Zerbst. Seinen Namen verrät der 67-Jährige nicht. „Ich bin der Weihnachtsmann“, erklärt er lächelnd. In dieser Rolle geht der Zerbster auf. „Es macht mir einfach Spaß.“ Zwar spricht er ab und zu vom Aufhören. Denn wer kann schon sagen, was morgen ist? Doch so wirklich denkt er nicht daran, den roten Mantel und den weißen, wallenden Bart für immer wegzulegen. Viel zu viel Herzblut steckt er in die Figur, die Kinderaugen leuchten lässt.

„Ich hab’ zwar eine Rute, die ist aber noch nie zum Einsatz gekommen“, bemerkt der leidenschaftliche Weihnachtsmanndarsteller. Er möchte den Nachwuchs nicht verängstigen und verschrecken, sondern mit feinfühliger Art als sympathischer Geschenkebringer in Erinnerung bleiben. Höchstens die Erwachsenen bekommen mal einen Klaps mit der Rute. Vilemehr will er mit seinem Auftritt am heiligen Abend einfach für den gewissen Zauber sorgen. Und das seit nunmehr 22 Jahren.

Vermittlung via Mundpropaganda

Mit einer Schulklasse, die damals einen Weihnachtsmann suchte, fing alles an. Von dem Moment an war der Familienvater mit dem Rauschebartvirus infiziert. Ob in Betrieben, Kindergärten oder bei Vereinen – überall schlüpfte er in die Rolle des guten Alten, um Gaben zu verteilen. Allein 19 Jahre verkörperte er die märchenhafte Figur auf dem Zerbster Weihnachtsmarkt. Über die Arbeitsagentur ließ er sich lange Zeit vermitteln.

Inzwischen läuft alles über Mundpropaganda. Zumal der 67-Jährige seine Auftritte mittlerweile deutlich reduziert hat. Fünf Familien sind es in diesem Jahr, in denen er die Bescherung vornimmt. Im Vorfeld unterhält er sich mit den Eltern, um einige Dinge über die Kinder zu erfahren. Immerhin sieht und hört der Weihnachtsmann bekanntlich alles und weiß, wenn sich jemand vorbildlich verhalten oder aber etwas angestellt hat.

Etwa 15 bis 20 Minuten plant der Zerbster für jeden Auftritt ein. Statt in der Rentierkutsche fahre er mit dem Auto vor, erzählt er vom Shuttle-Service, den die Familien übernehmen. Vor Ort angekommen beginnt er beim Überbringen der Geschenke stets mit dem jüngsten Kind. Ganz klassisch darf das Aufsagen eines Gedichtes nicht fehlen, bevor er die Präsente aus dem Sack holt. „Zum Abschluss singen wir dann alle gemeinsam ein Lied“, erzählt der 67-Jährige. Ihn freut es besonders, wenn die Erwachsenen bei dem Rollenspiel richtig mitmachen.

Wundervolle Momente

„Es gab schon viele berührende Momente und lustige Begebenheiten“, blickt der Zerbster zurück. Lächelnd berichtet er von so manch kritischer Nachfrage, wo denn seine Rentiere seien, oder auch von all den Steppkes, die ihm bereitwillig ihren Poppi gaben. Nicht vergessen wird er das kleine Mädchen, das unbedingt mit ihm mitfahren wollte.

Bleibt abzuwarten, was der 67-Jährige dieses Mal erlebt, wenn er wieder in den roten Mantel schlüpft, um den Heiligen Abend vor allem für die Kinder zu einem besonderen werden zu lassen. Für ihn ist Weihnachten das Fest der Familie. Dieser Gedanke prägt seine Rolle, die er so lange weiter verkörpern wird, wie er es persönlich kann.