Zerbst l Die Stimmung an der Amtsmühle ist gut. Dort warten Kurt Zäbisch und Reinhard Möhring auf das Boot, mit dem die Mitarbeiter des Instituts für Binnenfischerei aus Potsdam die Nuthe entlang fahren und Fische fangen. Die beiden Mitglieder des Angelvereins Zerbst helfen bei dem Projekt, dass sie selbst mit initiierten: Die Rückkehr der Lachse in die Nuthe.

Seit 2009 werden zehntausende Jungfische in das Gewässer eingesetzt. Sie sind zwischen 10 und 12 Zentimeter groß und sollen sich auf den kleinen Fluss prägen. Von dort aus beginnen sie ihre Wanderung, die eine unglaubliche Leistung ist. Bis nach Grönland schwimmen die Fische, fressen sich im Meer fett und groß, um dann wieder in das heimische Gewässer zurückzukehren - beziehungsweise das Gewässer, dass sie für heimisch halten.

Denn gezogen werden die Fische in einem dänischen Betrieb. „Das Wasser dort ist so neutral, dass eine Prägung erst stattfindet, wenn sie zur richtigen Zeit hier in die Nuthe eingesetzt werden“, so Zäbisch. Diese schmeckt, duftet, fließt – hat eine besondere Charakteristik, welche die Fische immer wieder erkennen. Hunderprozentig ist es nicht erforscht, wie den Fischen das gelingt. Dass sie es aber tun, können die Mitarbeiter und die Zerbster Angler beweisen. „Die Fische sind markiert“, erklärt Angelvorstandsmitglied Zäbisch. Ihnen fehlt eine kleine Flosse auf der linken Seite. Das störe die Fische nicht, so Zäbisch. „Sie wird schon in Dänemark entfernt.“

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Jährlich werden Fische gezählt

Jährlich werden in den Herbst- bis Wintermonaten nun die Fische gezählt. Am Mittwoch fahren die beiden Institutsmitarbeiter, Diplom-Biologe Ingo Borkmann und der wissenschaftliche-technische Mitarbeiter Jens Windheuser, mit dem Boot die Nuthe von der Strin‘schen Mühle bis nach Nutha entlang. Mit einem leichten Strom irritieren sie die Fische und heben sie mit einem Kescher ins Boot. Sie verspäten sich mit ihrer Ankunft an der Amtsmühle. „Wir mussten zweimal das Boot verlassen und es am Seil unter den Brücken entlang führen, weil der Wasserstand so hoch ist“, erzählt Borkmann während er das Boot festmacht.

Der hohe Wasserpegel sei auch verantwortlich, warum bislang schon seit Beginn der Zählung so viele Fische gefunden worden. „In den vergangenen Jahren war der Pegel immer niedrig. Da reisen die Fische nicht weiter. Sie warten dann.“ Insgesamt 15 Lachse konnten sie schon zählen. 2014 waren es 16 - allerdings erst an Weihnachten. Je kälter es wird, desto mehr Fische kommen zurück, so Zäbisch. Hier sollen sie nun Laichen. „Seit zwei Jahren können wir nachweisen, dass im Juni, also nach der Abreise der Jungfische, sich kleine Lachse an den Kiesbetten aufhalten. Sie haben alle Flossen. Die sind hier geschlüpft“, so Borkmann. Und werden im kommenden Frühjahr, wenn sie kräftig genug sind, ihre Reise antreten. Nur etwas mehr als ein Prozent kommt zurück, der Rest stirbt bei der gefährlichen Reise. Die Quoten bei Zerbst hält Borkmann für außerordentlich gut. Schon jetzt sagt er, seien diese besser als in Brandenburg und dort laufe das Projekt schon länger. „Es funktioniert“, sagt Zäbisch.

Am Mittwoch fangen die Männer noch ein prächtiges Weibchen voller Laich. „Dem fehlt die Fettflosse, die ist nicht von uns“, sagt Borkmann. Eine Irrläuferin. Sie hat sich wohl den Zerbstern angeschlossen. Auch sie wird vermessen, gewogen, ihr wird eine Genprobe zur Altersbestimmung entnommen, sie wird mit einer Nummer versehen, katalogisiert und wieder freigelassen. Vor der Prozedur werden die Fische in eine Wanne gesetzt, in dem mit Nelkenöl versetztes Wasser ist. Das betäubt die Tiere für kurze Zeit. Nach wenigen Minuten schwimmen sie wieder frei in der Nuthe. Unverletzt und wohlauf.

88 Zentimeter hat die Irrläuferin, sie wiegt mehr als vier Kilo. „Der größte Rückkehrer war bislang 102 Zentimeter lang“, erzählt Zäbisch.

Lachse genießen strengen Schutz

Ob er denkt, dass er eines Tages in der Nuthe Lachse fischen kann? Er winkt ab. Nein, sagt er. Möhring fügt hinzu: „Die Lachse stehen unter strengstem Schutz, das ganze Jahr. Das wird auch noch viele Jahre so bleiben.“

Um das Angeln gehe es auch nicht, sagt Kurt Zäbisch. Er blickt auf die Nuthe, in der gerade die Irrläuferin eintaucht. „Es geht darum, etwas zu schaffen, das bleibt.“