Lindau l Für kleine landwirtschaftliche Produzenten ist es wichtig, die ganze Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Verkauf im Auge zu behalten. Während der Corona-Pandemie ist dies vor allem für die kleine Unternehmen, die als Selbstvermarkter für den Absatz sorgen müssen, eine größere Herausforderung, beschreibt Antonius de Vries. Die Schafsmilchkäserei setzt bei den eigenen Veranstaltungen in der Regel eine größere Menge von eigenen Produkten ab.

Die Lindauer Produzenten nahmen die Einschränkungen in diesem Jahr aber als Herausforderung auf, beschreibt er. Das kleine Unternehmen hat sich in diesem Jahr darauf spezialisiert, Präsentkörbe zu bestücken und zu verschicken. Vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft fahre der Betrieb seine Aktivitäten wieder nach oben, schildert er weiter. Damit könne das Unternehmen die zu erwartenden Umsatzausfälle wegen der ausgefallenen Veranstaltungen ausgleichen. Denn nicht nur in Lindau fallen die Veranstaltungen aus, sondern auch in anderen Kommunen.

Neue Trends dank Einschränkungen

Allerdings sorgen die Einschränkungen während der Corona-Pandemie auch für neue Trends, hat er beobachtet. So spüre das Unternehmen eine größere Nachfrage von Menschen aus der Umgebung von Lindau. Offenbar haben die Menschen in diesen Tagen mehr Zeit, sich mit den Lebensmitteln zu befassen und zu fragen, woher die Lebensmittel kommen, die sie verzehren. Aktuell gebe es einen Trend, bewusster zu konsumieren und regional einzukaufen, freut er sich. „Ich bin natürlich gespannt, ob der Trend auch anhält, wenn sich das Leben wieder normalisiert“, sagt er. Es sei grundsätzlich zu begrüßen, wenn die Menschen mehr auf regional erzeugte Lebensmittel achten und so die Produzenten in der Region unterstützen. Allerdings gebe es regelmäßig auch Kunden, die von dem Unternehmen noch nichts gehört hätten, wundert er sich. Dennoch biete die Corona-Pandemie auch die Chance, neue Kunden zu erreichen. Als Betrieb, der Schafsmilch produziert und verarbeitet, ist das Unternehmen in Lindau ein Exot. Denn hier wird vor allem Ziegenmilch in der Regel weiter veredelt.

In anderen Ländern werde viel mehr mit Schafsmilch gemacht, weiß Antonius de Vries. Bei der Produktion verfolgt das Unternehmen zudem einen ganzheitlichen Ansatz und vermarktet auch die geschlachteten Tiere. Vor allem rund um die Weihnachtszeit ist Lamm sehr gefragt. Als Lieferant für Restaurants waren die Lindauer ebenso schon unterwegs. Allerdings haben sie dies wieder eingestellt, wenn die Lokale nur Teile der Tiere haben wollten, schildert er. Wichtig sei ihm, dass die Küchen alle Teile der Tiere verarbeiten. Das sei für ihn nachhaltig. In der Praxis gebe es aber nur sehr wenige Lokale, die dies wollten.

Weniger Trockenheit dieses Jahr

Als Tierhalter muss Antonius de Vries sich aber auch in der Landwirtschaft auskennen. Denn das Futter produziert das Unternehmen in der Regel selbst. In den vergangenen Jahren hatten die Schafhalter auch mit der Trockenheit zu tun. Die Zahl der Schnitte auf den Wiesen fiel mitunter sehr gering aus. Wurde wenig Viehfutter produziert, stiegen auf dem Markt die Preise für die Tierwirte, die zukaufen mussten. In diesem Jahr sei die Situation entspannter gewesen, erklärt er. Über das Jahr verteilt sei der Regen etwas gleichmäßiger gefallen. Das habe dafür gesorgt, dass sich der Betrieb mit ausreichend Futter eindecken konnte, um die Tiere über den Winter zu bekommen.

Schafe gehören seit Jahrtausenden zu den Begleitern des Menschen und offenbar zu einem der ersten Haustiere. Die anspruchslosen Schafe kommen auch mit weniger nahrhaftem Futter zurecht und stellen kaum große Anforderungen an die Haltung. Dafür liefern sie dem Menschen gleich eine ganze Reihe von wichtigen Produkten. Früher war das im Frühjahr auch die Wolle. Heute werden die Schafe zwar auch noch geschoren. Für die Halter lohnt sich der Aufwand aber finanziell wenig und erwirtschaftet kaum die Kosten für das Scheren der Tiere. Daneben bieten die Schafe aber auch Milch und vor allem Fleisch. Für die ersten Menschen, die vor Jahrtausenden sesshaft wurden, war dies ein riesiger Vorteil. Sie mussten nicht mehr auf die Jagd gehen oder Beeren und Früchte sammeln, sondern konnten sich mit anderen Dingen am Tag beschäftigen.