Steutz l In vergangenen Zeiten hatte die Hausschlachtung einen sehr hohen Stellenwert, war doch die Versorgung von Fleisch einzig und allein durch selbst aufgezogene Schweine und Rinder, Geflügel, Kaninchen und Schafe gewährleistet. Einkaufsmärkte mit Fleisch-theken und Gefriertruhen, wo man heutzutage Fleisch und Wurst in beliebiger Menge kaufen kann, gab es nicht. Viele Dorfbewohner hatten Gärten oder ein kleines Stück Land, mit deren Erträgen man zumindest ein Schwein füttern konnte.

Die Schweine hatten in der Regel ein Gewicht von über fünf Zentner und wurden im Vergleich zu heute noch wesentlich älter – durften wegen der schlechten Zeiten viel Fett ansetzen. Geschlachtet wurde im Herbst und Winter – Kühlschränke und Tiefkühlfächer gab es noch nicht.

Fleischverarbeitung für Winter

Im Winter war eine Fleischverarbeitung aus hygienischer Sicht vorteilhaft. Das eingesalzene, geräucherte Fleisch, insbesondere Schinken und Speck, aber auch geräucherte Leber- und Blutwurst etwa, mussten dann ausreichen bis zur nächsten Schlachtung. Fleischrationen wurden gut eingeteilt werden.

Bilder

Zu Kriegszeiten war die Tierhaltung wichtig zum Überleben, viele mussten mit wenig versorgt werden. In der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges und im Zuge der Bodenreform, war es nahezu Pflicht, sich ein oder mehrere Schweine und andere Tiere in den Stall zu setzen. Wer selber versorgt war, konnte mit allem handeln, was knapp war. Im sozialistischen Staat musste natürlich auch jeder Kleinbauer oder Neusiedler, der produzierte, ein gewisses Soll abgeben. Auch zu LPG-Zeiten war die Kleintierzucht an der Tagesordnung und ein willkommener Zuverdienst.

Kleintierhaltung wurde weniger

Nach der Wende übernahmen dann die Supermärkte. Die Kleintierhaltung nahm immer mehr ab. Heute lässt man alte Traditionen wieder aufleben. In Gemeinschaft oder mit Freunden kauft man ein Schwein und schlachtet mal wieder. Schlachtefeste werden zelebriert.

So dachten es sich auch einige Mitglieder des Vereins Ländliches Leben Steutz/Steckby. „Wir betreiben Brauchtumspflege“, erklärt es Gundel Schayka. Das Schlachten gehört schließlich heute zu den Traditionen des ländlichen Raumes.

117 Kilogramm Schwein

Die Handvoll Steutzer legte zusammen, um ein Schwein anfüttern zu lassen. Schon damit sammelte man Erfahrungen. Das hätte man viel eher beauftragen müssen. So brachte das Tier gerade 117 Kilogramm auf die Waage.

Schon um 5 Uhr morgens traf sich die Schlachtegesellschaft. Heißes Wasser und Kaffee wurden angesetzt. Um 6 Uhr steht der Fleischer auf dem Hof. „Oh Gott, die Sau ist da“, entweicht es Cornelia Rogatty, als das Tier geliefert wird.

Lieber nicht zuschauen

Kein langes Debattieren, flott geht es zur Sache. „Volksreden könnt ihr auf dem Markt halten“, mahnt der Schlachter an. Er setzte den Bolzenschussapparat an, ein kurzes Zucken und das Tier ist erledigt. Auch von den paar Steutzern schauen einige lieber nicht zu.

Blut drehen erweist sich als erste anstrengende Aufgabe für die Helfer – dreimal links herum, dreimal rechts herum. Jeder Handgriff sitzt beim Fleischer, die Anweisungen kurz und knapp. Warmes Wasser kaltes Wasser, die Männer und Frauen flitzen. Beim „Rasieren“ sind sie wieder gefragt, mit Hand anzulegen.

Den ersten Schnaps gibt es entsprechend der Tradition, als das Schwein aufgehängt ist. Auch der amtlich bestellte Fleischbeschauer ist pünktlich zur Stelle. Bevor er nicht sein Okay gegeben hat, darf nicht verarbeitet werden. Aufatmen. Der Tierarzt musste sich derweil auf den Weg zum nächsten Termin machen. Aber es sind deutlich weniger geworden, die schlachten, so Dr. Ulrich Ix.

2 Stunden fürs Zerlegen

Weiter geht es im Waschhaus. Das hatte Stephan Riemschneider gerade fertig hergerichtet, privat. Auf einigen Höfen in den Dörfern gibt es die Waschküchen noch, sie werden aber oft ganz anders genutzt. Nach zwei Stunden war in Steutz das komplette Schwein zerlegt. Spontan organisierte man noch weitere Schweineteile heran, damit sich am Ende der ganze Aufwand gelohnt haben sollte.

In der Waschküche dampfte es, die Messer wurden gewetzt, der Fleischwolf in Gang gesetzt. Stephan Riemschneider legte Holz unter den Kesseln nach und rührte gelegentlich in der Suppe voller Vorfreude auf die Endprodukte.

Mittag war alles getan, es konnte aufgeräumt werden. 73 Bratwürste und 130 Gläser Wurst zählte Gundel Schayka am Ende. Finden sich wieder einige zusammen, soll das Schlachten durchaus wiederholt werden.

Keine Hamsterkäufe nötig

Wer Reserven und eine volle Speisekammer hat, kann schlechten Zeiten entspannt entgegen und von Hamsterkäufen dieser Tage absehen.