor der Ernte. Und so haben die Landwirte schon längst damit begonnen, die Felder für das kommende Jahr zu bestellen. Der Raps und das Getreide sei weitgehend schon in der Erde, sagt Peter Gottschalk. Auch wenn jetzt zwei sehr trockene Jahre hinter den Landwirten liegen, könne es sich der Betrieb nicht leisten, die Flächen nicht zu bewirtschaften. Natürlich hoffe er, dass sich die Situation ändere und der Wassermangel ausgeglichen werde. Denn auch in der Vergangenheit gab es immer mal wieder sehr trockene Jahre. Danach gab es allerdings auch wieder Zeiten, in denen es Wasser im Überfluss gab.

Tiefe Wurzeln

Vor allem im Winterhalbjahr freuen sich die Bauern über jeden Tropfen, der vom Himmel fällt. Dann benötigen die Pflanzen weniger Wasser. Die Feuchtigkeit kann dann tiefer in den Boden eindringen. Das sei für die späteren Monate wichtig. Denn einige Pflanzen, wie die Zuckerrüben bilden tiefe Wurzeln aus, um auch an tiefer im Boden liegende Feuchtigkeit zu kommen. Selbst wenn es dann im Sommer nur wenig regnet, sei dies für die Zuckerrüben kein Problem. Problematisch werde es erst, wenn die Rüben mit ihren Wurzeln nicht mehr an Feuchtigkeit im Boden gelangen, weil es keine mehr gibt. Dann stoße auch die Zuckerrübe an ihre Grenzen.