Walternienburg l  Achselzucken herrscht bei denen, die es vielleicht nie zur Kenntnis genommen haben, Empörung bei anderen. Umgebettet wurde der Soldat auf den Walter- nienburger Friedhof. Das kleine Kreuz steht jetzt neben dem Gedenkstein für die Opfer des II. Weltkrieges. „Was sagt der Ortschaftsrat dazu?“, wollte ein aufgebrachter Bürger bei der jüngsten Ratssitzung wissen.

Der war im Grunde mit Tatsachen konfrontiert worden. Ortsbürgermeister Heinz Reifarth verwies auf die Verwaltung, an die weitere Fragen gerichtet werden sollten. Er konnte auch nur die Information weitergeben, dass die Stadt die Verlagerung zum Friedhof Walternienburg beim Landesverwaltungsamt Magdeburg beantragt hatte. Ute Schilling vom Grünflächenamt der Stadt hatte mitgeteilt, dass das, was übrig war, fachgerecht exhumiert, nach Walternienburg verbracht und unter Aufsicht beerdigt worden war.

Gräbergesetz gibt Auskunft

Die Rechtsgrundlage für die Umbettung findet sich im Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz). Die unter das Gesetz fallenden Gräber haben ein dauerndes Ruherecht. Nach Paragraf 6 sollen die Toten in einem Sammelgrab in einer geschlossenen Begräbnisstätte wieder bestattet werden. Insbesondere verstreut liegende Gräber sollen in eine oder zu einer geschlossenen Begräbnisstätte zusammengelegt werden.

Bei dem Kriegsgrab in Kämeritz handelte es sich um ein solches Grab, weshalb die Stadt den Antrag auf Umbettung stellte. Nur so könne ein dauerndes Ruherecht sichergestellt werden. Außerdem sei die Straße kein würdiger Begräbnisplatz. Und Walternienburg war die nächstgelegene Anlage.

Die Ortsbürgermeister von Hohenlepte und Walternienburg wurden mit Datum der Antragstellung über das Vorhaben informiert, ließ Ute Schilling wissen.

Soldat 1945 gestorben

Der unbekannte Soldat kam während der Kriegshandlungen um Walternienburg im April 1945 ums Leben, weshalb die Wiederbestattung auf die Kriegsgräberanlage in Walternienburg erfolgte. Das Namenbuch soll noch entsprechend ergänzt werden. Das Holzkreuz vom Grab aus Kämeritz wurde nur vorübergehend auf der Anlage aufgestellt und wird dann nach Ergänzung des Namenbuches entfernt. Mit der alljährlich auf dem Friedhof in Walternienburg stattfindenden Gedenkfeier wird dann auch dieser Soldat geehrt.

Exhumierung und Umbettung wurden unter Einhaltung aller Vorschriften durchgeführt, wird von der Stadtverwaltung versichert. Da der Umbetter zufällig im Mai mit weiteren Exhumierungen in Sachsen-Anhalt beauftragt war, konnte der Soldat aus Kämeritz kurzfristig umgebettet werden. Zu kurzfristig, befand zumindest der Bürger. Das hätte in einem würdevollen Rahmen geschehen können. Und wen hatte das Grab in Kämeritz gestört? Sollen hier Kosten gespart werden?

Mit Efeu überdeckt

Hubert Rose hatte wohl das Grab zuletzt auf eigene Kosten erhalten. Nach ihm wurde es nicht mehr gepflegt, meinte Udo Rose. Es war mit Efeu überdeckt. Der Zaun war nach und nach kaputt gegangen. Dessen Reste liegen nun noch vor Ort in Kämeritz.