Zerbst l Sichtlich beeindruckt spazieren die Mitglieder des zeitweiligen beratenden Ausschusses Schloss durch den erhaltenen Trakt der einstigen Zerbster Residenz. „Das Gewölbe wurde nach historischem Vorbild rekonstruiert“, erläutert Dirk Herrmann mit nach oben gerichtetem Blick. Der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Zerbst führt die Frauen und Männer durch den Teil des Barockbaus, der bislang am schwersten zerstört war. Statt der freien Sicht in den Himmel schauen die Anwesenden nun auf eine weiße Decke.

Räume wieder hergestellt

Mehrere Räume konnten durch die jüngste Sicherungsmaßnahme wieder hergestellt werden. In zwei von ihnen sollen die 17 erhaltenen Särge aus der fürstlichen Gruft ihre zukünftige Grablege finden – in einem sollen die Renaissancesärge ruhen, im anderen die Barocksärge. „Ein Beleuchtungskonzept ist noch notwendig“, bemerkt Dirk Herrmann während der Besichtigung, der sich die Ausschusssitzung im Rathaus anschließt.

Dort informiert Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) über den aktuellen Stand zur geplanten Umbettung der prunkvollen Särge, die in einem desolaten Zustand in der Sakristei der Bartholomäikirche lagern. Bereits seit 2012 existiert ein entsprechender Stadtratsbeschluss, der nun mit der Schaffung der neuen Räumlichkeiten endlich umgesetzt werden kann. Vorab sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen.

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Kindersärge umgelagert

Die Umlagerung der acht Kindersärge stellt kein Problem dar, wie Dittmann ausführt. Denn diese befinden sich bereits im Schloss. Allerdings sind die Bedingungen dort, wo sie momentan untergebracht sind, nicht optimal. Temperatur und Luftfeuchtigkeit würden stark schwanken, schildert Dirk Herrmann. „Die Situation kann sich nur verbessern“, meint er.

„Die Herausforderung sind die Erwachsenensärge“, konstatiert der Bürgermeister. Hierbei liegt die einfachere Aufgabe bei der Stadt: die Einholung der denkmalrechtlichen Genehmigung für den Transport der wertvollen Prunksärge und ihre Aufstellung im Schloss und zwar zunächst provisorisch auf Paletten. Unterdessen muss die Kirchengemeinde die gleiche Genehmigung für die Öffnung der Sakristei einholen. Vor allem jedoch muss sie ein Konzept erstellen, wie die Sakristei danach aussehen soll und die Finanzierung dafür absichern.

Für den Transport von der Kirche zum Schloss, der ebenfalls mit der Denkmalpflege abgestimmt werden muss, ist wiederum die Stadt verantwortlich. Wie Dittmann erläutert, wird für jeden der fragilen Särge im Vorfeld eine Risikobewertung vorgenommen, um sie gegen ein Auseinanderfallen zu sichern. Damit wird sich die Forschungsstelle „Gruft“ der Hochschule Potsdam befassen.

Konzept für Restaurierung

Diese erarbeitet zudem ein Konzept samt Kostenplan für die Restaurierung der deformierten und stark beschädigten Prunksärge, unter denen sich auch jene der Eltern von Zarin Katharina II. befinden. Vorerst werden die Särge in ihrem Ist-Zustand aufgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Die Restaurierung soll perspektivisch direkt im Schloss erfolgen, wofür nicht unerhebliche Mittel benötigt werden. Die 2012 vorgenommene Kostenschätzung lag damals bei rund 1,5 Millionen Euro.

Nächstes Ziel ist nun aber erst einmal die Umbettung der Särge. Diese könnte im Oktober erfolgen, insofern die geschilderten Anforderungen bis dahin allesamt erfüllt sind. Wenn nicht sieht Variante 2 vor, den Winter abzuwarten und das Projekt im Frühjahr 2020 anzugehen, wie Dittmann im Ausschuss informiert.