Zerbst l Der so genannte Masterplan „Schloss Zerbst“ zielt auf die ganzjährige Nutzung der erhaltenen Gebäudeteile ab: dem Ostflügel und den Überresten des Corps de logis. Das 43-seitige Dokument bildet eine wichtige Grundlage, um Gelder für Maßnahmen an dem früheren Fürstensitz zu akquirieren, wie Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss ausführte. Immer mehr Fördermittelgeber würden nach einem solchen Entwicklungskonzept fragen, begründete er die Anfertigung des Masterplans, an dessen Entstehung der Förderverein Schloss Zerbst maßgeblich beteiligt war.

Viel Engagement

Immerhin ist es dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder zu verdanken, dass seit 2005 mehrere Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen an der Ruine des einst prachtvollen Barockbaus realisiert werden konnten. Aktuell laufen Arbeiten zur grundhaften Wiederherstellung der zwei unteren Etagen des Corps de logis. In dem am schwersten geschädigten Bereich wurde bereits ein Kellergewölbe originalgetreu rekonstruiert, auch der Einbau von Fenstern nach historischem Vorbild erfolgte inzwischen im Erdgeschoss.

Doch zurück zum Masterplan selbst, der nicht nur einen reich illustrierten Überblick über die mittlerweile umgesetzten Maßnahmen gibt, sondern ebenfalls über die Geschichte des Schlosses und des Fördervereins informiert. Neben anschaulichen Lageplänen beinhaltet dieser konkrete Ideen, um das denkmalgeschützte Objekt das gesamte Jahr über zu nutzen. Bislang erstreckt sich die Saison nur von April bis Oktober, in der Besichtigungen möglich sind, kulturelle Veranstaltungen angeboten werden und sich Hochzeitspaare das Ja-Wort geben können.

Das Raumkonzept sieht hingegen noch weitere Chancen außer der durchaus vorrangigen musealen Nutzung vor wie beispielsweise die Unterbringung der Zerbster Tourist-Information im Ostflügel oder auch die Einrichtung eines Kommunikationszentrums für verschiedene Vereine. Neben dem Schlossverein sind bereits der Zerbster Heimatverein, der Internationale Förderverein Katharina II. und die Internationale Fasch-Gesellschaft im Schloss mit Ausstellungen präsent. Angedacht ist ebenfalls, Besuchern die Dimension der ursprünglich dreiflügligen Anlage durch das Freilegen von Mauerwerksresten zu verdeutlichen.

Ganzjährig nutzbar

„Für jede einzelne Etage ist beschrieben, wohin die Nutzung gehen kann“, formulierte es Dittmann. Zu beachten ist bei all dem jedoch ein wesentlicher Aspekt: In den Kellergeschossen befindet sich ein Fledermausschutzgebiet und „das können wir nicht ändern“, betonte der Bürgermeister. Obwohl sich die klimatischen Bedingungen in Folge der durchgeführten Arbeiten am Schloss verändert haben, überwintern dort noch immer geschützte Arten wie Mopsfledermaus, Großes Maus-ohr und Bechsteinfledermaus. Natur- und Denkmalschutz würden an der Stelle aufeinanderprallen, wie Dittmann bemerkte.

Der Masterplan sieht vor, das Schutzgebiet auf die hofseitigen Räume zu konzentrieren. Durch bestimmte Maßnahmen sollen dort optimale Bedingungen für die Fledermäuse geschaffen werden. Dittmann informierte im Bauausschuss zudem über positive Signale seitens des Landesverwaltungsamtes zur Schaffung von Ausweichquartieren in den noch zugeschütteten Kellerräumen des nicht mehr existierenden Kämmereigebäudes.

Hinsichtlich eines Wiederaufbaus der kompletten Schlossanlage – die vorläufige Kostenschätzung beläuft sich auf rund 195 Millionen – erklärte Dittmann, dass man diese Zukunftsvision „zumindest nicht ausschließen sollte“. Voraussetzung sei jedoch, dass sowohl das Schloss als auch der Schlossgarten öffentlich nutzbar bleiben.

Der Bauausschuss befürwortete den Masterplan ohne weitere Nachfragen. Am 30. Januar wird der Stadtrat endgültig über das Papier abstimmen.