Berufsleben kennenlernen

Mehr als eine einfache Berufsberatung: Erstes „Erlebniscamp“ begeistert Sekundarschüler in Zerbst

Berufsfindung und -orientierung standen für Acht- und Neuntklässler der Ciervisti-Schule auf dem Programm. Aber auch Erlebnisse sollten in Ronney nicht zu kurz kommen.

Von Petra Wiese
Acht- und Neuntklässler der Zerbster  Ciervisti-Schule nahmen in Ronney an einem Erlebniscamp zur Berufsfindung und -orientierung teil.
Acht- und Neuntklässler der Zerbster Ciervisti-Schule nahmen in Ronney an einem Erlebniscamp zur Berufsfindung und -orientierung teil. Foto: Petra Wiese

Ronney - Eigentlich sollte das „Erlebniscamp“ in den Ferien stattfinden. Aber nicht anders möglich, durften die Teilnehmer die letzten Schultage nutzen, um in Ronney dabei sein zu können. Zur Zeugnisausgabe machte die Truppe einen Abstecher nach Zerbst zur Ciervisti-Schule. 

Das Angebot des Erlebniscamps richtete sich an die Acht- und Neuntklässler der Sekundarschule. Fast 60 Schüler hatten sich gemeldet. 21 Jugendliche durften an der Woche teilnehmen. Es musste also eine Auswahl getroffen werden. Achtklässler wurden zunächst einige zurückgestellt – die dürfen dann das nächste Mal teilnehmen. 

Was sich nach Ferienlager anhört, ist mehr als das. „Es geht nicht nur um Spaß“, macht Michael Dolezal deutlich. Er ist neben Ulrike Zimmermann und Raik Jahn einer von drei Referenten vom Bildungs- und Beratungsinstitut (BBI), welches das Camp durchführte. Gesponsert über das „Regionale Übergangsmanagement" (RÜMSA) – ein Förderprogramm des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration – und mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), ist die Teilnahme für die Schüler kostenfrei. 

Es geht um Berufsfindung und -orientierung. Die eigenen Schwächen und Stärken erkennen. Erfahren, wie  man an einen Ausbildungsplatz kommt, was man dafür tun muss. Was gehört in einen Lebenslauf? Wie schreibe ich eine Bewerbung? Wie tickt ein Personaler? Solche Themen und Fragen besprachen die Referenten mit den Schülern. Auch für ein Bewerbungsgespräch gab es wichtige Tipps für die Jugendlichen. Das fängt bei der Kleidung an, so Michael Dolezal. Die Begrüßung sei wichtig, die Körpersprache.

Vom Bewerbungsschreiben bis zum Interessentest

In zwei Gruppen besuchten die Campteilnehmer das Schraubenwerk Zerbst, wo jedes Jahr  Auszubildende in verschiedenen Berufen gesucht werden. Auch wenn die Betriebsbesichtigung einige Schüler weniger interessant fanden, so macht es ebenso Sinn, auszuschließen, was für einen nicht in Frage kommt. 

Fünf Module umfasst das „Erlebniscamp“ insgesamt. Im Vorfeld hatte es schon Einzelgespräche mit den Eltern gegeben. Auch in die Nachbereitung sind die Eltern wieder mit eingebunden. Mit nach Hause gab es für die Schüler schon mal einen Stick mit Lebenslauf und Bewerbungsschreiben. Beim Neigungs- und Interessentest erfuhren sie zudem, welche Berufsbilder passen könnten. Bei den Mädels steht der Erzieherberuf ganz oben auf der Liste, bei den Jungen Fachlagerist oder Mechatroniker. „Leider fallen reine handwerkliche Berufe hinten runter“, bedauern die Berufsberater.  

„Gut, dass wir jetzt wissen, wie man eine Bewerbung aufbaut“, sagte eine Schülerin in Auswertung der Ronneywoche. „Interessant“, fand eine andere, „man hat einiges gelernt.“ Auch Sozialkompetenz wurde trainiert, der Umgang miteinander, Probleme innerhalb der Gruppe ansprechen, Konflikte lösen. Regeln hatten sich die Camper am Anfang der Woche selber aufgestellt. 

Schüler sollten auch Praktika für Berufsorientierung nutzen

Aber auch die Erlebnisse kamen nicht zu kurz. Die reichten von der Radtour nach Barby über Geocaching, Yoga, das Projekt „vom Korn zum Brot“ mit Brötchen aus dem Steinofen und dazu selbst gemachte Kräuterbutter, bis zum gemeinsamen Kochen, Grillabend und Lagerfeuer. 

„Alles lief super“, war Michael Dolezal mit den jungen Leuten zufrieden. So etwas sollte es öfter geben, findet die Schulleiterin der Ciervisti-Schule, Kirsten von Mandel. Das könne die Berufsberatung, die in die Schule kommt, nicht leisten. Und auch die Eltern seien damit überfordert. Umso wichtiger ist es für die Schüler zu wissen, was auf sie zukommt. „Es ist wichtig, einen Plan zu haben“, so die Schulleiterin, die ihren Schützlingen auch rät, Praktika zu nutzen, um sich zu orientieren.

Das „Erlebniscamp“ war das erste, das in Zerbst stattfand. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld konnten  schon drei durchgeführt werden. Im Umweltzentrum Ronney, an das Team ging ein großes Dankeschön, fand es zum ersten Mal mit Übernachtung statt. Anfang August wird das nächste in Großpaschleben durchgeführt, kündigte Ulrike Zimmermann an. Im Herbst dann vielleicht wieder für die Ciervisti-Schüler. 

Als zwei von drei Referenten arbeiteten Michael Dolezal und Ulrike Zimmermann mit den Schülern.
Als zwei von drei Referenten arbeiteten Michael Dolezal und Ulrike Zimmermann mit den Schülern.
Foto: P. Wiese