Deetz/Lindau l Asparagus heißt das Gemüse, welches zu Frühlingsbeginn auf den heimischen Äckern wächst. Der Gemüsespargel ist dabei eine von 220 Spargelarten, die die Natur hervorgebracht hat. Dieses Frühjahr hielt für die Spargelbauern allerdings einige Herausforderungen bereit. Frühzeitig hatten sie Planen über die Äcker gelegt, um die Wärme im Boden zu speichern. Nur im warmen Boden treiben die begehrten Spargelsprossen. Zum Ende des Winter kehrte aber noch einmal tiefer Frost zurück.

Große Hitze

„Wir kamen vom Winter in den Hochsommer“, sagt Mathias Mösenthin. Der Deetzer Landwirt baut neben seinem Heimatort Spargel an. Die Spargelsaison startete wegen der späten Fröste erst gut zwei Wochen später, erinnert er. Die dann folgende Hitze habe aber dafür gesorgt, dass die Pflanzen prächtig austrieben.

Nachteilig erwiesen sich die fehlenden Niederschläge. „Wir haben seit Ostern fast keinen Niederschlag gehabt“, sagt er. Das fehlende Wasser machte den Pflanzen zu schaffen, betont er. Um den Niederschlag auszugleichen, habe er seine Anbauflächen künstlich bewässert, erzählt er weiter. Das Wasser habe dabei auch eine kühlende Funktion übernommen, schildert er. So seien die Pflanzen im Damm mit dem Wasser aus gekühlt worden. Das habe sich auf die Erträge ausgewirkt, ist er sicher. Trotzdem reiche die Erntemenge nicht an die Mengen der Vorjahre heran, versichert er. „Wir kommen vielleicht auf gut 70 Prozent der Vorjahresmenge.“

Mit den Klimabedingungen mussten auch die Lindauer Spargelanbauer zurechtkommen. Hans-Joachim Wuttig von der Agrico sagt rückblickend: „Das war sehr durchwachsen.“ Hitze und Trockenheit führt er ebenso als große Einflussfaktoren bei der jüngsten Spargelernte auf. Ebenso sei die Ernte schlechter ausgefallen als im Jahr zuvor, bestätigt er.

Preis spielt Rolle

Ein wesentlicher Faktor bei der laufenden Ernte spielt natürlich der Preis. Denn die Spargelernte ist vor allem ein Job, der viel Arbeitskräfte erfordert. Vollautomatisch, wie bei anderen Feldfrüchten, funktioniert die Ernte hier nicht. Zweimal täglich müssen die Erntehelfer ausrücken und die Spargelreihen abschreiten, um die Triebe der Pflanzen zu entdecken und zu schneiden.

Zu Beginn der Erntesaison seien die Preise in Ordnung gewesen, sagt Hans-Joachim Wuttig. Dann seien allerdings die Preise so stark gefallen, dass die Spargelbauern aus Lindau kaum mehr die Kosten der Ernte einfahren konnten, beschreibt er die Situation. Um die Situation zu stabilisieren, sagt Hans-Joachim Wuttig, habe sein Unternehmen Flächen vom Markt genommen. Durch die damit verbundene Verknappung des Angebotes sollte sich der Marktpreis wieder stabilisieren und höher ansiedeln, erklärt er. Zuletzt mussten die Verbraucher noch einmal etwas mehr Geld für den Spargel bezahlen, sagt auch Mathias Mösenthin. Dennoch sei schwierig, den Verbraucher wieder an höhere Preise zu gewöhnen, gesteht er gern ein.

In Lindau hat die Agrico die Spargelernte bereits beendet. In Deetz läuft sie in den kommenden Tagen aus. Dennoch sei den Pflanzen das ungewöhnliche trockene und heiße Wetter anzusehen, sagen beide. Die Spargelstangen werden dabei immer dünner. Die Witterungsbedingungen lassen die Qualität des beliebten Gemüses leiden.

Allerdings beobachtet Hans-Joachim Wuttig, dass zum Ende der Spargelsaison die Nachfrage noch einmal gestiegen war. „Jetzt, wo es keinen Spargel mehr gibt, wollen die Leute noch mal welchen haben“, wundert er sich. Dabei habe es doch wochenlang die Möglichkeit gegeben, das Gemüse zu kaufen. Für die Spargelbauern ist die Spargelernte immer eine anstrengende Zeit. Denn zu kaum einer anderen Zeit im Jahr beschäftigen die Unternehmen so viel Personal. Nur mit Erntehelfern ist es möglich, die Flächen täglich mehrfach abzuernten. Zügig muss sich an die Ernte die Verarbeitung anschließen. Denn das Gemüse ist empfindlich. Neben einer schnellen Sortierung und der Reinigung gilt es, das Gemüse schnell an den Mann zu bringen.

Die Unternehmen verfolgen dabei in der Regel ähnliche Strategien. Einerseits setzen sie auf die Direktvermarktung vor der Tür. Auf der anderen Seite beliefern sie aber auch Gaststätten und der Region exklusiv. Dabei konkurrieren die Unternehmen mit dem lokalen Handel. Deshalb spielt der Preis für die Unternehmen eine zentrale Rolle.

In der Vergangenheit gab es allerdings immer schon mal Jahre, in denen es zu Wetterkapriolen im Frühjahr gekommen ist. Mal war es zu früh zu warm, dann wieder zu nass. In diesem Frühjahr gab es das andere Extrem. Dennoch blickt Hans-Joachim Wuttig zuversichtlich in die Zukunft. Im kommenden Jahr habe sein Unternehmen vielleicht mehr Glück, hofft er.

Ideale Standorte

Auch Mathias Mösenthin schaut zuversichtlich in die Zukunft. Auch wenn die Erntemenge um gut 30 Prozent geringer ausfiel als im Vorjahr, rechnet er ebenso im kommenden Jahr mit einer größeren Ernte. Zwar können die Landwirte das Wetter kaum beeinflussen. Doch über den Standort der Spargelfelder haben sie eine direkte Möglichkeit, das Optimum zu entwickeln. Längst nicht alle Flächen in der Region sind gleichermaßen für das leckere Gemüse ideale Standorte. Die sandigen und lehmigen Böden bieten zwar eine gute Ausgangslage. Dennoch gibt es feine Unterschiede. Landwirte, die diese Unterschiede kennen und zu nutzen wissen, sind klar im Vorteil.

Deutlich wird aber ebenso, dass immer mehr Technik zum Einsatz kommt. Ohne die künstliche Bewässerung seiner Spargelfelder wäre die Ernte womöglich noch viel schlechter ausgefallen, meint Mathias Mösenthin.

Nicht nur beim Spargel greifen die Landwirte inzwischen auf Bewässerung zurück. Großflächig kommen Regner an vielen Stellen zu Einsatz, um den sinkenden Niederschlag ausgleichen zu können. Denn für das Wachstum benötigen die Pflanzen ausreichend Wasser. Die Flüssigkeit erfüllt eine Reihe von Funktionen in der Pflanze. Das Wetter bleibt für die Landwirte noch immer der größte Unsicherheitsfaktor. Aber auch mit Trockenperioden können die Pflanzen umgehen, das haben sie während der Evolution gelernt.