Dessau/Zerbst l Nur eine knappe Viertelstunde dauerte am Montag der Fortsetzungstermin im Prozess gegen einen 25 Jahre alten Angeklagten, der sich vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau wegen Brandstiftung in drei Fällen verantworten muss. Grund für das verkürzte Programm: Eine wichtige Zeugin konnte nicht wie erwartet erscheinen. Der Vorsitzende Richter Johannes Becker zeigte allerdings Verständnis.

Zeugin hatte Gerichtstermin

„Es ist fast ein bisschen tragisch. Aber manche Dinge gehen eben vor“, sagte er. Die Frau, die in der Zeugenliste eine wichtige Rolle spielt, weil es sich bei ihr um die Hauptermittlungsführerin handelt, hatte am Leipziger Amtsgericht in eigener Sache einen Scheidungstermin wahrzunehmen. Zudem ist die Kriminalistin nach einer Operation im Fußbereich gegenwärtig gesundheitlich noch so beeinträchtigt, dass sie für einen Transport ins Gericht fremde Hilfe in Anspruch nehmen muss.

Das immerhin scheint zum nächsten Termin am 16. Oktober gewährleistet. „Einer ihrer Kollegen sicherte zu, dass er die Fahrt unternehmen wird“, teilte Becker mit.

Die Verschiebung der Zeugenanhörung hatte aus seiner Warte auch einen Vorteil. Dadurch könne die Frau intensiver „in ihren Erinnerungen schürfen“ und sich so besser vorbereiten. Außerdem bestehe für Verteidiger Benedikt Mick die Gelegenheit, einen Beweisantrag vorzubereiten.

Keine neuen Beweise

Der Vorsitzende Richter nutzte den kurzen Termin, um aus einer Niederschrift zu verlesen, die angefertigt wurde, nachdem das Mobiltelefon des Angeklagten am 10. Juni 2016 beschlagnahmt und in der Folge untersucht worden war. Ausgelesen wurden zum Beispiel das Telefonbuch, E-Mail-Eintragungen, Bilder und Chat-Dateien. Das Ergebnis des Gutachtens zur EDV-Analyse: Weder in den Bilddateien noch in den Nachrichten fanden sich verfahrensrelevante Beweismittel. Im Klartext: Es gab keine Fotos von Tatorten.

Die drei Brände, welche dem Angeklagten als Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr zur Last gelegt werden, ereigneten sich zwischen Januar und Juni 2016 im Umland von Zerbst. Die Flammen loderten damals an Strohballen, einem Imker-Wagen sowie in einem Waldstück und verursachten einen Schaden von knapp 30.000 Euro.

54 Brände

Insgesamt hatte die Polizei im Zeitraum Oktober 2013 bis Juni 2016 im Raum Nutha zu 54 Bränden ermittelt. Es brannte in dieser Zeit so ziemlich alles, was brennbar ist – Bäume, Matratzen, Altkleider- und Müllcontainer, Scheunen, Lagerhallen, Wald, bestellte Äcker, Hochsitze.

Festnahme 2016

Fast zwei Jahre dauerten die Ermittlungen, bis am 10. Juni 2016 ein Verdächtiger festgenommen wurde. Es handelte sich um einen jungen Mann, der zu dieser Zeit Mitglied der Ortsfeuerwehr Nutha war. In drei Fällen erfolgte schließlich die Anklage. Prozessbeginn am Zerbster Amtsgericht war im November 2017. Im Januar 2018 kam es zum Urteilsspruch: Schuldig. Zwei Jahre auf Bewährung und eine Geldstrafe wurden als Strafmaß festgelegt. Mit seinen Brandstiftungen wolle der Angeklagte „soziale Anerkennung“, stellte das Gericht zum Prozessende fest.

Der Angeklagte ging daraufhin in Berufung. Der Prozess am Landgericht Dessau begann Mitte Juli und dauert seither an.