Zerbst/Güterglück l Der Brandschutz in der Stadt Zerbst bricht langsam zusammen. In neun Ortsfeuerwehren gibt es nach Auskunft von Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) keine Ortswehrleitung mehr. Das sagte er am Sonnabendabend in Güterglück bei der Jahreshauptversammlung der Ortswehr. In Bias habe sich beispielsweise die komplette Feuerwehr aufgelöst, beschrieb er die Situation.

Brandschutz in Gefahr

Noch im Februar wolle er mit dem Haupt- und Finanzausschuss eine Sitzung nur zu diesem Thema initiieren, kündigte er an. Für die Ortswehr Bias werde die Stadt die offizielle Auflösung beim Innenministerium beantragen, sagte er weiter. Selbst wenn das Ministerium die Auflösung nicht bestätige, ändere dies nichts, fügte er an.

„Eine Pflichtfeuerwehr ist hanebüchen“, fuhr er fort. Bei der Einrichtung einer Pflichtfeuerwehr kann die Stadt die Bürger zu einer Mitarbeit zwangsverpflichten. Unter der Androhung von Geldstrafen werden die Bürger dann gezwungen, in der Feuerwehr mitzuarbeiten. Ob es dazu kommt, ist offen.

Um die Einsatzbereitschaft abzudecken, werde es weitere Zusammenschlüsse von Ortswehren in diesem Jahr geben. Wehren, die jetzt bereits keine eigene Leitung mehr haben, werden dann von benachbarten Wehren geführt.

In Güterglück hatte Ortswehrleiter Ralf Buchholz bereits die Zusammenfassung angeregt, sagte er am Wochenende. Im Juni habe es ein Treffen mit sechs Ortswehren gegeben, um über die Zukunft zu reden. Allerdings hätten sich die Feuerwehrleute dabei auf keinen Kompromiss einigen können.

Andreas Dittmann lobte die Initiative der Güterglücker. „Nicht alle Ortswehren schauen so weit nach vorn und ergreifen die Initiative“, sagte er.

Doch wie gelingt der Stadt die Trendwende? Wie können die Menschen wieder für die Mitarbeit in der Feuerwehr begeistert werden? Diese Fragen werden in den kommenden Wochen zunehmend die Lokalpolitik beschäftigen, ist er sicher. Dabei brachte er die Idee einer Feuerwehrsteuer ins Gespräch. Mit der Steuer könnte die Stadt eine neue Abgabe einführen. Zahlen müssten sie alle Bürger, die im sogenannten wehrfähigen Alter sind. Befreit von der Steuer werden dann nur diejenigen, die sich in der Feuerwehr aktiv engagieren.

Vor allem vom Land erwartet nicht nur Andreas Dittmann konkrete Vorschläge gegen den allgemeinen Schwund der Feuerwehrleute. Anstatt die Mitarbeit der Bürger in den Wehren zu fördern, seien die Dinge komplizierter und abschreckender geworden, schätzt Stadtwehrleiter Denis Barycza ein. So habe das Land die Laufbahnverordnung geändert. „Seit der Änderung haben wir nur noch Probleme damit.“ Bis zu sieben Jahre müsse ein Feuerwehrmann Mitglied in der Wehr sein, bevor er als Maschinist das Fahrzeug auch lenken dürfe, sagt der zum Beispiel. Das schrecke die Leute ab.

Zuletzt hatte der Landtag das Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetz geändert. Der große Wurf sei das wieder nicht geworden, bedauert er. „Das neue Brandschutzgesetz löst das Problem nicht.“ Einzige Neuerung: Die Kameraden dürfen nun länger in der aktiven Einsatzgruppe bleiben. Damit verschiebe sich nach Ansicht des Stadtwehrleiters das Problem der fehlenden Einsatzkräfte nur um die verlängerte Dienstfähigkeit.

Lange Ausbildung

Nicht unumstritten ist zudem die lange Ausbildungsdauer für angehende Feuerwehrleute. 70 Stunden sind hier vorgeschrieben. In der Praxis bedeutet dies, dass der Bürger erst zwei Jahre die Dienste im Gerätehaus besuchen muss, bevor er zum Einsatz fahren kann. Junge Familienväter seien so kaum zu einer Mitarbeit zu bringen, sagt ein Feuerwehrmann in Güterglück. Die wenige Freizeit wollen die Väter lieber mit ihrer Familie verbringen, können die Kameraden die Absagen verstehen.