Zerbst/Köthen l 17 Fälle in den vergangenen sechs Tagen – die Zahl der Neuinfektionen in Anhalt-Bitterfeld ist gestiegen. Die Corona-Ampel ist mittlerweile von Grün auf Gelb gesprungen. Vom kritischen Grenzwert von über 35 positiven Testergebnissen pro 100 000 Einwohner innerhalb von einer Wochen ist der Landkreis allerdings noch weit entfernt – im Gegensatz zum benachbarten Jerichower Land, wo die Ampel inzwischen auf Rot steht.

„Klar ist, die Lage wird ernster und wir machen uns Sorgen“, sieht Bernhard Böddeker der Realität ins Auge. „Doch bislang ist die Lage noch beherrschbar“, erklärt Anhalt-Bitterfelds Gesundheitsdezernent gegenüber der Volksstimme. Von weiteren Eindämmungsmaßnahmen sei der Landkreis – auch hier anders als das Jerichower Land – noch weit entfernt, betont er. Vielmehr werde auf „aktives Handeln“ gesetzt. „Wenn wir bei der Kontaktverfolgung schnell genug sind, gelingt es uns hoffentlich, die Ausbreitung des Virus einzuschränken“, sagt Böddeker.

Augenmerk liegt auf Kontaktpersonen

Aus dem Grund werde der Pandemiestab auch deutlich aufgestockt. „Hauptsächlich durch Mitarbeiter aus anderen Ämtern“, erläutert er. Unterstützung erhalte das Gesundheitsamt bereits durch Bundeswehrsoldaten und einen so genannten Containment-Scout, einen externen Kontaktpersonenermittler. In Anbetracht der zunehmenden Fälle ist dies dringend notwendig, wie Böddeker schildert.

Nachverfolgt wird, zu welchen Menschen ein Corona-Infizierter innerhalb der letzten drei Tage Kontakt hatte. Besonders aufwendig gestaltet sich die Recherche, wenn derjenige privat und dienstlich mit verschiedensten oder besonders vielen Personen zu tun hat.

Verschiedene Kategorien für Kontaktpersonen

Die festgestellten Kontaktpersonen werden in mehrere Kategorien eingeteilt. Das hängt von der Intensität ab, wie dicht der jeweilige Kontakt war und ob ein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde oder nicht. Wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht unterschritten wurde und man sich nur im Freien begegnete, gehört man zu Kontaktpersonen zweiten Grades. Ihnen wird empfohlen, wenn möglich zu Hause zu bleiben. Sie müssen sich kontaktarm verhalten und ein Symptom-Tagebuch führen. Bei Kontaktpersonen ersten Grades, die ein höheres Infektionsrisiko haben, hingegen werden sofort ein Corona-Test und eine 14-tägige Quarantäne angeordnet.

Unter den bislang nachweislich 142 Infizierten im Landkreis Anhalt-Bitterfeld seit Ausbruch der Pandemie befinden sich durchaus auch Reiserückkehrer. „In letzter Zeit hat es allerdings zugenommen, dass sich Personen innerhalb der häuslichen Gemeinschaft anstecken“, erzählt Bernhard Böddeker. „Offensichtlich hat sich das Verhalten verändert“, meint er.

Private Feiern bieten Infektionsgefahr

Als weitere Infektionsquelle nennt der Gesundheitsdezernent private Feiern, die mit bis zu 50 Personen durchaus erlaubt sind. „Trotzdem ist Abstand zu halten“, erinnert Bernhard Böddeker wohl wissend, dass dies schwierig sei. Auch Bekannte und Verwandte, die sonst nicht zusammenkommen, würden da aufeinandertreffen. Er denkt dabei an Gebiete in Deutschland, in denen die Corona-Grenzwerte längst überschritten sind. Damit steige das Risiko einer Ansteckung. „Wenn es geht, sollte man auf solche Feiern verzichten“, findet Böddeker.

Mit einer gewissen Besorgnis sieht er deshalb Halloween entgegen, das inzwischen auch hierzulande am Reformationstag gefeiert wird. Der Blick zum Jahresende ruft weitere Sorgenfalten bei ihm hervor. „Weihnachten und Silvester rechnen wir mit deutlich höheren Infektionszahlen“, erklärt der Gesundheitsdezernent.

Viele junge Leute ohne Symptome

Bewusst ist ihm ebenfalls, dass nicht alle Corona-Fälle tatsächlich erfasst werden. „Viele junge Leute sind fast symptomlos“, gibt Bernhard Böddeker zu bedenken. Sie bemerken die Erkrankung gar nicht, werden dadurch nicht getestet und tauchen in keiner Statistik auf. Die vom Landkreis erhobenen Daten basieren deshalb einzig auf den registrierten Infektionen, deren Zahl sich auch am Mittwoch um vier Personen erhöhte – darunter drei Zerbster.