Leipzig/Zerbst l „Es war eine tolle Veranstaltung“, blickt Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) auf die feierliche Preisverleihung am Donnerstag in Leipzig zurück. Im Rahmen der europäischen Denkmalmesse 2018 wurden die 22 Projekte ausgezeichnet, die beim Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte – Erfolgreiche Entwicklung aus dem Bestand“ die fachkundige Jury überzeugt hatten. Zerbst gehörte mit dem Entwicklungskonzept für sein Schloss dazu.

„Als ein Foto der Ruine aus den 90er-Jahren gezeigt wurde, ging ein Raunen durch den Saal“, schildert Dittmann. Es verdeutlichte anschaulich, „was für ein Kraftakt“ vom Förderverein des barocken Baudenkmals bislang bewältigt wurde. Seit dessen Gründung 2003 engagieren sich die Mitglieder für die Sicherung der originalen Bausubstanz aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Viele zerstörte Räume des erhaltenen Ostflügels sind inzwischen wieder neu entstanden, werden für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt oder vermitteln, wie das Fürstenappartement, ein eindrucksvolles Bild vom früheren Leben im Schloss.

Noch viel zu tun

Trotz der bereits realisierten Projekte bleibt noch einiges zu tun. Derzeit laufen Sanierungs- und Rekonstruktionsarbeiten im am schwersten geschädigten Bereich, dem Corps de Logis. „In ein ,fertiges‘ museales Schloss zu gehen, ist nichts Besonderes, aber unser Schloss entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter. Es ist von außen und innen Spiegelbild verschiedener Epochen. Der Baukran zeugt davon, dass es weitergeht.‘ Das sage ich oft bei Führungen“, erzählt Jana Reifarth. Stellvertretend für den Schlossverein durfte sie gemeinsam mit Bürgermeister Dittmann den mit 10 000 Euro dotierten dritten Preis in der Kategorie „Stadtgebäude“ von Architekt Sir David Chipperfield und Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesbauministerium, entgegennehmen.

„Den Beteiligten ist es gelungen, für das Baudenkmal eine langfristige Perspektive zu eröffnen, die einen Impuls für Stadt und Region setzt“, heißt es in der Begründung. „Die Auszeichnung ist eine Würdigung des Engagements und die Bestätigung, dass das Nutzungskonzept zukunftsfähig ist“, freut sich Jana Reifarth wie Andreas Dittmann über die öffentliche Anerkennung.

Das mache stolz, gesteht sie und dankt zugleich allen, die sich für das Schloss einbringen. „Der ehrenamtliche Vorstand des Vereins trägt die Hauptarbeit, die durch die unterstützende Bürgerschaft, Sponsoren und Förderer umgesetzt werden kann.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Zerbst – immerhin Eigentümerin des Objektes – habe sich in den vergangenen Jahren intensiviert. Das schließt den Stadtrat mit ein, der mit seinen Beschlüssen die Sicherung und Nutzung des Ostflügels mitträgt.

210 Bewerbungen

Der Wettbewerb zur Europäischen Stadt wurde vom Bundesbauministerium gemeinsam mit den Ländern und Kommunalen Spitzenverbänden im Mai 2018 anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres ausgelobt. Aus ganz Deutschland waren 210 Bewerbungen für die vier Kategorien Stadtgebäude (hier waren es allein 90), Stadtraum, Stadtleben und Stadtbürger eingegangen.

„Ich hoffe, der Preis motiviert nicht nur mich, sondern weitere Teile der Bevölkerung, sich für unser regionales Denkmal einzusetzen“, sagt Jana Reifarth.