Zerbst l „Die Haushaltswaschmaschine HW 512 besitzt ein verhältnismäßig großes Fassungsvermögen und erreicht eine besonders günstige und wäscheschonende Waschwirkung. Die Ausführung des Triebwerkes ist äußerst stabil und gewährleistet bei ordnungsgemäßer Pflege eine hohe Lebensdauer.“ So steht es in der Beschreibung der Saalfeld, die Frank Eike bis heute zuverlässige Dienste leistet.

„Meine Oma Margit Eike hat sie im Dezember 1965 gekauft“, erzählt der gebürtige Sachse, der inzwischen in Zerbst lebt. 570 Mark kostete die HW 512 Standard, wie die Rechnung beweist. „Zu der Zeit war das eine Menge Geld“, sagt der 41-Jährige. Damals in der DDR habe dies einem Monatsgehalt entsprochen.

Als Kind in Waschmaschine gebadet

Doch die Investition sollte sich lohnen – nicht nur als Erleichterung beim Bewältigen der Wäsche für einen Fünf-Personen-Haushalt. „Als Kind hat sie mich drin gebadet“, verrät Frank Eike. Natürlich wurde dazu vorher der sogenannte Wäschebeweger herausgenommen. Das geschah ebenfalls beim Einkochen, wofür sich die Saalfeld mit ihrem 45-Liter-Emaille-Kessel genauso eignet.

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„Ungefähr 24 Gläser passen rein“, weiß der Altenpfleger inzwischen aus eigener Erfahrung. Ob Brombeermarmelade oder Gehacktes – die HW 512 beherbergte längst nicht nur Hemden, Hosen oder Socken in ihrem Inneren. Frank Eike nutzt sie gern, um Tischtücher und Bettlaken zu waschen. „Rotkohl- oder Grünkohlflecken sind kein Problem“, sagt er und blickt liebevoll zur Saalfeld hinüber.

Maschine übersteht Generationen

„Das ist ein Generationsgerät“, ist der 41-Jährige stolz auf seine betagte Dame. „Sie lief immer störungs- und fehlerfrei“, sagt Frank Eike. Nur knapp 180.000 HW 512 seien im VEB (B) Waschmaschinenwerk Saalfeld insgesamt gefertigt worden, erzählt er. Eine noch völlig funktionstüchtige davon besitzt er und das mitsamt der hölzernen Waschzange und der originalen Gebrauchsanweisung.

Eigentlich sollte die Saalfeld schon weggeworfen werden, blickt Frank Eike zurück. Einsam stand sie bereits in der Garage, als er sich für das Gerät interessierte. „Als Lehrling hat man nicht so viel Geld“, schildert der Altenpfleger, wie er seine Oma fragte, ob er die HW 512 haben könnte. „Die ist so alt und laut“, entgegnete Margit Eike ihrem Enkel, der sie trotzdem nehmen wollte, es tat und nie bereute. Im Gegenteil.

Kultiges Design der Geräte

Im Laufe der Zeit sammelte der 41-Jährige weitere Waschmaschinenmodelle an. „Ich interessiere mich für alte gut funktionierende Technik“, begründet Frank Eike. Daneben gefällt ihm das kultige Design der Geräte, ihr ganz spezieller Charme. Aus dem Jahr 1954 stammt die Romo Fulnek, die keinesfalls ohne Wasser eingeschaltet werden darf, wie es in roter Warnschrift im Deckel steht. 1,3 Kilo Wäsche fasst die nur für Wechselstrom geeignete Maschine, die für den Schleudergang ein bis zwei Minuten benötigt. So lässt es sich auf dem Gerät nachlesen, das ebenso gut gepflegt ist wie die blitzende Miele, die Baujahr 1948 ist.

Insgesamt elf solcher historischer Waschmaschinen besitzt Frank Eike derzeit. Es kommen immer mal wieder weitere hinzu, während andere einen neuen Liebhaber finden. Schon mehrere WM 66 hat er instandgesetzt und verkauft. Das robuste DDR-Modell sei besonders bei westdeutschen Bundesbürgern sehr beliebt, sagt er.

Wissen über Motoren vom Opa

Das Wissen über Motoren und Phasenstrom oder, wie man die Maschinen richtig abschmiert, habe er von seinem Opa, erzählt Frank Eike. Auch ein früheres Praktikum in einem Elektro-Fachgeschäft im Wolfen hilft ihm nun bei notwendigen Reparaturen.

Unterdessen heizt die Saalfeld das Wasser auf – 40 bis 60 Grad für Buntwäsche, 70 bis 80 Grad werden in der Gebrauchsanweisung derweil für Weiß- und Grobwäsche empfohlen. Die eigentliche Waschzeit beträgt nur fünf bis acht Minuten, vorher wird die Wäsche allerdings längere Zeit eingeweicht. „Einmal warmes Wasser reicht für vier Waschladungen, bis die Lauge aufgebraucht ist“, schildert Frank Eike.

Erinnerung an viel zu früh verstorbene Oma

Es ist deutlich spürbar, wie sehr er an der Waschmaschine hängt. „Sie erinnert mich immer an meine Oma, die leider viel zu früh verstorben ist“, erzählt er. Eine Menge habe sie ihm beigebracht. Unterdessen ist seine Uroma schuld an einer anderen großen Leidenschaft: dem Sammeln von Wand- und Standuhren, die von einem ganz anderen Handwerk zeugen als die Saalfeld, mit der sich Frank Eike an der Aktion „Jetzt sauber tauschen“ beteiligt hat. Einfach so, aus Spaß und Interesse.

Knapp 1300 Haushalte aus ganz Sachsen-Anhalt folgten dem Aufruf der Landesenergieagentur. Diese war auf der Suche nach den ältesten, noch betriebenen Wasch- und Trockengeräten. In der Kategorie der Waschmaschinen belegte Frank Eike mit seiner HW 512 zusammen mit einer Familie Prokop aus dem Seegebiet Mansfelder Land den ersten Platz. „Ich hatte es vermutet“, gesteht der 41-Jährige und lächelt.