Schora l „Als Kind wollte ich Trecker- und Mähdrescherfahrer werden“, verrät Roy Gierspeck. Vater und Großvater arbeiteten in der Landwirtschaft und weckten sein Interesse für die Technik, die über die Äcker rollt. Als der junge Ladeburger schließlich sein erstes Moped bekam, fing er begeistert an zu schrauben. So wandelte sich sein Berufswunsch allmählich.

Die Entscheidung, was er nach der Schule mal machen möchte, fiel nach einem Praktikum bei der Worch Landtechnik GmbH in Schora. Danach war für den heute 20-Jährigen klar: Ich werde Land- und Baumaschinenmechatroniker. „Er hat dann bei uns am 1. August 2015 seine Ausbildung begonnen und diese nach dreieinhalb Jahren im Januar 2019 erfolgreich abgeschlossen“, erzählt Geschäftsführer Thomas Worch.

Leistungswettbewerb in Lüneburg

Die Schuld im positiven Sinne gibt Roy Gierspeck seinem Mentor Stephan Fricke, der ihn während seiner Lehre an die Hand nahm. Ihm ist es wesentlich mit zu verdanken, dass der Ladeburger als bester von rund 60 Azubis seiner Branche abschnitt und als Landessieger Sachsen-Anhalt auf Bundesebene vertreten durfte. Anfang November fand in Lüneburg der praktische Leistungswettbewerb der LandBauTechnik statt, zu dem der 20-Jährige ohne große Erwartungen hingefahren ist. Immerhin sollte er dort auf die besten Gesellen der übrigen Bundesländer treffen, von denen allerdings nicht alle angereist waren.

Letztlich stellten sich zehn Kandidaten an sieben Stationen den kritischen Blicken der erfahrenen Prüfer – darunter erstmals zwei Frauen. „Wir mussten eine elektrische Schaltung aufbauen oder auch eine Einspritzpumpe einstellen“, nennt Roy Gierspeck zwei Beispiele. „Was genau dran kommt, war vorher unklar“, blickt er zurück. Ebensowenig konnte der Ladeburger einschätzen, wie er wohl abgeschnitten hat. Am Ende des Tages stand jedoch fest, dass Roy Gierspeck neben Georg Kramer aus Bayern und Adrian Knapp aus Hessen mit seinen Leistungen überzeugte und einer der drei Bundessieger ist.

Er liebt die Fehlersuche bei Erntemaschinen

„Wir sind wahnsinnig stolz auf ihn“, sagt Thomas Worch. Keine Frage, dass der 20-Jährige von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen wurde. Derzeit ist er in Samswegen, einem der sechs Standorte des Unternehmens, tätig und lebt seinen Traumberuf aus. „Nur im Büro sitzen, könnte ich nicht“, gesteht Roy Gierspeck. Viel lieber widmet er sich der Fehlersuche bei den Erntemaschinen. Noch spannender sei der Außendienst beim Kunden, bemerkt er lächelnd.

„Schlosser sind die Problemlöser“, weiß Thomas Worch. Er würde sich mehr junge Menschen wünschen, die es dem Ladeburger gleich tun. Denn neben Fachkräften „suchen wir nach wie vor Lehrlinge“, sagt der Geschäftsführer. Mindestens vier Lehrlinge pro Jahr werden ausgebildet, aktuell befinden sich zwölf Azubis unter den insgesamt 80 Mitarbeitern der Firma.

Interesse für Beruf wichter als Noten

Bei den Bewerbungen achtet Thomas Worch weniger auf die Schulnoten. „Das Wichtigste ist das Interesse für den Beruf des Land- und Baumaschinenmechatronikers“, sagt er. Und dieser wäre „abwechslungsreich hoch Drei“, wirbt er. Wer sich davon selbst überzeugen und einmal in den Betrieb reinschnuppern möchte, dem empfiehlt er ein Praktikum. So wie es Roy Gierspeck absolvierte. Nach seinen Zukunftsplänen gefragt, verrät der 20-Jährige, dass er früher oder später seinen Meister machen möchte. „Jetzt will ich aber erstmal ein paar Jahre Beruferfahrung sammeln“, sagt der Ladeburger.