Zerbst l Einst waren Lachse und Forellen in der Nuthe zu Hause. Und die Aussichten, dass dies wieder so sein wird, stehen tatsächlich nicht schlecht. Deshalb wurden zum wiederholten Male 20.000 Baby-Lachse in die Nuthe rund um Zerbst eingesetzt. Zum jetzigen Zeitpunkt brachten die Winzlinge gerade mal fünf Gramm auf die Waage.

„Mit diesem Besatz gehen wir nun mittlerweile ins elfte Jahr“, sagte Steffen Zahn vom Institut für Binnenfi- scherei in Potsdam und Leiter des Projektes. Ziel des seit 2009 laufenden Projektes sei es, Meerforellen und Lachse in die Flüsse und Bäche zurückzuholen, in denen sie einst heimisch waren. Dazu zählen neben der Nuthe beispielsweise auch die Bode, Jeetze oder auch die Rossel. „Die ausgesetzten Lachse weisen eine Länge von sechs bis zehn Zentimetern auf und werden in etwa zwei bis vier Jahren hierher in die Nuthe zurückkehren“, erklärt Zahn.

Gute Überlebensbedingungen

Bis zum jetzigen Zeitpunkt seien immerhin schon 163.500 Lachse und 110.300 Meerforellen-Brütlingen ausgesetzt worden. Wie Zahn erläutert, konnten die Wissenschaftler des Instituts durch begleitende Untersuchungen feststellen, dass die Nuthe den jungen Lachsen durchaus gute Überlebensbedingungen bietet.

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Die Junglachse werden in kleinen Schwärmen im Frühjahr, April bis Mai, die hoffentlich zur Heimat gewordene Nuthe über die Elbe und die Nordsee bis in den Nordatlantik verlassen. Bei entsprechender Körpergröße und Gewicht und bei Bereitschaft zur Fortpflanzung kehren die Lachse dann in die Nuthe und nach Zerbst zurück. Übrigens: Während Forellen in der Nordsee bleiben, ziehen die Lachse bis in den Atlantik, bevor sie zum Laichen in die Zerbster Nuthe zurückkehren.

„Anhand des Nachweises natürlich geschlüpfter Jungfische in der Nuthe konnten wir belegen, dass der Lebenszyklus der Lachse geschlossen ist“, so Zahn. Er deutet auf eine Stelle in der Mitte der Nuthe, wo in diesem Herbst bereits Lachse gelaicht und mit der Schwanzflosse die Eier in einer Art Laichburg vergraben und so in Sicherheit gebracht haben.

Lachse wandern weiter

Aber man muss Zeit einplanen. „Es ist durchaus möglich, dass im Herbst 2022 die ersten jetzt in die Freiheit entlassenen Lachse zurückkehren“, schätzt der Projektleiter ein. Diese Fische haben meist eine Länge von 65 bis 75 Zentimetern und bereits ein Gewicht von zwei bis drei Kilogramm. Manche Lachse wandern aber auch weiter, teilweise bis nach Grönland. Diese sind unter Umständen auch mal drei bis vier Jahre auf hoher See unterwegs, bevor sie wieder in der Heimat eintreffen.

Doch mit dem Norden dürften sich die Baby-Lachse schon ein wenig auskennen, denn sie sind waschechte Dänen. Die 20 000 Fische für die Nuthe werden nämlich extra mit einem Lkw aus Dänemark angeliefert. „Die dänischen Kollegen befassen sich schon seit gut 30 Jahren mit der Lachszucht“, sagt Steffen Zahn.

Erste Zielstellungen erfüllt

So hätten die Nuthe-Lachse eine spezielle Markierung, woran man sie bei ihrer Rückkehr als hier ausgesetzte Fische erkennt. „Den in der Nuthe natürlich geschlüpften Lachsen fehlt diese spezielle Markierung“, so Zahn. Seit dem Erstnachweis von aufsteigenden Laichfischen 2011 seien durch die Wissenschaftler und Angler mehr als 80 Lachse und 113 Meerforellen in der Nuthe entdeckt worden. „Im Vergleich zu anderen Projektgebieten in Deutschland ist das ein beachtlicher Erfolg“, betont Steffen Zahn.

Erste Zielstellungen im Verlauf des Wiederansiedlungsprojektes seien bereits erfüllt worden. „Mit Unterstützung des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) sowie den Unterhaltungsverbänden „Nuthe/Rossel“ und Jeetze sind mehr als 23 Kilometer Flusslauf der Nuthe bis in den Oberlauf für die Fische passierbar“, freut sich der Projektleiter.

Profitieren würden von den Erfolgen nicht nur die Lachse und die Meerforellen, sondern nachweislich auch die gesetzlich geschützten Flussneunaugen, die ähnliche Lebensraumansprüche haben.

Bei dem Wiederansiedlungsprojekt kooperieren Sachsen-Anhalts Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, der Landesanglerverband und das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow. Finanziert wird das Projekt von der Fischereiabgabe.