Zerbst l „Ein Tag ohne Musik ist wie ein verlorener Tag“, sagt Martin Zimmermann. Bereits als Dreijähriger brachte er seinen Opa mit seiner Version von „Heidi“ zum Weinen. Lächelnd erzählt der Gymnasiast, wie er sich als Kind begeistert die „Musikantenscheune“ im Fernsehen ansah. „Und bei meiner Oma ist immer Andrea Berg gelaufen“, schildert der Zerbster den Ursprung seine Vorliebe für den Schlager.

Als Zweitklässler stand er bei einer Veranstaltung dann erstmals allein vor fremdem Publikum. „Meine Lehrerin hat mir damals ins Zeugnis geschrieben, dass ich keine Hemmungen habe, vor vielen Leuten zu singen“, erinnert sich das Nachwuchstalent. Inzwischen absolviert Martin Zimmermann jährlich um die 150 bis 200 Auftritte. Kurz vorher steigt ihm stets die Aufregung. „Lampenfieber muss man haben, sonst bringt man die Leistung nicht“, sagt der 19-Jährige.

Zuerst DJ als Wunsch

Ursprünglich wollte er DJ werden. „Bei Familienfeiern habe ich immer beim DJ gestanden und ihm zugeguckt.“ Mit seinem Wunsch, das selbst zu versuchen, konnte er seinen Vater Frank rasch überzeugen. Sie besorgten sich die benötigte Technik und begannen vor nunmehr neun Jahren, andere zu unterhalten – und zwar nicht nur mit Stücken aus der Anlage, sondern ebenfalls mit Martins eigenen Interpretationen bekannter Hits.

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„,100 Prozent deutsch‘ ist mein Motto“, erklärt der Zwölft- klässler. Er bedauert, dass die deutschsprachige Musik heute zunehmend aus den Medien verschwindet. „Man sollte etwas Nationalstolz haben“, findet er. Zumal es viele Bands und Sänger gebe, die tolle Lieder mit wunderbaren deutschen Texten haben.

Titel von Glasperlenspiel hat Martin genauso im Repertoire wie von Andreas Gabalier, Nik P. oder Club 3. Sein Volkslieder-Medley kommt vor allem bei der älteren Generation sehr gut an. Seine lokale Verbundenheit spiegelt sich indes in den Zerbster Heimatliedern wider.

Vorbereiten auf Weihnachten

„Momentan bereite ich mich schon auf die Weihnachtszeit vor“, erzählt der 19-Jährige von seinen Proben. Fast täglich übt er daheim in seinem Zimmer für eine halbe oder dreiviertel Stunde. Jeden Dienstag nimmt er zudem Gesangsunterricht an der Musikschule „Johann Friedrich Fasch“. Die Atemtechnik sei wichtig, schließlich wolle man nicht nach wenigen Liedern außer Puste sein, bemerkt er lächelnd.

„,100 Prozent deutsch‘ ist mein Motto.“

Seine Auftritte führen den Gymnasiast durch die ganze Region und darüber hinaus. Mitunter steht er mehrfach an einem Tag auf der Bühne. „Manchmal lässt sich die Musik schwer mit der Schule vereinbaren“, sagt Martin, der am Francisceum jetzt auf der Gerade zum Abitur ist. „Freundlicher Weise geben mir die Lehrer ab und zu ein paar Stunden frei, damit ich zu einem Auftritt kann.“ Er hofft, dass dies in Zukunft ebenfalls so vereinbart werden kann. Denn nicht immer sei es trotz aller Bemühungen möglich, die Termine außerhalb des Unterrichts zu legen.

Als Herausforderung bei seinen Auftritten nennt der 19-Jährige die Moderation. „Das war meine größte Angst.“ Gekonnt überleiten, plaudern und auf die jeweilige Situation spontan eingehen – das ist etwas, das er sich unter anderem bei Entertainer-Legende Peter Alexander abgeschaut hat, aber auch von Dieter Thomas Heck, dessen „Hitparaden“ er auf DVD besitzt.

Gute Freundin Margot Hellwig

Auf Vorbilder angesprochen lässt der junge Zerbster Margot Hellwig nicht unerwähnt, die mittlerweile zu einer guten Freundin geworden ist. „Wir telefonieren ab und zu.“ Auch gemeinsame Auftritte hatten die beiden schon. „Sie hat mir gesagt, dass ich erstmal einen anständigen Beruf lernen soll. Denn das Musibusiness ist ein Haifischbecken“, sagt Martin. So möchte er nach bestandenem Abitur ein Lehramtsstudium für die Sekundarstufe aufnehmen.

Musikalische Pläne hat der 19-Jährige momentan nicht. „Das lasse ich auf mich zukommen.“ Fakt ist, dass er jetzt seinen ersten eigenen Titel aufgenommen hat, den er 2017 in der Fernsehsendung „Immer wieder sonntags“ präsentieren wird. „Lass im Herzen Sommer sein“ heißt das Lied aus der Feder einer Texterin, dessen Melodie der Zerbster Eckhard Straube komponierte hat. „Er ist mein Produzent“, erzählt Martin von ihrer Zusammenarbeit. Gemeinsam haben sie jetzt auch den neuen Programmteil „Kessel Buntes“ erarbeitet, mit dem das Nachwuchstalent künftig für Unterhaltung sorgen wird.

„Das Musikbusiness ist ein Haifischbecken.“

Sein Musik-Gen hat Martin womöglich von seinem Ururopa mütterlicherseits geerbt. „Er hat Akkordeon gespielt“, verrät der Gymnasiast, dass sonst niemand weiter in der Familie besonders musikalisch ist.

Zweites Hobby: die Gärtnerei

Musik darf übrigens ebenfalls nicht bei seinem zweiten Hobby fehlen: der Gärtnerei. Egal, ob Blumen, Obst oder Gemüse – im Garten gleich hinterm Haus legt Martin selbst Hand an, pflanzt Erdbeeren oder verzieht Radieschen. Nur das Unkrautentfernen mag er nicht so.

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