Zerbst l Einst befanden sich auf dem inzwischen verwaisten Areal zwischen Breitestein und Hoheholzmarkt vier Blöcke mit insgesamt 198 Wohnungen. „Im Rahmen des Programms ,Stadtumbau Ost‘ sind die Objekte zurückgebaut worden“, erzählt Daniela Kock. Sie ist Geschäftsführerin der BWZ, welcher das knapp 9700 Quadratmeter große Grundstück gehört. Auf diesem befindet sich noch immer der Parkplatz aus DDR-Zeiten, dessen Zufahrten seit Dienstagabend nun allerdings durch Findlinge versperrt sind. Dies sorgte bei Anwohnern, die die befestigte Fläche bislang nutzten, für Unmut.

Die BWZ tolerierte das wilde Parken jahrelang – bis jetzt. „Wir müssen unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen“, erklärt Daniela Kock. Sie erzählt, dass sich mehrfach Bürger beschwert hätten, weil Glasscherben auf den Betonplatten lagen oder kein Winterdienst erfolgte.

BWZ zieht Reißleine

„Es handelt sich hier aber nicht um einen öffentlichen Parkplatz, sondern um ein Privatgrundstück“, betont die Geschäftsführerin. Niemand habe ein Anrecht, dort zu parken. Deshalb zog die BWZ nun die Reißleine und machte von ihrem Recht als Eigentümer Gebrauch, das Areal einzufrieden.

„Ab Montag wird es nicht mehr zu befahren sein“, informiert Daniela Kock. „Es wird auch noch ein Schild ,Betreten auf eigene Gefahr‘ aufgestellt“, ergänzt sie. Zumal sie als BWZ nicht verhindern könnten, dass Unbefugte auf dem Grundstück randalieren.

Zugleich erklärt Daniela Kock, dass sie offen für eine Lösung des Parkplatzproblems seien. Eine Vermietung oder den Verkauf des Areals könnte sie sich vorstellen. Bislang habe es diesbezüglich aber noch keine Ansätze für Gespräche gegeben, bemerkt sie.

Suche nach Investor

„Ich würde mich freuen, einen Investor mit einem vernünftigen Konzept zu finden. Aber das ist schwierig“, weiß Daniela Kock. Obwohl es aktuelle positive Beispiele gibt wie das Eckgrundstück Wolfsbrücke/Breite, auf dem die Arbeiterwohlfahrt einen Gebäudekomplex mit altengerechten Wohnungen errichten will. Und morgen erfolgt die Grundsteinlegung für das Anhalt-Hospiz Zerbst am Breitestein. Unterdessen konnten entlang der Lepser Straße Baugrundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser geschaffen werden. „Brachflächen sind nicht Sinn und Zweck“, bemerkt die BWZ-Geschäftsführerin.

Doch zurück zum fortan abgesperrten Parkplatz. Zu dessen Nutzern gehörten die Mieter des angrenzenden Blocks der Wohnungsgenossenschaft (WG) „Frohe Zukunft“. „Wir müssen eine Lösung finden“, meint ebenfalls deren geschäftsführender Vorstand Knuth Jacob. Auch wenn er sich eine andere Vorgehensweise der BWZ gewünscht hätte und nicht diese Überrumpelungsaktion. „Vielleicht in Form eines klärenden Gesprächs im Vorfeld, so dass wir Gelegenheit gehabt hätten zu reagieren.“ Eine Vorab-Information der WG-Mieter wäre möglich gewesen und die Suche nach einer Alternative.

„Der Innenhof des Hoheholzmarktes ist mit Pappeln bepflanzt“, sieht er dort keine Ausweichmöglichkeit. Aber unter anderem am Breitestein gebe es öffentliche Stellflächen. „Grundsätzlich vermieten wir Wohnraum und keinen Parkraum“, gibt Knuth Jacob zu bedenken.