Zerbst l Einen strukturierten Tagesablauf vorgeben, das ist eines der Ziele für die Mitarbeiter der sozialtherapeutischen Tagesstätte des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Zerbst. Von Montag bis Freitag werden dort Menschen begleitet, die an einer seelischen Behinderung leiden oder chronisch psychisch krank sind.

Um 8 Uhr öffnen sich die Türen der Einrichtung, die für ein paar Stunden zum Treffpunkt für Männer und Frauen im Alter von 30 bis 60 Jahre wird. Insgesamt 15 Plätze stehen in Zerbst zur Verfügung. „Wer nicht zu uns kommen kann, der wird von unserem Fahrdienst abgeholt“, sagt Ingo Gensch, der die Einrichtung leitet. Zur Tagesstätte gehört auch eine Wohngemeinschaft mit fünf Plätzen, die ambulant betreut wird. Die Tagesstätte besteht am 1. September bereits 13 Jahre.

„Nachdem alle unsere Klienten eingetroffen sind, begrüßen wir sie in einer kleinen Morgenrunde und frühstücken gemeinsam“, erzählt Gensch. Das sei eben nicht selbstverständlich. „Bedingt durch das Leiden der Klienten, leben diese sehr oft isoliert, haben keine Familienangehörigen oder Freunde, die sich kümmern“, so Gensch weiter.

Wiedereingliederung ist das Ziel

„Unser Ziel ist es, sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern.“ In der Tagesstätte werde ihnen wieder ein Leben in einer Gemeinschaft gegeben. Denn das Alleinsein mache alles noch schlimmer. „Oft fallen irgendwann alle sozialen Kompetenzen runter, alltägliche Sachen im Haushalt, die für uns selbstverständlich sind, werden schwerer. Wir möchten mit unserer Hilfestellung erreichen, dass unsere Klienten wieder ein Verantwortungsgefühl entwickeln, früh aufstehen, weil hier in der Tagesstätte jemand auf sie wartet“, führt Gensch das Problem vor Augen. Damit steige auch wieder das eigene Selbstwertgefühl.

Beim Mittagessen packen meist alle mit an. „Wir versorgen uns selbst“, sagt Gensch. In der Lehrküche werde die Arbeit vom Gemüseschneiden bis hin zum Kochen in Gruppen mit Unterstützung der Mitarbeiterinnen aufgeteilt. „Vorher wird ein Plan aufgestellt, wer wofür verantwortlich ist“, gibt Gensch einen Einblick.

Voraussetzung: Erwerbsunfähigkeit

Die Voraussetzung, um Anspruch auf einen Platz in der Tagesstätte zu haben, sei die Erwerbsunfähigkeit. Dann könne ein Antrag auf Eingliederungshilfe beim Sozialamt gestellt werden. „Die Plätze werden vom Amt für Soziales und Integration gefördert“, erklärt der Leiter.

„Nach dem Mittagessen folgt das gemeinsame Abräumen und Saubermachen“, erklärt Gensch den Ablauf. Um 14.30 Uhr gehe es dann wieder nach Hause. „Wir wünschen uns, dass das, was hier bei uns gemacht wird, von den Klienten in den eigenen Haushalt übernommen wird.“

Diakonie bietet Aktivitäten

Die Vermittlung und Anleitung zur Tagesstruktur sind nur einige Ziele. Die Klienten sollen auch zu Aktivitäten motiviert werden. Daher stehen auch regelmäßig Ausflüge zu kulturellen Veranstaltungen auf dem Programm.

Zur Tagesstätte gehört auch ein kleiner anliegender Garten, der gepflegt werden muss. Dort wird Obst und Gemüse angebaut. „Für unsere Klienten ist das eine tolle Sache zu sehen, wie dort etwas wächst und blüht.“