Zerbst l „Man merkt, es ist Weihnachtszeit“, witzelte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD), als er nach dem Förderbescheid für den Internetausbau gleich noch den nächsten Förderbescheid bekanntgeben konnte. 685.000 Euro haben das Land Sachsen-Anhalt und der Bund im Zuge des Förderprogramms Stadtumbau Ost für die elfte Sicherungsmaßnahme des Schlosses genehmigt.

Mutmacher

„Die 100-prozentige Förderung von 225.000 Euro in diesem Jahr hat uns Mut gemacht, einen weiteren Antrag zu stellen – mit Erfolg“, freute sich Dittmann.

Damit wird eine Förderung gleich von mehreren Projekten beschlossen, die sich dem ältesten Teil des Schlosses widmen werden, dem Corps de Logis.

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Vorsitzender des Schlossfördervereins Dirk Hermann nahm mit Freude den Förderbescheid entgegen. „Eine 100-prozentige Förderung – es ginge wohl nicht besser.“

Der Corps de Logis, gebaut ab 1681, soll zum ersten Mal wirklich grundhaft angegangen werden. Es handelt sich hier um ein zweistöckiges Kellergeschoss und das Erdgeschoss. „Eine große Herausforderung, denn wir reden hier von Deckenhöhen von bis zu neun Metern“, erklärt Dirk Hermann.

Rekonstruktion

Im Kellergeschoss sind historische Gewölbe zu Teilen erhalten, die restauriert werden sollen, zum Teil fehlen sie aber auch und müssen rekonstruiert werden.

Die Arbeiten werden allerdings mit einem Abbruch beginnen. „Ein Teil der Fassade muss abgerissen werden, denn die dicken Wände sind dort so aus dem Lot, dass man sie nicht mehr heranziehen kann. Wir reden hier von Wandstärken von bis zu zwei Metern“, erklärt Hermann. Dafür liegen bereits die Genehmigungen des Bauamtes und des Denkmalschutzes vor.

Im Zuge der Arbeiten an den Geschossen werden auch neue Räume entstehen. Unter anderem soll im Keller perspektivisch eine neue Grablege entstehen. „Damit kann der Beschluss des Stadtrates zur Schaffung einer neuen Grablege für die Fürstensärge aus dem Jahr 2012 im Corps de Logis zur Umsetzung kommen“, weiß Dittmann hin.

Heimstätte

Die Rede ist von 24 Särgen der Fürstenfamilie, die vor der Sprengung des Westflügels des Schlosses, in dem die Särge untergebracht wurden, gerettet worden, dann aber über die Jahre ein schweres Schicksal hatten. 17 konnten von ihnen noch gerettet werden, die restauriert dort ihre neue und würdevolle Heimstätte finden sollen.

„Wir sehe darin auch ein großes touristisches Potenzial, vor allem bei russischen Besuchern“, unterstreicht Hermann.

Die weiteren neu entstehenden Räume sollen dann 2019 einer konkreten Nutzung zugeführt werden. Doch bis dahin muss erst geschaut werden, wie weit man überhaupt kommt, denn die Planungen und Schätzungen sind etwa ein Jahr alt und die Preise im Baugewerbe sind gestiegen. „Wir werden jetzt die Preise auf den Angeboten abwarten und sehen, was wir wie umsetzen können. Für offenen Arbeiten versuchen wir dann Eigenmittel über Spenden aufzubringen“, kündigt Hermann an.