Zerbst l „Bisher gab es nur richtig großes Lob für die Qualität der Arbeit“, konstatiert Claus-Jürgen Dietrich. Der Vorsitzende des Förderkreises St. Nicolai freut sich über die gelungene Fertigstellung des Nordportals der einst größten Hallenkirche Anhalts – auch wenn die Umsetzung der Maßnahme länger dauerte als gedacht.

„Wir hatten verschiedene Anlaufschwierigkeiten“, formuliert es Tilo Feldmann während der Vorstandssitzung am Mittwochabend. „Eigentlich wollten wir nur das Mauerwerk rauskloppen und ein neues Tor einsetzen“, blickt der Planer auf die Anfangsidee zurück.

Aufwendiger und teurer als gedacht

Die resultierte aus den ursprünglichen Plänen der Stadt, die Neuinszenierung des spätmittelalterlichen Zerbster Prozessionsspiels in der Kirchenruine stattfinden zu lassen. Im Zuge der Schaffung von zusätzlichen Fluchtwegen kam der Gedanke der Portalöffnung auf, den der Förderkreis aufgriff und auch weiter verfolgte, als die Stadt die Aufführung des multimedialen Theaterstückes auf den Marktplatz verlegte.

„Unser Vorhaben war aber nicht realisierbar“, erinnert Tilo Feldmann an die Auflagen des Denkmalschutzes. Die Kosten wären viel zu hoch gewesen. Allein schon die geforderte Erstellung eines steinrestauratorischen Gutachtens verschlang Geld. Also verabschiedeten sich die Vereinsmitglieder von der Öffnung des Portals, nicht jedoch von dessen Restaurierung.

Genau wie das Projekt musste die Finanzierung angepasst werden. „Wir hatten eigentlich nur 13- bis 14.000 Euro eingeplant“, berichtet Tilo Feldmann. Schließlich wurden gut 32.000 Euro veranschlagt. Und man blieb im Kostenrahmen, wie Vorstandsmitglied Walter Tharan bestätigt. Mit genau 31.837,63 Euro schlug die Maßnahme letztlich zu Buche, wobei der Eigenanteil des Förderkreises knapp 20.000 Euro betrug und dank zahlreicher Spenden aufgebracht werden konnte. Lotto Toto unterstützte mit rund 7400 Euro, die Stadt Zerbst mit 1000 Euro, weitere Gelder kamen von der Kreissparkasse und der Volksbank.

Erhebliche Baumängel

„Von vier Anfragen haben wir drei Angebote bekommen“, schildert Tilo Feldmann. Das günstigste unterbreiteten die Dessauer Steinmetzwerkstätten, die den Auftrag erhielten. „Wir dachten, die Schmuckelemente sind in zwei, drei Wochen erledigt“, gibt der Planer zu. Das damalige handwerkliche Können und die Fülle der Verzierungen stellten hingegen eine Herausforderung dar, der sich ein Steinmetz nur zu gern stellt, die aber eben Zeit in Anspruch nimmt. Zumal während der Restauration erhebliche Baumängel festgestellt wurden, welche die Standfestigkeit des Portals gefährdet haben.

„Wir haben zunächst die Fundamente ergänzt, da dort einiges abgebrochen war“, erklärt Tilo Feldmann bei der Besichtigung des fertigen Nordportals durch die Vorstandsmitglieder. Auch Steinmetz Maik Brion ist für Erläuterungen mit vor Ort.

Die neuen hellen Sandsteinelemente fallen sofort ins Auge. Der östliche Portalpfeiler hatte sich inzwischen nicht nur von der Außenmauer der Kirchenruine gelöst und musste abgenommen und neu aufgebaut werden. Ein schmuckreiches Stück fehlte ganz und musste nach Vorbild des westlichen Pfeilers neu angefertigt werden. Beschädigte Rippen im Portalbogen wurden ebenfalls ausgebessert. Direkt vor Ort passte Maik Brion die grob in der Werkstatt vorgearbeiteten Elemente an. Die Risse in den steinernen Verzierungen schloss der Zerbster mit Harz, einst reingeschmierten Zement kratzte er heraus und ersetzte ihn durch Mörtel. Einzelne Teile wurden zudem vernadelt.

Nächstes Projekt bereits im Blick

„Fachlich ist das topp“, sagt Tilo Feldmann. Und auch die Vorstandsmitglieder sind begeistert vom Ergebnis der Restaurierung, die zum 31. Juli fertiggestellt werden konnte. Für den Förderkreis ist mit dem Projekt eine weitere wichtige Sicherungsmaßnahme zum Erhalt der Kirchenruine abgeschlossen. Für Touristen gibt es damit an St. Nicolai nun wieder etwas Neues zu entdecken, obwohl das Nordportal aufgrund seiner Lage etwas versteckt ist.

Beendet ist der Einsatz des engagierten Vereins damit aber nicht. Im Inneren des sakralen Baudenkmals müssen weitere Pfeilerfüße dringend saniert werden – ein Vorhaben, das als nächstes in Angriff genommen werden soll.