Zerbst/Walternienburg/Güterglück/Steutz/Jütrichau l „Eine Katastrophe“, sagen Doris und Wolfgang Gens aus Walternienburg. Sie meinen damit den neuen Busfahrplan des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Die Schulbuslinie 459 fährt nicht immer vom Bahnhof ab, da müsse man durch die ganze Stadt hetzen. Auch dass es jetzt andersherum geht, passt nicht. Ebenso moniert der Walternienburger, dass die Anruflinie 451a an einigen alten Haltestellen vorbei fährt, auch am Krankenhaus.

Der Fahrplan aus dem vergangenen Jahr hätte bleiben können, jetzt sei er eine Zumutung für die Rentner, findet er. „Wichtig ist, dass das Krankenhaus nicht abgeschnitten wird“, so Gens. Auch sollten die Buslinien an die Bahn und an den Stadtbus angepasst wer den.

Wilhelminische Viertel ohne Busverkehr

Der neue Busfahrplan, der am 1. Juli in Kraft getreten ist, hatte schon gleich zu Beginn in Zerbst für Unmut gesorgt, vor allem mit Hinblick auf das Wilhelminische Viertel, das nicht mehr von der Stadtlinie angefahren wird. Doch auch die Einwohner der Ortsteile stellen nun fest, dass sich die Situation mit dem öffentlichen Nahverkehr für sie nicht verbessert hat und auch nicht der Status Quo gehalten wurde, sondern es sich eher nachteilig für sie gestaltet. In Steutz wurden beispielsweise Stimmen laut, ebenso wie in Güterglück: Hier sind reguläre Fahrzeiten weggefallen, dafür soll nun der Anrufbus kommen.

Eine interessante Entwicklung nahm auch der Schülerverkehr für alle Jütrichauer Schulkinder. Die Grundschulkinder fuhren bisher in einem Bus bis zu ihrer Schule in Steutz. Die Schüler der weiterführenden Schulen saßen ebenfalls in einem eigenen Bus und fuhren mit diesem nach Zerbst. Laut neuem Fahrplan fahren alle zusammen in einem Bus. Zuerst geht die Fahrt nach Steutz, dann nach Zerbst. So wurden aus etwa 15 Minuten Fahrzeit für die Gymnasiasten und Sekundarschüler 45 Minuten.

Nach Inkrafttreten des neuen Fahrplanes und auch neuer Tarife sind nicht nur in Zerbst unzufriedene Stimmen laut geworden. Im Finanzausschuss des Kreises wurde viel Kritik geäußert, allerdings hauptsächlich die Tarifstruktur betreffend. „Wir stören uns gerade nicht am Preis, denn wir wären schon froh, wenn die Busse fahren würden“, hatte das Bürgermeister Andreas Dittmann überspitzt kommentiert.

Preise sind nicht das Problem

Ein erstes Vorgespräch zu der Problematik gab es bereits am 17. August im Landratsamt, unter anderem mit dem Landrat und Vertretern der Vetter GmbH, die den öffentlichen Nahverkehr stellt. „Hier haben sich die Vertreter von Vetter kooperativ gezeigt“, meint Andreas Dittmann. Das zeige auch die Teilnahme eines Vertreters der Firma Vetter bei der Podiumsdiskussion beim Stadtseniorenfest. „Auch wenn wir da weit von einer Lösung entfernt waren, haben wir unseren Standpunkt sehr deutlich darstellen können“, so Dittmann.

Da die Stadt mit der Regionalverkehr Anhalt–Bitterfeld (RVA), einer Tochterfirma der Vetter GmbH, einen Vertrag hat, der im speziellen den Stadtverkehr regeln soll, soll es am Freitag einen gesonderten Termin im Rathaus geben. Schließlich bezahlt die Stadt Zerbst dafür jährlich 30.678 Euro an Vetter. „Wir hoffen hier auf gute Änderungsvorschläge“, sagt Dittmann. Aber auch, dass „die Vorschläge nicht seitens der Verwaltung allein angenommen werden, sondern der Stadtseniorenrat mit in die Entscheidung eingebunden werden soll“.

Außerdem wolle man den bestehenden Vertrag konkretisieren, heißt es aus der Verwaltung. Wo man dem Unternehmen aber keine Vorwürfe machen könnte, wäre das neue Anrufbusverfahren, meint Dittmann. Wo früher Start und Zielhaltestelle angegeben werden konnten, sind die Busse jetzt auf Grund eines Gerichtsurteils an bestehende Linien gebunden.

Fahrplanwechsel im Dezember

Dass die Vetter GmbH tatsächlich kooperative Wege einschlägt, zeigt eine kleine Vorausschau auf das Gespräch am Freitag. Vetter-Sprecherin Kathrin Beyermann sagte: „Es wird zum Dezember einen Fahrplanwechsel geben, da soll die Stadtlinie 460 um den Bereich Breitestein und Goethestraße erweitert werden“, verriet sie erste Überarbeitungspläne der Stadtlinie.

Wie der Landkreis die derzeitige Situation einschätzt, kann man nicht sagen. Auf eine Anfrage der Volksstimme gab es keine Antwort.