Zerbst l Der 5. März 1522 – das soll ein denkwürdiger Tag für die Zerbster Bürger werden. Es ist Aschermittwoch. Die Bürger feiern vor Beginn der großen Fastenzeit ausgiebig Fastnacht. Unter ihnen ist auch der Gastwirt Severin Stendal, stadtbekannt für seine Händel und Streitereien mit den Zerbstern. Aktenkundig ist er auch, sind die Strafen des Rates gegen ihn hart – hohe Geldbußen oder auch der zeitweise Verweis aus der Stadt. In dem übermütigen Treiben Stendals und seiner Kumpane wird die Idee geboren, Pfarrer Wilbolt von der St. Nikolai Gemeinde einen Fastnachtsstreich zu spielen. Der von ihnen veranstaltete Lärm lockt den Pfarrer und seine Gäste vor die Tür – dort stehen Stendal und Kumpane mit Büchse und brennender Lunte. Der Schreck ist groß, fordert Stendal ihn doch zum Fastnachtsspiel auf. Wir wissen nicht, was für ein Spiel das sein sollte. Aber dem Pfarrer, der Angst um Leib und Leben hat, gelingt es mit Hilfe seiner Gäste, die Tür zu schließen.

Keine Konsequenzen für Fastnachtsscherz

Am nächsten Tag erhebt Pfarrer Wilbolt Klage beim Rat der Stadt gegen Stendal. Doch der reagiert nicht im erwünschten Sinn. Die Ratsherren beschwichtigen das Vorkommnis, es sei doch, wenn auch ein sehr grober, aber eben doch nur ein Fastnachtsscherz gewesen. Ernsthafte Konsequenzen hat Stendal nicht zu befürchten, im Wiederholungsfalle sei mit Strafe zu rechnen. Aber das reicht Pfarrer Wilbolt nicht – er wendet sich an seinen Bischof Dietrich von Brandenburg und an die regierenden Fürsten Wolfgang von Anhalt-Köthen und Margarethe von Anhalt-Dessau. In seiner Klageschrift vermutet er aufrührerische Umtriebe gegen die Geistlichkeit, ausgelöst durch den Thesenanschlag und die Schriften des Doktor Martin Luther.

Zwar werden Stendal und seine Komplizen nochmals vernommen, aber die Angelegenheit scheint dann im Sande verlaufen zu sein. Der Fastnachtsscherz blieb ohne Konsequenzen.

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