Zerbst l Als „Schweinerei“ bezeichnet Christine Gröbke die vermüllten Bushaltestellen an der Schwimmhalle. Sie ärgert sich über diese „Dreckecke“ direkt vor ihrer Wohnungstür – eine von mehreren in der Stadt, wie sie gegenüber der Volksstimme beklagt. „Es ist schade, wie es da aussieht“, findet die Zerbsterin. Den Jugendlichen, die dafür verantwortlich seien, müsste man einen Platzverweis aussprechen und sie ihren eigenen Müll wegräumen lassen, meint Christine Gröbke. Zugleich sieht sie das Ordnungsamt der Stadt in der Pflicht, gegen diesen Missstand etwas zu unternehmen, statt nur Geld durch das Verteilen von Parkknöllchen zu kassieren.

Scherben auf der Straße

Die Situation im Bereich der Schwimmhalle ist Kerstin Gudella durchaus bewusst. „Das ist derzeit unser größtes innerstädtisches Müllproblem“, erklärt die Leiterin des Zerbster Ordnungsamtes. Nicht nur, dass dort Papier, Flaschen und Verpackungsreste herumliegen. Mitunter ist die Fahrbahn wie erst kürzlich mit derart vielen Scherben übersät, dass die Kehrmaschine ausrücken muss, um die Gefahr für den Straßenverkehr zu beseitigen. Sogar am Wochenende sei der Bauhof dort schon im Einsatz gewesen. „Präventiv haben wir auch die Polizei bereits dazu geholt“, erzählt Kerstin Gudella. Dennoch gelang es bisher nicht, Jugendliche zu ermitteln, die für das Ganze verantwortlich sind, geschweige denn, auf frischer Tat zu erwischen. „Sie können sich dort ja treffen, wenn sie nicht alles vermüllen oder randalieren würden“, bemerkt die Ordnungsamtsleiterin. Sie appelliert an die Eltern, auf ihre Kinder entsprechend einzuwirken.

Doch nicht immer ist es der Nachwuchs, der unvernünftig agiert. Bauhofleiter Michael Lindner spricht von einem regelrechten „Mülltourismus“, den er am Walther-Rathenau-Platz erlebte, als seine Mitarbeiter dort eine Woche lang mit Grünpflegearbeiten beschäftigt waren. Jeden Tag fanden sie dort neu hingebrachte Mülltüten. Auch im Rephuns Garten gebe es einen Abfallbehälter, kaum sei dieser geleert, sei er auch schon wieder voll.

Unvernünftige Mitbürger

Das Entsorgen des vielen Unrats bindet zunehmend die Kapazitäten des Bauhofes, der vermehrt im Gebiet der Einheitsgemeinde im Einsatz ist, um für Sauberkeit zu sorgen. In Zerbst sind die Mitarbeiter täglich, in den Ortschaften regelmäßig unterwegs, um Müllkörbe zu leeren sowie Flächen nach weggeworfenen Dingen abzusuchen. „Etwa fünf Tonnen Müll kommen im Monat zusammen“, schätzt Michael Lindner.

Hinzu kommt all der Müll, der mitten in der Landschaft illegal entsorgt wird. Von Matratzen über Autoreifen bis hin zu Kühlschränken reicht das Spektrum. „Wir sind allerdings nur innerorts zuständig, außerhalb ist der Kreis verantwortlich“, erläutert Kerstin Gudella. Wenn beispielsweise Unrat an Feldwegen entdeckt wird, leitet die Stadt die Information an den Landkreis weiter.