Zerbst l Es war seit Langem der einsatzreichste Sommer für die Feuerwehren. Kein Wunder, fiel doch zwischen Mai und Oktober kaum ein Tröpfchen Regen. Wälder, Wiesen und Felder waren regelrecht ausgedörrt. „Allein die Zerbster Wehr ist im Juli so viele Einsätze gefahren, wie normalerweise in einem Vierteljahr“, sagt Steffen Schneider, Ortswehrleiter in Zerbst und Sprecher des Feuerwehrverbundes in der Einheitsgemeinde.

Lob an die Arbeitsgeber

Nicht selten seien es zwischen Juni und Ende September drei bis vier Einsätze pro Tag gewesen und das ohne Pause hintereinander weg. „Die Jungs und Mädels hatten an manchen Tage nicht einmal Zeit zum Durchatmen“, so Schneider. Vier Einsätze am Tag, wie bekommt man das hin? Aktuell seien knapp 50 aktive Einsatzmitglieder in Zerbst. „Wir stemmen das, indem jeder Kamerad alles stehen und liegen lässt, wenn der Alarm ertönt“, erklärt Scheider.

Dabei ginge ein großes Lob an die Arbeitgeber, die dann die betreffenden Mitarbeiter freistellen, sodass sie auch während der Arbeitszeit zu den Einsätzen eilen können. „Das ist eine große Entlastung und ich ziehe vor meinen Jungs und Mädels den Hut, dass sie durchgehalten haben“, betont Steffen Schneider.

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Einige Beispiele: Am 2. Juli ist die Zerbster Wehr drei Mal ausgerückt, zu einem Feldbrand bei Mühlsdorf und zu zwei Bränden im Waldfrieden. Einen Tag später, am 3. Juli, ertönte der Alarm gleich vier Mal. Die Einsätze an diesem Tag: ein Feldbrand zwischen Steckby und Kermen, ein Feldbrand bei Rodleben, erneut ein Feuer im Waldfrieden und der Waldbrand bei Coswig. Am 5. Juli rückt die Zerbster Wehr zwei Mal aus, am 7. Juli vier Mal, am 9., 10. und 15. Juli je zwei Mal. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

60 Einsätze in 94 Tagen

Und unter den vielen Wald-, Feld- und Ödlandbränden sind auch größere Feuer. Am 9. Juli gegen 1 Uhr morgens stehen bei Eichholz knapp 500 Strohballen in Flammen, die nicht zu löschen waren. Ein weiteres Problem: Nur wenige Meter entfernt lagern etwa noch einmal genauso viele Ballen. „Um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern, wurden diese mit etwa 5000 Litern Löschwasser gekühlt“, schildert Schneider. Der Einsatz ging bis in den frühen Morgen. Vor Ort waren mehrere Ortswehren mit 27 Kameraden.

Am 15. Juli werden gegen 15.20 Uhr zahlreiche Ortswehren nach Steutz gerufen. Dort stehen etwa zwei Hektar Kiefernwald in Flammen. Die Rauchwolke ist aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen. Mehr als 100 Feuerwehrleute der Ortswehren Steutz, Steckby, Zerbst, Leps, Jütrichau, Garitz-Bornum, Güterglück, und Deetz-Badewitz kämpfen gegen die Flammen. Außerdem eilen Kameraden von der anderen Elbseite aus Aken zu Hilfe.

Insgesamt rückte allein die Zerbster Wehr zwischen 28. Juni und dem 29. September mehr als 60 Mal aus. Zum vergleich: Im gesamten Jahr 2017 waren es 165, 2016 etwas weniger, nämlich 139 Einsätze.

„Wir hoffen, dass die Weihnachtszeit etwas ruhiger wird und die Kameraden das Fest mit ihren Lieben genießen können“, sagt Steffen Schneider, allerdings nicht ohne einen Appell: „Passen Sie auf und lassen Sie keine brennenden Kerzen unbeaufsichtigt, egal ob am Kranz oder am Weihnachtsbaum. Das gilt übrigens auch für den Weihnachtsbraten in der Backröhre. Schalten Sie den Herd aus, wenn Sie die Wohnung verlassen.“